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Dienstag, 18. Dezember 2007

Happy Birthday Charles Wesley

»Seine Stimme war wie eine Trompete« - Charles Wesley ­ der Prediger und Seelsorger

»Deine einzige Aufgabe ist es, Seelen zu retten. Deshalb verwende deine Zeit und verausgabe dich dafür, und gehe nicht zu denen, die dich brauchen, sondern immer zu denen, die dich am meisten brauchen.« Bis zu seinem Lebensende blieb Charles Wesley dieser 11. Regel für methodistische Prediger treu. Da er sich von Gott in den Dienst gestellt wusste, konnten ihn widriges Wetter, massive Störungen, Krankheiten (einmal hatte er so starke Schmerzen, dass er im Knien predigte), Unlust, ja sogar Fluchtgedanken, letztlich nicht davon abhalten. Als man ihm die Kanzeln der Church of England verbot, predigte er im Freien. Als seine Vorgesetzten versuchten, seine Aktivitäten einzuschränken, setzte er sich über ihre Ratschläge hinweg; denn Gottes Wort und nicht Menschenwort hatte für ihn Priorität.

Dass Charles Wesley ein außergewöhnlich beeindruckender Prediger war, wird von seinen Zeitgenossen bezeugt. Einer von ihnen ist Joseph Williams, der ihn 1739 in Bristol kennen lernte. Er schreibt: »Ich habe niemals einen Pfarrer gehört, der mit so einem leidenschaftlichen Verlangen und ernsten Bemühen versucht hat, seine Zuhörer davon zu überzeugen, dass sie durch ihre natürliche Anlage in Feindschaft zu Gott stehen ... und Versöhnung mit Gott brauchen; dass Gott bereit ist, sich mit allen zu versöhnen, sogar mit den schlimmsten Sündern ... Er gebrauchte dabei eine große Vielfalt sehr

Frei reden - zu jeder Gelegenheit

Bis zum freien Predigen war es für Charles Wesley ein langer Weg. Zu Beginn seines Dienstes als Geistlicher schrieb er alle seine Predigten sorgfältig auf. Am 20.10.1738 hielt er in seinem Tagebuch fest: »Als ich nur so wenige in der Kirche sah, dachte ich daran, ex tempore [= ohne Manuskript, aus dem Stegreif] zu predigen, hatte aber Angst davor. Im Vertrauen auf die Verheißung 'Siehe, ich bin bei euch alle Tage' wagte ich es und sprach eine Dreiviertelstunde lang ... Ehre sei Gott, der sein Versprechen auf ewig hält.« In der Folge wurde das freie Predigen zur Regel.

Für Charles Wesley gehörten Predigt und ein Lied, als Zusammenfassung oder Verstärkung der Predigt, zusammen. Er scheute sich nicht, vor und mit riesigen Menschenmengen bei evangelistischen Freiversammlungen zu singen. In vielen Fällen war es nicht beim Hören der Predigt, sondern beim Singen eines geistlichen Liedes, dass Menschen in seinen Versammlungen ihre Bekehrung erlebten. Charles Wesley konnte mit Gottes Hilfe seine Stimme »wie eine Trompete» einsetzen, um auch die ganz hinten Stehenden mit der frohen Botschaft zu erreichen.

Wann immer sich eine Gelegenheit bot, predigte Charles auch in Gefängnissen, da seiner Überzeugung nach das Evangelium keinen ausschließt. Er beließ es aber nicht bei tröstlichen Worten, sondern bot den zum Tode Verurteilten seine seelsorgerliche Begleitung bis unter den Galgen an. Die seelsorgerliche Betreuung lag ihm sehr am Herzen. So hielt er zum Beispiel 1740 in London täglich von 11-13 Uhr in der »Foundery« Sprechstunden ab, um offene Fragen zu beantworten. Darüber hinaus machte er fleißig Hausbesuche, um besonders Arme, Kranke und Sterbende zu betreuen. Charles Wesleys Predigten hatten eine starke Überzeugungskraft und wurden durch Gott so gesegnet, dass unzählige Menschen durch ihn zu einem lebendigen Glauben kamen. Im Gegensatz zu den akademisch-trockenen, stark moralisierenden Predigten seiner Zeit hielt Charles Wesley von Liebe durchglühte Predigten, die von Herzen kamen und zu Herzen gingen. Im frühen Methodismus hatte Charles Wesley als Prediger eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Als unermüdlicher und unerschrockener Reiseprediger stand er seinem Bruder John in nichts nach. Er nahm jede Gelegenheit wahr, um das Evangelium zu predigen, egal ob das bei einer Hausandacht oder bei einer Massenveranstaltung im Freien war. Er predigte regelmäßig bis wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 1788.

Martin E. Brose

Martin E. Brose ist Laienprediger der EmK
im Bezirk Berlin-Wittenau und hat schon
einiges zu Charles Wesley publiziert.