An die Exkursion und den Gottesdienst schloss sich eine Prozession um die Stadtkirche zur nahe gelegenen Emmauskirche an.

An die Exkursion und den Gottesdienst schloss sich eine Prozession um die Stadtkirche zur nahe gelegenen Emmauskirche an.

Tag der Schöpfung

»Wir leben jenseits des Gartens Eden«

»Die Erde ist kein Paradies«, sagte Bischöfin Wenner in ihrer Predigt im Gottesdienst zum ökumenischen Tag der Schöpfung in der Stadtkirche in Borna.

»Wir sind nicht angekommen im Paradies, weder hier, noch auf unseren Urlaubsreisen, bei denen wir uns vielleicht paradiesische Zustände erträumen«, sagte Rosemarie Wenner, die Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) und stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), in ihrer Predigt zum ökumenischen Tag der Schöpfung. Die zentrale Feier der ACK für diesen Schöpfungstag fand unter dem Motto »Zurück ins Paradies?« am gestrigen Freitag (4. September) in der Stadtkirche St. Marien in Borna bei Leipzig statt. In ihr wirkten unter anderen der Vorsitzende der ACK in Deutschland, Bischof Karl-Heinz Wiesemann (Speyer), und der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing mit.

Den 30 Kilometer südlich von Leipzig gelegenen Ort Borna hatte die ACK für ihre Veranstaltung zum Tag der Schöpfung ausgewählt, weil sich dort besonders zeige, wie eine geschundene Natur wieder verändert werden könne. Nach vielen Jahren des Braunkohletagebaus war die Landschaft um Borna durch Renaturierungsprojekte in das Naherholungsgebiet »Leipziger Neuseenland« verwandelt worden. Auf einer Exkursion vor dem Gottesdienst konnten sich rund 150 Teilnehmer von den Veränderungen überzeugen. Allerdings habe die Renaturierung auch die Grenzen des menschlich Machbaren aufgezeigt und neue Probleme geschaffen, da Viele ihre Arbeitsplätze im Braunkohletagebau verloren hatten. »Wir leben jenseits des Gartens Eden«, sagte Bischöfin Wenner. Alle Geschöpfe seien in einer Schicksalsgemeinschaft verbunden. Die Schöpfung leide, sagte Wenner in Anlehnung an eine Passage aus dem Römerbrief des Apostels Paulus. »Wir Menschen können uns auf radikale Weise zu Herren der Natur machen. Wir bewirken dabei viel Gutes, können aber auch bleibenden Schaden anrichten. Manchmal ist es schwer zu beurteilen, inwiefern unser Schaffen gut oder schlecht ist«, so die Bischöfin. Neues Leben breche sich dort Bahn, wo Menschen die Natur achten sowie große und kleine Schritte unternehmen, sie zu bewahren. Das eigentliche Paradies werde Gott noch schaffen. »Christen rechnen mit der Erneuerung und handeln in der Hoffnung, dass Gott auch aus unserem unvollkommenen Leben etwas Ganzes macht.«

An die Exkursion und den Gottesdienst schloss sich eine Prozession um die Stadtkirche zur nahe gelegenen Emmauskirche an. Die Emmauskirche war 2007 im Ganzen aus dem für den Abbau der Braunkohle aufgegebenen Dorf Heuersdorf nach Borna gebracht worden. Sie stehe als Zeichen für die 126 Siedlungen, die im Zuge des Braunkohletagebaus abgebaggert oder zugeschüttet wurden, so Verantwortliche der ACK in Sachsen. Rund 51.000 Menschen hatten in dem im Dreiländereck der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gelegenen Gebiet ihre Heimat verlassen müssen. Nach der Prozession fand ein Empfang der ACK im Bürgerhaus »Goldener Stern« statt.

Seit dem Jahr 2010 feiert die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland jährlich einen Ökumenischen Tag der Schöpfung. Er geht auf eine Anregung des damaligen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Dimitrios I. zurück, einmal im Jahr »gemeinsam zum Schöpfer zu beten«. Dieser Tag wird bundesweit begangen und regt dazu an, das Lob des Schöpfers gemeinsam anzustimmen und gleichzeitig die eigenen Aufgaben für die Bewahrung der Schöpfung in den Blick zu nehmen.

Marc Witzenbacher, Klaus Ulrich Ruof

Foto: ACK, Marc Witzenbacher

Weitere Informationen

Ökumenischer Tag der Schöpfung: www.schoepfungstag.info