Barry Sloan. Der Evangelisationssekretär der EmK ist vor zwei Jahren auf die Spuren des irischen Missionars St. Columban quer durch Europa gereist. Volker Kiemle hat mit ihm gesprochen.

Barry Sloan. Der Evangelisationssekretär der EmK ist vor zwei Jahren auf die Spuren des irischen Missionars St. Columban quer durch Europa gereist. Volker Kiemle hat mit ihm gesprochen.

Pilgern

Dem Heiligen auf der Spur

Pilgern ist derzeit ein großer Trend – auch bei Menschen, die mit Religion wenig zu tun haben. Über die Gründe und was Pilgern heute bedeuten kann, darüber weiß Barry Sloan eine Menge. Der Evangelisationssekretär der EmK ist vor zwei Jahren auf die Spuren des irischen Missionars St. Columban quer durch Europa gereist. Volker Kiemle hat mit ihm gesprochen.

Warum ist Pilgern so beliebt?

Barry Sloan: Wir sind alle geistliche Wesen. Wir brauchen einen Ausgleich in unserer leistungsorientierten Gesellschaft und suchen nach etwas, was jenseits des Materiellen liegt. Früher hat man diesen Ausgleich eher in der Kirche gesucht, heute sucht man ihn anderswo. Pilgern ist eine Möglichkeit, die geistliche Seite in sich selbst anzusprechen.

Wie hat sich das Pilgern dadurch verändert?

Barry Sloan: Es gibt sicher Leute, die pilgern, weil es eben gerade im Trend ist. Andere machen das aus gesundheitlichen Gründen oder sehen es als sportliche Übung. Und einige sehen es als einen geistlichen Weg, als Chance, zu sich zu finden und sich mit Gott zu beschäftigen. Ich kenne viele jüngere Menschen, die wieder offen sind für Gott. Aber sie haben überhaupt keine Vorstellung von Gott. Und ich sehe das als missionarische Chance unserer Kirche, diese Menschen zu begleiten und ihnen zu helfen, ein Bild von Gott zu bekommen. Diese neue Offenheit ist eine Chance, aber auch eine Herausforderung.

Was haben Sie gesucht beim Pilgern?

Barry Sloan: Zunächst wollte ich Auftanken und mich vorbereiten auf die neue Aufgabe als Sekretär für Evangelisation unserer Kirche. Ich wollte mich auch mit der Mission der keltischen Mönche im sechsten Jahrhundert beschäftigen und habe die Klöster aufgesucht, die Columban auf seiner Missionsreise besucht hat. Und natürlich war ich gespannt auf die Begegnung mit den heutigen Heiligen ...

Das müssen Sie erklären ...

Barry Sloan: Die ganz normalen Menschen, die mir geholfen haben – das sind für mich Heilige. Ich wollte mich ja nicht nur mit der frühmittelalterlichen Geschichte beschäftigen, sondern auch mit Menschen von heute.

Was macht für Sie die Faszination heiliger Orte und heiliger Wege aus?

Barry Sloan: Zunächst ist jeder Ort heilig: Gott ist überall, überall ist Gottesdienst, nicht nur in der Kirche. Trotzdem hatten die keltischen Mönche Orte, die sie »thin places«, also »dünne Orte« nannten. Dort, so sagten sie, ist der Abstand zwischen Himmel und Erde sehr klein. Das habe ich selbst gespürt, etwa in Luxeuil- les-Bains in Frankreich. Das Kloster, das Columban von Luxeuil Ende des sechsten Jahrhunderts gegründet hat, besteht eigentlich nur noch aus Ruinen. Aber dort ist die Wiege der keltischen Mission im Frühmittelalter; es ist bis heute ein sehr faszinierender Ort.

Was ist das Faszinierende an Columban?

Barry Sloan: Vieles! Er war sehr breit ausgebildet – die Mönche kannten sich nicht nur in Theologie und Literatur aus, sie hatten auch handwerkliche Kenntnisse. Sie haben nicht nur gepredigt, sondern den Menschen Ackerbau und Handwerk beigebracht. Das fasziniert mich. Zum zweiten haben sie sich nicht abgekapselt von der »bösen« Welt, sondern sie haben sich eingebracht ins gemeinschaftliche Leben Siedlung, in der sie lebten. Das ist mir ein Beispiel, denn zu oft sind wir als kleine Gemeinden abgekapselt und leben in einer christlichen Subkultur. Außerdem ist Columban mit 50 Jahren – also als alter Mann – von Bangor in Irland zu seiner Missionsreise aufgebrochen. Er hat die Alpen mit 70 Jahren überquert, um eine neue Arbeit in einem neuen Land mit einer neuen Sprache zu beginnen. Auch das ist ein Vorbild: Es ist nie zu spät, aufzubrechen!

Volker Kiemle, Barry Sloan

Foto: privat

Buchtipp

Barry J. Sloan: Pilgern auf Irisch. Ein Roadtrip auf den Spuren von St. Columban, Verlag Neukirchener/ Aussaat, Neukirchen 2014, 224 Seiten, 16-seitiger farbiger Bildteil, 12,99 Euro. ISBN: 978-3-7615-6147-8.

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