Pastoralkolleg

Transformierung statt Optimierung

Gemeinsames Pastoralkolleg der Ostdeutschen Konferenz der EmK und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens tagte in Meißen unter dem Thema »Wie gehen wir mit einer kleiner werdenden Kirche um?«

Beiträge des emeritierten Leipziger Professors für Praktische Theologie, Jürgen Ziemer, von Landesjugendpfarrer Tobias Bilz und von Christof Voigt, Professor für Philosophie und Biblische Sprachen an der TH Reutlingen, eröffneten unterschiedliche Blickwinkel für die Gespräche. Hinzu kamen die jeweils eigenen Erfahrungen mit Veränderungen der kirchlichen Struktur in den letzten Jahrzehnten. Der Austausch markierte verschiedene Versuche, der Entwicklung zu begegnen.

Ziemer sprach von der »Wachstumsfalle«, der »Optimierungsfalle«, der »Effektivitätsfalle« und der »Aktivitätsfalle«. In diese Fallen tappten die Kirchen angesichts kleiner werdender Zahlen. Alle Versuche seien zum Scheitern verurteilt, weil sie davon ausgehen, dass mit eigenen Anstrengungen der Hebel umgelegt werden könne. Es könne aber nicht darum gehen, der Situation mit mehr Anstrengung, stetigen Verbesserungen, klugem Management und Aktivismus zu begegnen. Stattdessen sei nach einem geistlichen Veränderungsprozess zu fragen. Der Blick müsse weg von Zahlen und wieder stärker auf den Grund unseres Daseins als Kirchen gerichtet werden. Pilz betonte die Rückbesinnung auf die Botschaft des anbrechenden Gottesreiches und ermutige zu einer »fröhlichen Offensive« der Kirchen. Dabei gehe es nicht um mehr Anstrengung, sondern um mehr Präsenz in der Gesellschaft. Die im Osten Deutschlands vorherrschende »Burg-Mentalität« der Kirche gelte es zu überwinden. Voigt beschrieb die kirchliche Situation angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung, die von einer ausgeprägten Individualisierung und Pluralität bestimmt sei.

Die Teilnehmer des Kollegs waren sich einig, dass theologische Arbeit, hören auf Gottes Wort, der Gottesdienst und die Begegnung als Christen zur Stärkung der eigenen Identität führten. Die Nachfolge, in die Jesus Christus rufe, sei eine große Herausforderung, habe aber gerade darin ihren positiven Wert. Dies anderen zu vermitteln beginne mit der Verwandlung des eigenen Wesens der Christen und dann der Kirchen.

Seit 1977 gibt es zwischen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens und der Ostdeutschen Konferenz der EmK regelmäßige Konsultationen. Seit Anfang der 80er Jahre finden im Abstand von vier Jahren Pastoralkollegs statt. Angestoßen wurden weitere und andere Formen der Begegnung, um die Zusammenarbeit beider Kirchen auf Basis des guten ökumenischen Miteinanders weiterzuentwickeln.

Stephan Ringeis, Superintendent