Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

75 Jahre Reichspogromnacht

Einige Menschen in unseren Gemeinden werden sich erinnern wie das am 9. November 1938 war, als Synagogen brannten und Häuser und Wohnungen jüdischer Nachbarn zerstört wurden.

Sie waren damals Kinder oder Jugendliche.

Noch können wir die Gelegenheit wahrnehmen, mit Zeitzeugen zu sprechen, um uns die schrecklichen Gräuel zu vergegenwärtigen, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 begangen wurden. In ein paar Jahren werden wir ausschließlich auf schriftliche Zeugnisse angewiesen sein. Doch das Erinnern darf nicht aufhören. Wir sind es den Menschen schuldig, die damals Hab und Gut verloren, ihre Gotteshäuser geschändet vorfanden, von Nachbarn beschimpft und gedemütigt wurden oder sich von der Gestapo abführen lassen mussten. Damals haben die Kirchen geschwiegen. Der Terror gegen die jüdische Bevölkerung ging ungehindert weiter und führte zur Vernichtung von Millionen Menschen.

Aus der Erinnerung haben wir für heute zu lernen. Um Gottes und der Menschen willen gilt es, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entgegen zu treten und in jedem Menschen Gottes Geschöpf zu entdecken, dem Würde verliehen ist. Nachdem der 9. November auch ein Tag der Dankbarkeit für die Überwindung der deutsch-deutschen Teilung geworden ist, sind wir als Kirchen umso mehr verpflichtet, Unrecht beim Namen zu nennen, Ängste vor Fremden zu überwinden und gegen Ausgrenzung aufzustehen. So wächst der Friede, den wir als Gottesgeschenk empfangen.

Bischöfin Rosemarie Wenner