Bischöfin Rosemarie Wenner

Gott sagt »Ja« zu uns!

In der Taufe bekommen wir die Zusage, Gottes Kinder zu sein. Damit können wir aufbrechen zu anderen Menschen – auch mit einfachen Mitteln, wie viele Projekte in der EmK zeigen.

Bischöfin Rosemarie Wenner ermutigt uns, uns den Zuspruch der Taufe immer wieder neu bewusst zu machen.

Viele Menschen strömten zum Gottesdienst in der Brentwood United Methodist Church in Nashville. Ich war unter ihnen, weil ich gerade in Nashville war und jemand mich in diese Gemeinde eingeladen hatte. Die Kirche ist riesig. Zehn Pastoren und Pastorinnen arbeiten in dem Bezirk. Der leitende Pastor Dr. Davis Chappell hält in diesen Wochen eine Predigtreihe zu Texten aus der Apostelgeschichte unter dem Thema: »Vom Geist geleitet«.

Von der verblüffenden Wirkung des Heiligen Geistes sprach Chappell an jenem Sonntag in seiner Auslegung der Pfingstgeschichte: Aus Galiläern, von denen keiner etwas erwartete, wurden mutige Zeugen, so dass die Zuhörer aus aller Herren Länder fragten: »Was muss ich tun?« Ob eine Predigt gut ist, sagte Pastor Chappell, entscheidet sich daran, dass die Leute darüber nachdenken, was sie konkret tun sollen. Nach der Predigt lud er ein, die Fragen zur Aufnahme in die Kirchengliedschaft zu überdenken und zu beantworten: »Bekennst du dich zu Jesus Christus als deinem Erlöser, vertraust du allein auf seine Gnade und versprichst du, ihm als deinem Herrn nachzufolgen?« Gern sagte ich mit vielen anderen zusammen »Ja«.

Wir bilden eine Kirche

Ich kannte nur eine Handvoll Leute aus dieser großen Gemeinde, aber wir bilden gemeinsam die Evangelisch-methodistische Kirche. Danach reihte ich mich bei denen ein, die sich von dem Pastorenteam an ihre Taufe erinnern ließen. Zuvor sprach Pastor Chappell alle an, die noch nicht getauft sind. Wer Jesus nachfolgen wollte und die Taufe begehrte, konnte sich im Anschluss mit ihm an einem bestimmten Ort treffen, um weitere Gespräche zu vereinbaren. Ich spürte das Wasser auf meiner Stirn und hörte den Zuspruch: »Denke daran, dass du getauft bist, und sei dafür dankbar!« Vor dem Segen sagte Pastor Chappell sinngemäß: »Als ich vor sieben Monaten hierher versetzt wurde, fiel mir beim Aussortieren mein Taufschein in die Hände. Da steht es schwarz auf weiß, wovon ich lebe. Gott hat mir zugesagt: ›Du bist mein Kind!‹ Deshalb bin ich, wer ich bin: ein Zeuge Jesu Christi! Ihr seid Gottes Kinder. Lebt als solche!«

Mit diesem Zuspruch brach ich in eine Woche auf, in der schwierige Aufgaben auf mich warteten. Wie gut, dass ich wusste, zu wem ich gehöre und dass ich mit der Leitung »von oben« rechnen konnte! Gott sagt bedingungslos »Ja« zu jedem Menschenkind. Wer das glaubt, wird mit Gottes Hilfe etwas aus seinem Leben machen. Was, das sieht unterschiedlich aus. Aber alle Gotteskinder sind auch Zeugen der Liebe Gottes und Mitarbeiter in der Kirche Jesu Christi. Ob wir zu einer riesigen oder einer winzigen Gemeinde gehören, ist dabei zweitrangig.

Wenige Tage vor meiner USA-Reise hatte ich bei einem Treffen in Schwarzenshof in Thüringen Mitarbeiter aus offenen Projekten mit Kindern und Jugendlichen getroffen. Zum Teil kamen sie aus kleinen Gemeinden. Sie wissen sich gerufen, Kinder und Familien in der Umgebung ihrer Kirche zu unterstützen. Ob in Nashville oder Hamburg-Wilhelmsburg, ob in einem schmucken Kirchengebäude oder im Kirchenkeller: Wer auf Gottes Liebe antwortet, baut mit am Haus aus lebendigen Steinen.