Unternehmertag

»Stärke braucht Bescheidenheit«

»Mit Schwächen stark sein«, ist das Motto des 2. EmK-Unternehmertags am 21. Januar. Es geht dabei um die Frage, was die Jahreslosung für christliche Unternehmer bedeutet.

Hauptreferent ist Andreas Cramer, der Direktor des Diakoniewerks Martha-Maria. Volker Kiemle hat mit ihm gesprochen.

Mit Schwächen stark sein – wie soll das gehen?

Andreas Cramer: Jede und jeder von uns hat Stärken und Schwächen – auch am Arbeitsplatz. Für eine gelingende und zufriedenstellende Arbeit versuche ich, meine Stärken zu stärken und meine Schwächen zu schwächen. Schwäche zeigen zu können ist mutig und befreiend, Fehler eingestehen können macht sympathisch und Unvollkommenheit nur allzu menschlich. Stärke zeigen braucht Angemessenheit, Bescheidenheit und die Einsicht, dass das Entscheidende im Leben mit mir geschieht.

Zum Beispiel?

Andreas Cramer: Ich werde geboren, mein Herz schlägt, ich werde geliebt, mir wird vergeben, ich werde ermutigt und motiviert. »Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig« (2. Korinther 12,9), so sagt es die Jahreslosung 2012. Aus dieser Einstellung heraus kann ich mit meinen Schwächen stark sein.

Im Wettbewerb gewinnt aber doch immer der Stärkere – oder?

Andreas Cramer: Warum Wettbewerb? Warum muss ich in meinem Kollegenkreis als Sieger oder Verlierer abends nach Hause gehen? »Win-win« ist kein Zauberwort, sondern kann Realität werden. Erfolgreiche Arbeit entscheidet sich nicht am Gewinnen oder am Verlieren, sondern am Geist des Miteinanders. Wenn wir sowohl im Arbeitsalltag als auch bei besonderen Projekten und Herausforderungen gemeinsam unsere Ziele erfolgreich erreichen, ist dieses gemeinsame Gewinnen Ermutigung pur. So ist es die entscheidende Stärke eines Unternehmens, wie Mitarbeitende im Arbeitsablauf einbezogen werden – ob nach der Meinung jedes Einzelnen gefragt wird, ob die Erfahrungsschätze und Ideen der Mitarbeitenden genützt werden und wie wir einander wahrnehmen. Dadurch werden immer wieder überraschende, neue, innovative Wege gefunden und Probleme gemeistert. Diese Gedanken sind keine Theorie, sondern gelebte Praxis, sobald wir mit diesem Prozess des Einbeziehens beginnen und immer wieder neu beginnen.

Wie sollen Unternehmer mit »schwachen« Mitarbeitern umgehen?

Andreas Cramer: Entscheidend ist aus meiner Sicht neben der Grundeinstellung des »Win-win« und des einander Einbeziehens eine strukturierte Kommunikation. Mitarbeitende müssen sich auf ihre Vorgesetzten und aufeinander verlassen können. Termintreue ist selbstverständlich. Regelmäßige Arbeitsgespräche und ein Mitarbeiterjahresgespräch werden geführt, Freiräume sind da, um offene Rückmeldungen über die Arbeit geben zu können, Vereinbarungen werden eingehalten. Diese Beispiele sind Grundlage dafür, dass wir angstfrei einander begegnen können, morgens gerne zur Arbeit gehen, angemessen Lob und Anerkennung erfahren und Freude an der Arbeit bekommen.

Aber wenn einer am falschen Platz ist?

Andreas Cramer: Selbstverständlich reflektiert ein Unternehmer im Hinblick auf seine Mitarbeitenden, ob sie am passenden Arbeitsplatz eingesetzt sind, welche Aufgabenstellungen Stärken stärken und Schwächen schwächen. Aufrichtige persönliche Fragestellungen (»Wie geht es Ihnen?«) gehören zur Führungsverantwortung. Grundsätzlich ist Vertrauen das A und O. Vertrauen ist die höchste Form der Motivation.

Volker Kiemle

Der 2. EmK-Unternehmertag findet am 21. Januar 2012 in Nürnberg im Diakoniewerk Martha-Maria statt. Veranstalter sind das Bildungswerk der EmK, das Diakoniewerk Martha-Maria und das EmK-Unternehmerportal. Informationen und Anmeldung im Internet:

www.emk-unternehmertag.de