Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Gruß zu Weihnachten 2011

Weihnachtsbotschaft von Bischöfin Rosemarie Wenner

Kerzen, mit Stacheldraht umwickelt, standen in den Neunzigerjahren in den evangelisch-methodistischen Gemeinden im Südwesten Deutschlands auf den Abendmahlstischen. Sie erinnerten an das Leiden der Menschen in Burundi in Zentralafrika, wo ein Bürgerkrieg unzählige Opfer forderte. Heute sind die politischen Verhältnisse in Burundi stabil, Gott sei Dank. Doch für viele Menschen dort und in aller Welt ist Frieden immer noch ein Traum. In der Region, in der Jesus zur Welt kam, stockt der Friedensprozess; in Syrien werden Menschen erschossen, die friedlich für Freiheit einstehen; am Horn von Afrika sterben Kinder an Hunger; in Deutschland übersehen wir Rassismus, anstatt ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger beizustehen. In manchen Ehen ist Liebe in Hass umgeschlagen. Unfrieden hat viele Facetten.

Eine Vertretung des Bischofsrats und der Missionsbehörde unserer Kirche  waren in der vergangenen Woche in Wuppertal zusammen, um in einem Konflikt innerhalb der Kirche in Burundi zu vermitteln. Obwohl wir miteinander die Bibel lasen, beteten und um Verständnis füreinander warben, fanden wir keinen gemeinsamen Weg für die Methodisten in Burundi. Versöhnung ist schwer. Trennendes – symbolisiert durch Stacheldraht –ist scheinbar unüberwindbar. Doch das Licht, das mit Christi Geburt in die Welt kam, ist durch Stacheldraht nicht auszulöschen. Es bricht sich Bahn.

»Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben … und er heißt Friede-Fürst«, lesen wir in Jesaja 9,5. Auf eine gewinnende, zärtliche Weise kommt Gott in unsere Welt. Gott lächelt uns an in einem Baby, das unsere Herzen öffnen will für die Liebe. So macht Gott sein Friedensangebot für alle Welt. Ohne Gewalt und doch kraftvoll, wie ein Lichtschein, der das Dunkel erhält. Nehmen wir Gottes liebevolles Werben wahr? Ich will mich vom Kind in der Krippe anstecken lassen, den Weg des Friedens zu suchen. Das ist schwer. Da gibt es viele Rückschläge. Aber die Bewegung, die vom Kind in der Krippe ausging, geht weiter. Licht bricht sich Bahn! An Weihnachten werden wir erneut eingeladen, gegen Streit, Hass und Gewalt anzubeten, Gottes Liebe anzunehmen und Liebe zu verschenken. Ich vertraue darauf, dass viele sich vom Kind in der Krippe locken lassen, damit wahr wird, was über den Feldern von Bethlehem verheißen wurde: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden!«

Gott schenke Ihnen gesegnete Festtage.

Bischöfin Rosemarie Wenner