Freiwilligendienste

Freiwilligendienste in der EmK

1954 begann in Deutschland die Geschichte der zivilen Freiwilligendienste: Das »Diakonische Jahr« wurde ins Leben gerufen, dann das »Freiwillige Soziale Jahr«, Anfang 2011 der »Bundesfreiwilligendienst«.

Über die Erfahrungen und Aussichten hat Volker Kiemle mit Gebhard Böhringer, dem Referenten für Freiwilligendienste im Kinder- und Jugendwerk Süd, gesprochen.

Den Bundes-Freiwilligendienst – kurz BFD – gibt es seit drei Jahren. Wie ist Ihre persönliche Bilanz?

Gebhard Böhringer: Bei uns im Kinder- und Jugendwerk Süd hat sich der BFD mit Einschränkungen positiv entwickelt. Es sind einige Einsatzstellen in der Pflege und in Kirchengemeinden eingerichtet worden. Die Einschränkungen betreffen die schon nach einem halben Jahr eingeführte Kontingentierung. Die hängt mit dem Erfolg des BFD bundesweit zusammen. Wir als kleiner Träger in der evangelischen Trägergruppe bekamen nur 20 Plätze im Jahr. So hatte etwa das Bildungswerk keine Möglichkeit, den BFD stärker im Erwachsenenbereich einzuführen. Denn das ist das Besondere am BFD: Er kann auch mit über 27 Jahren durchgeführt werden. Wir im KJW Süd brauchen die zugeteilten Plätze. Das Bildungswerk stellt inzwischen keine Freiwilligen mehr über 27 Jahre an.

Wo gibt es in der EmK Plätze?

Gebhard Böhringer: In Seniorenzentren, in Krankenhäusern, im Suchtbereich und in Kirchengemeinden. Das Kinder- und Jugendwerk Ost hat zusätzlich noch Stellen in Schulen, Kindergärten und in Einrichtungen für behinderte Menschen. Insgesamt war es überraschend, dass so rasch nach der Einführung die Zahl von 35.000 BFD-Plätzen erreicht wurde.

Wie wird sich die Zahl entwickeln?

Gebhard Böhringer: Das lässt sich – auch angesichts der demografischen Entwicklung – schwer sagen. Derzeit wollen sich durch verkürzte Schulzeiten mehr junge Menschen nach der Schule erst einmal umschauen. Insgesamt wird die Zahl der Freiwilligen zurückgehen. Dann können wir als EmK vielleicht ein größeres Kontingent beantragen.

Wie viele Freiwillige gibt es insgesamt?

Gebhard Böhringer: Derzeit rund 100.000 – verteilt auf das Freiwillig Soziale Jahr, das Freiwillig-ökologische Jahr und den BFD. Hinzu kommen Programme wie zum Beispiel »Weltwärts« und »Kulturweit«.

Was unterscheidet das Freiwillig Soziale Jahr (FSJ) vom BFD?

Gebhard Böhringer: Für die Freiwilligen gibt es kaum Unterschiede. Beim BFD müssen sie allerdings eine einwöchige Schulung in den Bildungszentren des Bundes absolvieren; beim FSJ besuchen sie alle Seminare bei ihrem Träger. Für Letztere gibt es aber deutliche Unterschiede: Beim BFD spielt das zuständige Bundesamt mit den Einsatzstellen eine größere Rolle, während beim FSJ die Träger mehr Einfluss bei der Ausgestaltung des Dienstes haben. Das ist für uns Träger ein Ärgernis am BFD, weil wir trotzdem die gleiche Arbeit haben.

Welche Motive haben die Bewerber?

Gebhard Böhringer: Die meisten sind einfach nicht sicher, was sie beruflich machen wollen. Sie schauen, ob der soziale Bereich oder die Pflege etwas für sie ist. Oder sie wissen nicht, was sie studieren sollen. Da ist der Freiwilligendienst eine gute Möglichkeit, zu prüfen und Klarheit zu gewinnen. Für Freiwillige vor allem in den Kirchengemeinden kommt häufig auch das Motiv hinzu, das Jahr »Gott zu widmen«.

Gibt es von Seiten des Kinder- und Jugendwerkes Beratungsangebote zur Berufswahl?

Gebhard Böhringer: Vor allem im Zwischenseminar werden meist Themen der beruflichen und persönlichen Orientierung gewünscht. Die Agentur für Arbeit war allerdings noch nicht zur Beratung da.

Welche Themen tauchen in den vergangenen Jahren verstärkt auf?

Gebhard Böhringer: Es geht zunehmend darum, welche Anforderungen die Globalisierung an die jungen Menschen stellt und was das für die Berufswahl bedeutet. Die jungen Menschen suchen Wege, ihre persönliche Lebensplanung in einer Welt, die sich rasch verändert, zu gestalten. Durch viele Freiwillige aus dem Ausland werden auch Themen des interkulturellen Lernens vermehrt gewählt.

Was könnte bei der Organisation des Bundesfreiwilligendienstes verbessert werden?

Gebhard Böhringer: In der evangelischen Trägergruppe wird darüber diskutiert, ob es nicht sinnvoll wäre, alle Freiwilligendienste zusammenzuführen. Ich bin dafür. Die neue Koalition hat es nicht vor. Und auch Träger sind dagegen, weil im Moment die BFD-Einsatzstellen vom Bund finanziell besser gefördert werden als die FSJ-Einsatzstellen.

 

Informationen zu Freiwilligendiensten in der EmK

In der Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es drei Vermittlungsstellen für Freiwilligendienste:

 

  • Kinder- und Jugendwerk Ost, Referat Freiwilligendienste, Marco Ringeis, Anne Voigt und Maria Köcher, Paul-Gruner-Straße 26, 04107 Leipzig, Telefon 0341 96032-93, E-Mail: fsj(at)kjwost.de
  • Kinder- und Jugendwerk Süd, Referat FSJ, Gebhard Böhringer, Giebelstraße 16, 70499 Stuttgart, Telefon 0711 860068-5, E-Mail: gboehringer(at)emk-jugend.de
  • Diakoniewerk Martha-Maria, Diakonisches Jahr, Annedore Witt, Stadenstraße 72, 90491 Nürnberg, Telefon 0911 959-1625, E-Mail: diakonisches-Jahr(at)martha-maria.de

Verzeichnis evangelischer Träger: zivil.evangelisch.de

Rahmenbedingungen im Freiwillig Sozialen / Diakonischen Jahr

  • Alter: 16 bis 26 Jahre
  • Beginn: in der Regel 1. September
  • Dauer: in der Regel ein Jahr, mindestens sechs Monate
  • FSJ als Bildungsjahr: 25 Seminartage zu fachlichen, sozialen, politischen und religiösen Themen
  • fachliche Anleitung und Begleitung während des FSJ
  • Leistungen: monatliches Taschengeld, Unterkunft und Verpflegung
  • umfassender Sozialversicherungsschutz
  • Anspruch auf Kindergeld
  • Urlaub: 26 Tage
  • Bescheinigung wird am Ende des FSJ ausgestellt, auf Wunsch auch ein Zeugnis
  • Anerkennung: Freiwilligendienste verbessern die Bewerbungschancen bei vielen Bildungseinrichtungen und Firmen.

Foto: privat / © 2011 Jon Hoekst ra / www.bundesfreiwilligendienst.de