Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Von Mensch zu Mensch

Wo Christen begeistert sind und gerne zu ihren Gottesdiensten einladen, kann das Wunder geschehen, dass Menschen zum lebendigen Glauben an Jesus Christus kommen.

Bischöfin Rosemarie Wenner ermutigt uns dazu, Bekehrungen auch in ganz normalen Gottesdiensten zu erwarten.

Wenn ich auf das Jahr 2011 zurückblicke, dann sind mir Begegnungen anlässlich der Konsultation mit der Koreanischen Methodistenkirche Anfang Oktober in Seoul in Südkorea in lebendiger Erinnerung. Wir verbrachten einen Abend in der Wolgok-Gemeinde im Herzen von Seoul. Das Kirchengebäude liegt inmitten enger Häuserzeilen in einem Teil der Stadt, wo viele arme Menschen leben. Die Gemeinde wächst stetig. Im Besprechungsraum, in dem wir miteinander Tee tranken, waren Fotos der Menschen zu sehen, die in diesem Jahr in die Kirchengliedschaft aufgenommen wurden. Das war Anfang Oktober eine stattliche Zahl.

Der leitende Pastor ist Bischof Jong Hoon Kim. Er erläuterte uns das missionarische Konzept: Die Gemeinde dient den Menschen in der Nachbarschaft. Man organisiert Aktionen, um die Straßen und Plätze im Stadtviertel vom Müll zu reinigen. Zur Wolgok-Gemeinde gehört ein renommierter Frisör, der schon einige Preise gewonnen hat. Er bietet Nachbarn, die sich keinen teuren Haarschnitt leisten können, kostenlos seine Dienste an. Auch in Korea schütten die Leute beim Frisör gern ihr Herz aus. Seelsorge ist also inbegriffen bei diesem diakonischen Dienst. Das Kernstück des missionarischen Wirkens ist das christliche Zeugnis von Mensch zu Mensch.

Bischof Kim sagte, dass er im ersten Gottesdienst im neuen Jahr die Mitfeiernden bittet, zwei Namen von Menschen aufzuschreiben, für die sie in diesem Jahr beten und die sie in die Gemeinde mitbringen wollen. Die Verpflichtung besteht darin, für diese beiden zu beten und sie so in Gottes Gegenwart zu bringen. Dann gilt es, gute Gelegenheiten zu nutzen, um davon zu erzählen, was einem die Gemeinde bedeutet und zu einer Veranstaltung oder zu einem ganz normalen Gottesdienst einzuladen. Die Methodisten in der Wolgok-Gemeinde rechnen damit, dass in ihrer Gemeinde Menschen zum Glauben kommen. Das Gebet und das persönliche Zeugnis der einzelnen Gemeindeglieder sind entscheidende vorbereitende »Aktionen«, damit Gottes Kraft Menschen erreichen und verwandeln kann.

Menschen kommen in der Mitte der Gemeinde zum Glauben. So hörten wir es vor kurzem bei einer Tagung der methodistischen Bischöfe und Superintendenten aus ganz Europa. Dr. Martin Reppenhagen vom Greifswalder Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung stellte uns die dort entwickelte Studie vor: »Wie kommen Erwachsene zum Glauben?« Auch in Deutschland geschieht dies in normalen Gottesdiensten, durch das Gebet und Zeugnis vieler, denen die Freude an Gott so wichtig ist, dass sie andere daran teilnehmen lassen wollen.

Ich hoffe, dass in den Weihnachtsgottesdiensten die Einladung zum Glauben Gehör findet und dass sich viele Menschen in unseren Gemeinden für das neue Jahr zwei Menschen zeigen lassen, für die sie beten und die sie in die Gemeinde mitnehmen. Ich bin gespannt auf neue Menschen, die ich bei den Besuchen in den nächsten Jahren in unseren Gemeinden kennenlernen werde.

Bischöfin Rosemarie Wenner