Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Leipzig - zur Solidarität befreit

Bei einem Friedensgebet am Leipziger Völkerschlachtdenkmal hat die Bischöfin der EmK in Deutschland, Rosemarie Wenner, dazu aufgerufen, Menschen aus Kriegsgebieten in Deutschland Zuflucht zu gewähren.

Die Kraft des Gebets und die Bedeutung des Abendmahls für eine solidarische Gesellschaft hat Bischöfin Rosemarie Wenner bei einem Friedensgebet in Leipzig betont. »Von Leipzig ausgehend haben wir es erlebt, vor 24 Jahren, dass Beten und mutiges Eintreten für Freiheit und Menschenrechte Mauern einreißen können«, sagte sie bei einem Friedensgebet zur Erinnerung an die Völkerschlacht Leipzig. »Was 1989 geschah, macht Hoffnung auf mehr. Der Friede, der in Christus schon gestiftet ist, wird wachsen, indem wir mutige Schritte zur Versöhnung gehen.«

Bischöfin Wenner predigte als Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) über das 14. Kapitel des Lukasevangeliums. Dort vergleicht Jesus das Reich Gottes mit einem Festmahl, zu dem die ursprünglich Eingeladenen nicht erscheinen. Der Gastgeber lädt deshalb Menschen von der Straße ein – Obdachlose, Bettler und Frauen vom Straßenstrich. »Für sie gilt ebenso wie für die viel Beschäftigten in der Mitte der Gesellschaft: ›Kommt, denn es ist alles bereit!‹«, sagte Wenner. »An Jesu Tisch gibt es weder Zulassungsbedingungen noch Berührungsängste. Niemand muss dem anderen den Rang streitig machen.«

Auch 200 Jahre nach der Schlacht bei Leipzig gebe es blutige Kriege, weil Mächtige ihre Interessen durchsetzen wollen, erklärte Wenner. »Man verteidigt mit Gewalt, was einem heilig ist. Gewinnstreben lässt Menschen über Leichen gehen.« Es sei auch Gewalt, dass sich Europa abschirme und in Kauf nehme, »dass Menschen im Mittelmeer ertrinken, die sich nach einem Leben in Würde und Freiheit sehnen«.

Gegen diese Gewalt setze Jesus seine bedingungslose Einladung zum gemeinsamen Tisch – ein Vorbild für Christen. »Als Glaubende werden wir zur Solidarität befreit«, erklärte die Bischöfin. Der Dank für fast 70 Jahre ohne Krieg müsse uns motivieren, heute den Menschen aus Kriegsgebieten Zuflucht zu gewähren. Jesu Wort »Alles ist bereit!« bedeute: »Es ist genug für alle da auf Gottes Erde. Wenn wir teilen, werden wir das erfahren.«

Das Friedensgebet fand am 17. Oktober im Rahmen der Gedenkwoche zur Erinnerung an die Völkerschlacht 2013 unter dem Titel »Kommt, es ist alles bereit« statt. Dabei wirkten evangelische, katholische und russisch-orthodoxe Würdenträger aus den 1813 an der Völkerschlacht beteiligten Ländern – Deutschland, Russland, Österreich, Frankreich, Serbien und Schweden – mit.

Volker Kiemle / Medienwerk der EmK

www.kirche-leipzig.de