»Immer mehr Menschen, die an den Herrn glaubten, kamen zur Gemeinde dazu – eine große Zahl von Männern und Frauen.« Apostelgeschichte 5,14

»Immer mehr Menschen, die an den Herrn glaubten, kamen zur Gemeinde dazu – eine große Zahl von Männern und Frauen.« Apostelgeschichte 5,14

Wort auf den Weg

Gott ist nicht Mann oder Frau

»Wort auf den Weg« von Ruthild Steinert: »Immer mehr Menschen die an den Herrn glauben, kamen zur Gemeinde dazu ...« (Apostelgeschichte 5,14)

Am Anfang scheint immer alles ganz einfach zu sein. Menschen fassen Vertrauen und schließen sich der Gemeinde an. Stand, Geschlecht, Herkommen – zuerst spielt das keine Rolle. Später hielt man es für wichtig zu erwähnen, dass Männer und Frauen zum Glauben kamen, wie hier Lukas in der Apostelgeschichte schreibt. Warum eigentlich? Der Zauber des Aufbruchs ist verflogen. Dann wird es mit der Zeit schwieriger, miteinander auszukommen. In den Briefen der Apostel ist das Selbstverständliche zwischen Männern und Frauen dahin. Es muss alles geregelt werden. Männer und Frauen – eigentlich doch im Bekenntnis zu Jesus Christus verbunden – sind sich nicht automatisch einig in ihrer Auffassung des Glaubens.

Einige Problemfelder im Umgang sind offenbar zeitlos: Männer wollen Frauen anweisen, wie sich ihr Glaube im Stil und Verhalten ausdrücken soll, sind genervt vom dauernden Reden der Frauen. Beide Geschlechter kämpfen um Einfluss bei Entscheidungen und Leitung der Gemeinde. Frauen sind genervt von lieblos gefeierten, wenig ansprechenden Gottesdiensten und dass die christliche Überzeugung ihrer Männer sich so wenig in ihrem Ehe- und Familienleben zeigt. Kommt Ihnen manches daran bekannt vor? Das Déjà-vu liegt vermutlich daran, dass weiblicher und männlicher Glaube nach wie vor verschiedene Bedürfnisse und Schwerpunkte hat.

Gefühle und Glauben kommen zusammen

In meiner Gemeinde gibt es seit einem Jahr ein Frauengebetsfrühstück. Einmal im Monat wird erst gegessen, geredet und dann eine Stunde sehr offen, ehrlich und innig gebetet, besonders auch für Menschen in schwierigen Situationen. Da fließt manche Träne. Es begeistert mich zu sehen, wie die Frauen hier aufblühen, ihre Probleme anfassen, und in ihrem Glauben wachsen. Das ist für mich ein absolutes Highlight. Und das kann ich mir mit einem ähnlichen Kreis von Männern nicht vorstellen. Tut mir leid! Frauen brauchen offenbar eine Gemeinschaft, in der Emotionen und Glaube zusammenkommen, sie müssen ihren Glauben im Mitreden ausdrücken. Sie verstehen ihre Verpflichtung, ihre Familien und Freunde im Glauben mitzutragen. Ist das nur ein Klischee? Meiner eigenen Beobachtung entspricht es.

Männer sind anders

Genauso kenne ich Männer, deren klare Verkündigung ich bewundere, die unglaublich zäh und strukturiert manchmal jahrelang Ziele verfolgen, die bei biblischen Fragen bis auf den Grund bohren und aus ihrem Glauben entschlossen bewusste Entscheidungen fällen. Glauben ist eine höchst persönliche Angelegenheit. Ich kann es nur so tun, wie es mir entspricht. Zur Heiligung gehört es, den eigenen Schwerpunkt und Ausdruck von Nachfolge zu finden. Und dieser wird häufig spezifisch weiblich oder männlich sein. Gott ist nicht Mann oder Frau – aber er will in Frauen und Männern sichtbar werden. Können wir anerkennen, dass wir im Allgemeinen unterschiedlich sind und erkennen, dass das einen tiefen Sinn hat? Statt sich gegenseitig als »typisch« Mann oder Frau abzutun, könnten wir uns als Bereicherung und Ergänzung schätzen lernen.

Ruthild Steinert

Foto:  Jean-Pierre Dalbéra / flickr.com / CC BY 2.0
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 19/2015