Freiwilligendienste

60 Jahre Freiwilligendienste

»Ein Jahr des Lebens für die Diakonie wagen« – dazu ermunterte der Direktor des Diakoniewerks Neuendettelsau vor 60 Jahren junge Frauen.

Aus diesem Appell ist das »Diakonische Jahr« entstanden, das inzwischen durch andere Freiwilligendienste ergänzt wird. Eine Chronologie.

Die Geburtsstunde des Diakonischen Jahres 1954

Die Wiege des Diakonischen Jahres steht in Neuendettelsau bei Nürnberg. Hermann Dietzfelbinger, Direktor des Diakoniewerkes Neuendettelsau, rief im Mai 1954 junge Frauen dazu auf »ein Jahr ihres Lebens für die Diakonie zu wagen«. Der große Mitarbeitermangel innerhalb der Diakonie im Nachkriegsdeutschland veranlasste ihn zu diesem Schritt. Die Idee setzte sich durch und wurde in allen evangelischen Landes- und Freikirchen und ihren Diakoniewerken aufgegriffen.

Die frühen Anfänge innerhalb der EmK

Bereits 1957 beschäftigte sich die Mutterhausleitung des Diakoniewerkes Martha-Maria mit der Einführung des Diakonischen Jahres. So wurden junge Mädchen mittels eines bebilderten Faltblattes, das in Gemeinden gegeben wurde, aufgerufen, eine Zeit ihres Lebens dem Dienst am Nächsten zu weihen. »Wir sollten mit der Meinung aufräumen, dass die heutige Jugend nur verdienen und nicht mehr dienen will«, hieß es im Jahresbericht. So begann am 1. Mai 1958 die erste Diakonische Helferin ihren Dienst bei Martha-Maria in Nürnberg. Dem Ruf für ein »Jahr für Christus« folgten noch zehn weitere junge Frauen in diesem Jahr.

Anfänge in der früheren DDR

Mitte der 1950er Jahre gingen Diakonissen in der früheren DDR in die Gemeinden und warben für ein Diakonisches Jahr in den Krankenhäusern von Bethanien und Martha-Maria. Die Helferinnen wurden in einen einem straffen Tagesablauf hineingenommen. Das Diakonische Jahr hat ihnen geholfen, sich von zu Hause zu lösen und einen eigenen Weg zu gehen.

Diakoniewerk Bethesda

Das Diakoniewerk Bethesda hat in Stuttgart Anfang der 1960er Jahre ein Diakonischen Jahres eingeführt. Mit leuchtenden Augen berichten heute noch die jetzige Oberin Schwester Ingrid Sauer, Schwester Hilde Reiser, Stationsleiterin und Schwester Sigrid Kilian, Pflegedienstleiterin von ihrer Zeit in Stuttgart, in der Inspektor Mistele Ansprechpartner für sie war. Für sie war es ein Jahr, das zur Bestätigung ihrer Berufung beigetragen hat.

Vom Diakonischen Jahr zum FSJ

1964 mündete die Idee des Diakonischen Jahres aufgrund einer wachsenden Nachfrage in ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz zur Förderung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Es bringt den Teilnehmerinnen soziale Absicherung und die nun im Gesetz verankerte pädagogische Begleitung.

Das Diakonischen Jahres/FSJ wird zu einem »Bildungsjahr«

In den 1970er Jahren führt der umfassende gesellschaftspolitische Wandel, ausgelöst durch die 68er-Bewegung, zur Orientierung der Seminarthemen an den Jugendlichen. In diese Zeit fällt der Beginn des Diakonischen Jahres / FSJ im KJW Süd mit Einsatzfeldern in der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinden. Das Diakonischen Jahres/FSJ wird im Bewusstsein der Helferinnen und Helfer zu einem »Bildungsjahr« und zu einem Jahr, aus dem sie selbst auch Nutzen ziehen können.

Aus »Pflegerischem Vorjahr« wird in den neuen Bundesländern das Diakonischen Jahres/FSJ

Durch die politische Wende 1989 in der DDR wurde in den neuen Bundesländern das »Pflegerische Vorjahr « in das Diakonische Jahres/FSJ für die Krankenpflegeausbildung umgewandelt. Einer Initiative von Oberin Schwester Christine Grünert in Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendwerk Ost ist es zu verdanken, dass das Diakonischen Jahres/FSJ seit 1991 auch in der OJK wieder vertreten ist.

Volker Kiemle

Foto: privat