Präsidentin des Bischofsrats Rosemarie Wenner

Präsidentin des Bischofsrats Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

»Lebendigkeit aller Gemeinden stärken«

63 aktive sowie 61 Bischöfinnen und Bischöfe im Ruhestand tagten Mitte November in Lake Junaluska (North Carolina). Die Tagesordnung barg auch Kontroversen.

»Die klare Priorität des Bischofsrates ist es, die Lebendigkeit in unseren Gemeinden in allen Regionen zu stärken, in denen wir präsent sind«, erklärte die derzeitige Präsidentin des Rates, Bischöfin Rosemarie Wenner, vor der Tagung Bischofsrats. In ihrer Ansprache forderte sie ihre Kolleginnen und Kollegen zum Team-Geist auf. Team-Geist sei erforderlich, »weil wir aufeinander angewiesen sind, um Gottes Sendung treu zu sein.« Auf der Tagesordnung standen unter anderem: Zielsetzungen für das Jahrviert, Überlegungen zum Budget, Wahlen, Vorbereitung der Generalkonferenz 2016 sowie die theologische Grundlegung der evangelisch-methodistischen Identität und Sendung.

Während der Tagung erinnerten sich die Bischöfinnen und Bischöfe an den »Trail of Tears« (Tränenpfad) vor 175 Jahren. Bei diesem Fußmarsch von North Carolina nach Oklahoma, militärisch durchgesetzt durch die Bundesregierung in Washington, waren 4.000 Cherokee-Indianer ums Leben gekommen. Der Tagungsort Lake Junaluska liegt im ehemaligen Gebiet des Cherokee-Stammes.

Die aktiven Bischöfinnen und Bischöfe wählten Warner H. Brown Jr., Bischof der Jährlichen Konferenz (JK) Kalifornien-Nevada, zu ihrem nächsten Präsidenten. Er wird die Nachfolge Wenners im Mai 2014 antreten. Designierter Präsident ab der Generalkonferenz 2016 wird Bischof Bruce R. Ough. Bischöfin Fierro Harvey wird ab Sommer 2014 für zwei Jahre die Sekretärin des Bischofsrates sein.

Mediale Aufmerksamkeit

Das Hauptaugenmerk der inner- und außerkirchlichen Medien lag beim Thema »Homosexualität«. Der Bischofsrat war unter starken Druck geraten, nachdem Bischof im Ruhestand Melvin Talbert im Oktober zwei Männer, beide Glieder der EmK, in Alabama getraut hatte. Talbert war in den 1960er-Jahren Bürgerrechtler zusammen mit Martin Luther King Jr. gewesen. Die zuständige Bischöfin Debra Wallace-Padgett und auch das Präsidium des Bischofsrates hatten Bischof Talbert vorab gebeten, von seinem Vorhaben abzulassen.

Die offizielle, aber seit mehr als 40 Jahren umstrittene Haltung der EmK ist: Sie duldet praktizierte Homosexualität nicht und betrachtet sie als unvereinbar mit der christlichen Lehre. Die Debatte hat seit der Generalkonferenz 2012 stark an Fahrt aufgenommen. Dort war ein Kompromiss gescheitert, mit dem festgestellt werden sollte, dass die EmK in dieser Frage gespalten ist.

In einer Stellungnahme, die der Bischofsrat am 15. November herausgab, heißt es: »Wir erkennen an, dass wir, der Bischofsrat, und die Kirche nicht einig sind in Bezug auf menschliche Sexualität. Es gibt Schmerzen im ganzen Verbund sowohl bei denen, die Bischof Talberts Handlungen unterstützen als auch bei ihren Gegnern. Wir drücken unsere pastorale Sorge aus und kümmern uns um alle Menschen.«

Die Präsidentin des Bischofsrates, Wenner, und die Bischöfin für North Alabama, Wallace-Padgett, wurden gebeten, eine Klage gegen Bischof Talbert zu formulieren. Ihr Gegenstand ist das Untergraben des Dienstes einer Kollegin und das Trauen eines gleichgeschlechtlichen Paares. Über die Klage hat das Bischofskollegium der Jurisdiktionalkonferenz im Westen (der USA) zu entscheiden.

Reinhold Parrinello