Schulungsteilnehmer »organisieren« bei einer UMCOR-Fortbildung ein Katastrophenhilfsprogramm.

Schulungsteilnehmer »organisieren« bei einer UMCOR-Fortbildung ein Katastrophenhilfsprogramm.

UMCOR-Fortbildung

Katastrophenhilfe mit professionellen Standards

Aus Europa und Asien waren Mitte Oktober 30 Personen im methodistischen Hotel Teuchelwald in Freudenstadt zu einer Fortbildung in Katastrophenhilfe.

Zu dieser Fortbildung hatte das Internationale methodistische Hilfswerk (United Methodist Committee on Relief, UMCOR) rund 30 Personen aus Europa und Asien eingeladen, um sie in den Herausforderungen und Standards professioneller Katastrophenhilfe zu schulen. »Keine Katastrophe ist so groß, dass sie das Licht der Liebe Gottes auslöschen könnte«, ist Jack Amick, der Leiter der UMCOR-Katastrophenhilfe, überzeugt. Deshalb arbeitet UMCOR in den USA und weltweit mit verschiedensten Personen und Einrichtungen zusammen, um in Brennpunkten von Krisen und Katastrophen Hilfe zu leisten. Die Schulung in Freudenstadt diente der Intensivierung der Zusammenarbeit und der Professionalisierung der Hilfsangebote sowie der Vernetzung der Partnerorganisationen untereinander.

»Wir sprechen die gleiche Sprache der Hilfe«

Für Neslihan Kilicarslan, eine in Istanbul aufgewachsene Kirgisin, waren »viele Impulse für meine Arbeit als Regionalkoordinatorin im Südosten der Türkei dabei«. In dem von ihr betreuten Schulprojekt wenige Kilometer von der syrischen Grenze entfernt sucht sie unter den syrischen Flüchtlingen Lehrer, um mit deren Fachkompetenz Unterricht für die Flüchtlingskinder anzubieten. Diesen Kindern und Jugendlichen wird in den organisierten Flüchtlingsschulen eine Alternative zu Flüchtlingsarmut und Kinderarbeit offeriert. Der Unterricht findet in türkischen Schulen und Gebäuden statt und kann deshalb nur nachmittags und abends angeboten werden. Ebenfalls mit Armut und Kinderarbeit ist Jackline Atwi konfrontiert. Sie arbeitet im Nordosten des Libanon als Programm-Managerin unter Einheimischen und syrischen Flüchtlingen palästinensischer Herkunft. Die lokale Bevölkerung dort befürchtet, dass den Flüchtlingen mehr geholfen werde als ihnen und sie noch mehr an den Rand gedrängt würde. »Deshalb ist die Hälfte unserer Hilfsprojekte ganz bewusst auf die lokale Bevölkerung zugeschnitten«, betont Atwi. Sie organisiert vier Kindereinrichtungen, in denen rund 2.000 Kinder mit Vorschulmaterialien versorgt werden, und die Betreuung von über 10.000 Jugendlichen in drei großen Flüchtlingscamps und in 12 libanesischen Dörfern. Ihnen soll ein Schulbesuch ermöglicht werden oder neben der Arbeit eine zusätzliche Schulausbildung. Das UMCOR-Training ist für Atwi eine große Unterstützung für die Organisation ihrer Hilfsangebote. »Wir sprechen die gleiche Sprache der Hilfe, und in der Begegnung mit anderen Menschen aus vielen Teilen der Welt erhalten wir einen weiten Blick für die Welt und unsere Arbeit.«

Umfassende Hilfe ist nur mit professionellen Standards möglich

Aus Österreich ist Ben Nausner angereist. Der 32-jährige gehört zur EmK-Gemeinde Wien-Fünfhaus. Als Ehrenamtlicher hat er in seiner Gemeinde mitgeholfen, als im September viele Flüchtlinge mit Zügen aus Ungarn in Österreich ankamen. Binnen weniger Tage mussten in Wien mehrere Tausend Übernachtungsquartiere geschaffen werden, was ohne soziale Einrichtungen und Kirchen und ohne die Hilfe vieler Freiwilliger nicht möglich gewesen wäre. »Innerhalb von zwei Tagen konnten wir 50 Übernachtungsplätze in unserer Kirche zur Verfügung stellen«, erzählt Nausner. Als ein Bus zum ersten Mal 50 Personen für eine Nacht absetzte, sei aber schnell klar geworden, dass eine gute Organisation zwingend nötig ist. »Wenn 50 Leute nach Verlängerungskabeln und Steckdosen für ihre Handys fragen, oder nach Internet und PC-Zugang, dann muss man gut vorbereitet sein«, so Nausner. Auch die kulturellen Essgewohnheiten und notwendige medizinische Hilfe müssen bedacht sein. Gut gemeintes freiwilliges Engagement könne da sehr schnell an Grenzen stoßen. »Professionelle Standards sind nötig, um wirklich helfen zu können«, sagt er. Das sei für ihn auch eine wichtige Erkenntnis der Schulung in Freudenstadt. Amick zieht ein positives Fazit der Schulung für die Partnerorganisationen in Europa und Asien. »Katastrophen nötigen uns dazu, unsere Sichtweisen zu ändern«, erklärt er und ist sich sicher, dass solche Veränderung auch durch die Schulung geschehen sei. Zum Schluss gab er den Teilnehmern noch einen wichtigen Gedanken mit auf den Weg: »Seht die Menschen als Lichter, in denen sich die Güte widerspiegelt. Und seht in euch auch dieses widerspiegelnde Licht der Güte.«

Klaus Ulrich Ruof

Foto: © Klaus Ulrich Ruof, EmK Öffentlichkeitsarbeit