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Wenner

Montag, 9. November 2009

»Meine Wende«

Ein Wort von Bischöfin Rosemarie Wenner zu 20 Jahre Mauerfall

»Meine Wende« hieß eine Kolumne in unserer Kirchenzeitung »unterwegs«. Menschen aus  Ost und West berichteten, wie sie die Zeit um den 9. November 1989 erlebt haben. Der 20. Jahrestag des »Mauerfalls« ist eine gute Gelegenheit, Geschichten zu erzählen, die wir aus der jüngsten Vergangenheit erinnern.

Doch auch von dem anderen, bitteren Jahrestag gilt es zu reden im Jahr der Freude über 20 Jahre seit »der Wende«. Vor 71 Jahren brannten überall in Deutschland Synagogen. Der Hass gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurde öffentlich zelebriert.

Was lernen wir aus den fröhlichen und schrecklichen Ereignissen des 9. November? Es gibt immer noch trennende Mauern zwischen Menschen und Völkern. Auch heute keimem Vorurteile, die Hass und Gewalt hervorbringen.

Der Titel der unterwegs-Kolumne „Meine Wende“ kann auch als Aufforderung verstanden werden, sich persönlich neu zu orientieren und Umkehr zu vollziehen. Es kommt auf die Einzelnen an. Die »Wende« 1989 wurde möglich, weil viele Einzelne friedlich demonstrierten. Die Judenverfolgung 1938 führte bis zum Holocaust, weil viele Einzelne mitmachten oder wegsahen und schwiegen.

»Folge mir nach«, mit diesen Worten rief Jesus einzelne Menschen auf, umzukehren und seinen Weg der Liebe mit zu gehen. Jesus nachfolgen bedeutet, für Menschenwürde eintreten. Dies geschieht heute zum Beispiel im Einsatz für Flüchtlinge oder im Kampf gegen Armut.

Rosemarie Wenner