Paul Ernst Ruppel

Paul Ernst Ruppel

Paul Ernst Ruppel

Singend Gottes Wort zum Klingen bringen

Mit einem Festkonzert wurde in Berlin des 100. Geburtstags von Paul Ernst Ruppel gedacht. Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger wirkten mit.

Paul Ernst Ruppel (1913-2006) war über Jahrzehnte die prägende Gestalt des Chorsingens im Einflussbereich des Christlichen Sängerbundes. Ab 1948 übernahm Ruppel die Aufgabe des Singwarts im Christlichen Sängerbund und beförderte damit die singende Gemeinde über Jahrzehnte auch in der methodistischen Kirche.
Am 2. November veranstaltete der Christliche Sängerbund ein Festkonzert anlässlich des 100. Geburtstags von Ruppel. Mehr als 100 Sängerinnen und Sänger in zwei Chören gestalteten das Konzert in der gut besetzten Heilige-Geist-Kirche in Berlin Moabit. Unter Leitung von Bundessingwart Horst Krüger erklangen prägnante musikalische Stationen aus dem Leben von »PER« (die Abkürzung von Ruppels Namen). Aber nicht nur Ruppels Musik, angefangen beim beliebten Kanon »Vom Aufgang der Sonne« bis hin zu seinen immer umstrittenen Vertonungen biblischer Worte wie »Ihr seid das Salz der Erde«, beeindruckte die Besucher, sondern auch Auszüge aus seinen Texten, Werkhilfen und niedergeschriebenen Gedanken.

Neue Ausdrucksformen

Mit der Erfahrung des Dritten Reiches und selbst erlebter Kriegsgefangenschaft im Gepäck suchte er nach neuen Ausdrucksformen des geistlichen Singens. Seine Lebenserfahrung ließ ihn erkennen, dass Musik auch zur »Hure« werden kann, die sich dem Zeitgeist verkauft. So wuchs in ihm die Überzeugung, dass es in der geistlichen Musik nicht um gefällige Schönheit gehen kann, sondern zuallererst darum, das Wort Gottes für Menschen zum Klingen zu bringen. Der Chorgesang solle die Klarheit und die unbequeme Schärfe der biblischen Botschaft befördern. Wenn am Ende ein Gotteswort in Erinnerung bliebe, die Musik sich aber verflüchtigt habe, sei das Ziel des geistlichen Singens erreicht.

»Nicht was wir mögen, sondern was wir brauchen«

Paul Ernst Ruppel vermochte seine Überzeugungen zugespitzt auszudrücken und er blieb ihnen treu. Ihm ging es nicht um das, »was wir Menschen mögen, sondern um das, was wir brauchen«. Der verlässliche Dienst eines Chores habe dabei weniger in den Ergebnissen seine Frucht, sondern in der geistlichen Arbeit, die ein Chor Woche für Woche leistet, wenn er sich mit geistlichen Texten in vielfältigster Art und Weise auseinandersetzt. Sänger und Sängerinnen erleben in ihren Übungsstunden eine einzigartige geistliche Schulung.
Paul Ernst Ruppel waren deshalb auch die Einführungen zu den gesungenen Liedern besonders wichtig. Nicht weniger wichtig war ihm die Gemeinde, die durch das Chorsingen zum Gotteslob eingeladen werden soll. Die Lieder »Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit«, »Gib mir Kraft für einen Tag« und »Glauben heißt Christus mit Worten zu nennen« stehen für viele Vertonungen Ruppels, die in das Evangelisch-methodistische Gesangbuch und auch in andere Liederbücher Eingang gefunden haben.

Alles andere als spröde

In allem blieb Ruppel beweglich und offen. Wer immer noch mit dem Vorurteil umgeht, die Musik eines Paul Ernst Ruppel sei eher spröde, der wurde im Konzert eines Besseren belehrt.  Besonders seine Kanons, aber auch seine Offenheit gegenüber neuen Einflüssen zeugen davon. Die Begegnung mit den Liedern der farbigen Amerikaner in der Zeit der Kriegsgefangenschaft ließ in ebenso Impulse aufnehmen wie das neue geistliche Lied in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das Konzertprogramm erlebte seine Höhepunkte mit dem achtstimmigen Mendelssohn »Singet dem Herrn ein neues Lied« und mit der von unzähligen Chören bis heute gern gesungenen Thüringer Motette »Nun, nun danket«.

Das Projekt »Klassik am Wochenende« des Landesverbands Berlin-Brandenburg hatte mit rund 70 Sängerinnen und Sängern einen Großteil des Festkonzerts innerhalb von drei Tagen vorbereitet. Ein Berliner Regionalchor des CS ergänzte das Programm. Am Ende bestimmte alle der Eindruck, es ist lohnenswert, sich mit dem Werk von Paul Ernst Ruppel auseinanderzusetzen. Lebe man doch in einer Zeit, wo es immer mehr nur um das ginge, was Menschen mögen und nicht um das, was sie brauchen.

Stephan Ringeis

Foto: privat