Das alte Backhaus wurde 2010 zum geistlichen Zentrum von Schwarzenshof umgestaltet.

Das alte Backhaus wurde 2010 zum geistlichen Zentrum von Schwarzenshof umgestaltet.

Schwarzens Hof

Schwarzenshof: 90 Jahre von Gott gesegnet

Aus einem Wohnheim für alte und alleinstehende Methodisten entstand ein Ort, an dem Gemeinschaft und Gottes Nähe in besonderer Weise erfahrbar wurden.

Das methodistische Werk auf Schwarzenshof geht auf Pastor Johannes Heinrich Schaedel zurück. Der von ihm in den schweren Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gegründete »Wohlfahrtsverein der Methodistenkirche in Norddeutschland « erwarb 1924 das Anwesen auf der Höhe bei Rudolstadt mit einem wundervollen Blick auf die Stadt und das Saaletal.

Pastor Schaedel wollte hier sein Anliegen realisieren: alten und alleinlebenden Mitgliedern unserer Kirche einen sorgenfreien Lebensabend zu verschaffen. Am Pfingstfest 1925 wurde das Altenheim eingeweiht. Im gleichen Jahr wurde die Jugendherberge errichtet. Das Miteinander von Jung und Alt auf Schwarzenshof hat Tradition.

Für die Versorgung der betagten Geschwister war der alte Gutshof mit seiner Landwirtschaft eine wichtige ökonomische Grundlage und besonders in den Kriegs- und Nachkriegsjahren ein notwendiger Überlebensfaktor. Viele fleißige Menschen haben über die Jahrzehnte das Anwesen instand gehalten, seine Bewohner liebevoll umsorgt und manche Engpässe gemeistert.

Zwei Diktaturen hat das Werk mit Gottes Hilfe überstanden. Jugend- und Studentenarbeit waren Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit in den Jahren der DDR. Gerade in den Studentenfreizeiten haben wir hier »oben auf der Höhe« etwas von der »Freiheit der Kinder Gottes« erfahren dürfen. In der Zeit des kalten Krieges trafen sich Vertreter der EmK aus Ost und West zu Friedensseminaren.

Zu einem gesamtdeutschen Projekt im geteilten Deutschland gestaltete sich der Bau des neuen Ferien- und Rüstzeitheims anfangs der achtziger Jahre. Dank der großen Opferbereitschaft der Geschwister in ganz Deutschland, der Schweiz, Finnland und den USA konnte im September 1985 ein neues Haus eingeweiht werden.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands gab es Probleme mit der Auslastung des Ferien- und Rüstzeitheims. Deshalb gründete eine Gruppe von »Altfreunden« 1997 einen Förderverein mit dem Ziel, die traditionsreiche Arbeit weiterzuführen. Dem Förderverein schlossen sich sehr bald Geschwister aus Ost und West, aus Nord und Süd an, so dass die methodistische Tätigkeit auf Schwarzenshof wieder gesamtdeutsch wurde.

Das Altenheim entsprach nun nicht mehr den geforderten Standards. Als Ersatz wurde ein neues »Diakonisches Altenhilfezentrum« in Rudolstadt gebaut. Die Bewohner des Altenheims verließen Ende 1998 Schwarzenshof mit Wehmut. Kurzzeitig diente das ehemalige Altenheim als Internat für Schüler der Sprachheilschule im benachbarten Keilhau. Nach deren Auszug musste eine neue Verwendung für dieses Haus gefunden werden. So wurde es zwecks Kapazitätserweiterung zur »Begegnungs- und Bildungsstätte « umgebaut.

Ab 2004 wurden die Zimmer neu gestaltet, neue Gruppenräume und Speisesäle geschaffen, die Küche modernisiert – um nur einiges zu nennen. Viele Arbeiten wurden von freiwilligen Helfern erledigt.

Das alte Backhaus wurde 2010 zum geistlichen Zentrum von Schwarzenshof umgestaltet. Andachten und Gottesdienste werden in dem lichtdurchfluteten Raum mit dem Christussymbol am großen Altarfenster zu einem besonderen Erlebnis. Der Förderverein sah sich für die Tilgung des »Backhaus- Darlehens« verantwortlich. Rechtzeitig zum Jubiläum ist das Darlehen getilgt. Dem Förderverein gebührt dafür großer Dank!

Schwarzenshof erfreut sich auch heute eines großen Zuspruchs und freut sich über alle Gäste.

Gudrun Lötzsch / kie

Foto: schwarzenshof.de
Beitrag entnommen aus »unterwegs« 19/2015