Bischöfin Rosemarie Wenner

Gebetsaufruf für Korea

In dieser kritischen Situation auf der koreanischen Halbinsel bitten wir, in den Gottesdiensten an Weihnachten die Lage in Korea vor Gott zu bringen.

Liebe Geschwister!

Mit Besorgnis haben wir aus den Nachrichten die Meldungen aus Nordkorea aufgenommen, wo sich nach dem Tod des Diktators Kim Jong Il die Situation an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea weiter verschärft hat. Wir wissen aus eigener, leidvoller Erfahrung, was es heißt, als Nation durch eine Grenze mit Todesstreifen geteilt zu sein. Dies ist ein Riss, der auch durch Familien und Kirchen geht.

In dieser kritischen Situation auf der koreanischen Halbinsel bitten wir, in den Gottesdiensten an Weihnachten die Lage in Korea vor Gott zu bringen. Wir haben es in Deutschland erlebt, dass Gebete und Kerzen mehr ausrichten als Waffen und Gewalt.

Hier ist ein Vorschlag zum Mitbeten:

Dir, Gott, sei die Ehre in der Höhe und Frieden auf der Erde für uns Menschen, auf denen dein Wohlgefallen ruht. Wir bringen Dir an diesem Weihnachtsfest unsere Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts der vielen Krisen, Konflikte und Kriege auf dieser Erde. Die einen lassen sich von Machtgier und Profitstreben leiten, koste es was es wolle. Die anderen bezahlen einen schrecklichen Preis dafür und versinken in Leid und Elend.

Wir bitten heute besonders für das koreanische Volk, zerrissen in Nord- und Südkorea. Der Machtwechsel in Nordkorea löst Ängste und Befürchtungen aus, die uns im ehemals geteilten Deutschland nicht fremd sind. Wir bitten dich, du menschgewordener Gott, erbarme dich der Menschen in Nord- und Südkorea. Lass Gebete und Kerzen stärker sein als Waffen und Gewalt. Wandle die kurze Sicht auf beiden Seiten in eine Weite, an deren Horizont sich durch Dialog und Annäherung das Licht des Friedens erkennen lässt. Stärke insbesondere unsere Geschwister in  Nordkorea, die unter Verfolgungen durch das Regime leiden. Du, Gott, bist in Jesus Christus in diese Welt gekommen, um der tiefen Sehnsucht nach Frieden und Gerechtigkeit eine Gestalt zu geben. Wir vertrauen darauf, dass du in dieser Welt auch heute deinen Frieden und deine Gerechtigkeit pflanzen und gedeihen lässt. Lass das in und durch uns und in vielen Menschen guten Willens geschehen.

Dir, Gott, sei die Ehre in der Höhe und in aller Welt, heute und für immer. Amen.

Bischofin Rosemarie Wenner