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»An der Finanzkrise sind viele schuld«
Die Finanzkrise hat einen Berufsstand besonders in Misskredit gebracht:
Finanzberatern wird immer wieder vorgeworfen, ihre Kunden falsch beraten und nur auf die eigene Provision geschaut zu haben. Wie es anders gehen kann, darüber hat Volker Kiemle mit Johannes Sczepan gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Plansecur-Unternehmensgruppe.
Durch die Finanzkrise haben viele Menschen viel Geld verloren - bei manchen ist sogar die ganze Altersversorgung vernichtet. Wie geht es Ihnen damit?
Johannes Sczepan: Es stimmt sicherlich, dass viele Menschen Geld verloren haben. Wenn jemand aufgrund der Finanzkrise aber seine gesamte Altersversorgung verloren hat, ist dies ein Indiz dafür, dass er unseriös oder sogar falsch beraten worden ist. Wenn ein Berater hochriskante Produkte für dieses Sparziel ausgewählt hat, ist das aus fachlicher Sicht unverantwortlich und kann für den Einzelnen existenzbedrohend sein.
Wie funktioniert eine seriöse Finanzberatung nach diesem Crash?
Johannes Sczepan: Bei uns funktioniert sie wie vor der Krise, denn alle Berater arbeiten in Teams zusammen. Alle Finanzplanungskonzepte, die die Beraterinnen und Berater für ihre Kunden entwerfen, werden anonymisiert im regionalen Beraterteam
vorgestellt, diskutiert und verfeinert. Erst dieses optimierte Konzept stellt der Berater seinem Kunden vor. Dieses Mehraugenprinzip nützt dem Kunden ungemein, weil verschiedene Fachleute - in einem regionalen Beraterteam arbeiten zwischen drei und sieben Kollegen zusammen - die Kundensituation aus unterschiedlichen Perspektiven beurteilen.
Das Geld, das in Aktien angelegt wird, fällt ja nicht vom Himmel, sondern muss von Menschen erarbeitet werden. Wie könnte eine gerechte Beteiligung derer, die dafür arbeiten, erreicht werden?
Johannes Sczepan: Eine angemessene Beteiligung aller, die an der Wertschöpfung eines Unternehmens beteiligt sind, halte ich für sinnvoll und förderungswürdig. Neben dem monetären Erfolg erreiche ich, dass die Mitarbeiter engagiert sind und sich nicht nur als Arbeitnehmer verstehen, sondern auch unternehmerisch denken. Auch der Unternehmer hat einen Vorteil, denn er bindet die Mitarbeiter mit einer Beteiligung stärker an seine Firma - ein wichtiger Faktor, der Fluktuation verhindern hilft und
bei tendenziell zunehmendem Fachkräftemangel für ihn immer wichtiger wird.
Das funktioniert aber nur in Aktiengesellschaften...
Johannes Sczepan: Mitarbeiterbeteiligung ist nicht auf Aktiengesellschaften beschränkt. Bei der Plansecur können erfolgreiche Berater Kommanditisten der Plansecur KG werden, angestellte Mitarbeiter können eine Einlage als stiller Gesellschafter zeichnen.
»Betroffene zu Beteiligten machen« heißt dieser Grundsatz bei uns und wir beherzigen ihn seit Firmengründung im Jahr 1986 mit sehr gutem Erfolg: 86 unserer 235 Berater sind Gesellschafter und das zum Teil seit mehr als 15 Jahren. Die Einlage unserer Berater wird mit verschiedenen Faktoren bewertet, die mit steigender Aktivität im Gesamtunternehmen zu einem höheren Anteil der Verzinsung führt. Unsere Gesellschafter sind darüber hinaus aufgrund der Mitarbeit in Arbeitskreisen und Ausschüssen in Entscheidungen des operativen Geschäfts eingebunden. Angestellte Mitarbeiter der Plansecur können sich als Stille Gesellschafter mit einem Darlehen beteiligen, das mit einer über dem Bankendurchschnitt liegenden Verzinsung ausgestattet ist.
»Wir alle sind durch unsere Gier schuld an der Finanzkrise« - diesen Vorwurf hat man in den letzten Monaten immer wieder gehört. Was ist daran wahr?
Johannes Sczepan: Ich würde nicht sagen »wir alle«, ich würde sagen »viele sind an dieser Finanzkrise schuld«. Es ist mit Sicherheit zum einen die Überschuldung der vielen Privathaushalte: die »Gier«, immer mehr besitzen zu wollen und dies in der Regel zu finanzieren. Zum anderen war es das in den letzten 10 bis 15 Jahren praktizierte Verfahren des Shareholder Value - ein System, in dem die Investoren, die in der Regel nichts mit dem operativen Geschäft zu tun haben und nur ihr Geld geben, mit möglichst hohen Gewinnen befriedigt werden sollen. Dementsprechend war Gewinnmaximierung das oberste Ziel vieler vor allem börsennotierter Unternehmen. Das ging zum einen zu Lasten der Mitarbeiter, weil Kosten durch Personalreduzierung eingespart wurden; zum anderen zu Lasten der Endverbraucher durch immer diffizilere Bankprodukte wie zum Beispiel Zertifikate, Derivate und viele andere , weil die Menschen diese nicht mehr durchschauen können.
Wie sieht das bei der Plansecur aus?
Johannes Sczepan: Bei der Plansecur sieht es etwas anders aus. Die Plansecur ist zu 100 Prozent eigenkapitalfinanziert und gehört mehrheitlich den eigenen Beratern. Das Unternehmen muss somit nicht die Interessen Dritter wahren und entscheidet frei nach den Bedürfnissen des Kunden.
Wie gehen »Plansecur«-Berater mit potenziellen Anlegern um, die einzig von der Gier getrieben sind?
Johannes Sczepan: Das schließt nahtlos an Ihre letzte Frage an. Unsere Beraterinnen und Berater erhalten fast alle ihre Neukunden über Kunden, die mit der Beratung zufrieden waren und diese ihren Verwandten, Freunden und Geschäftspartnern weiterempfehlen.
Die Neukunden wissen in etwa, welche Wertevorstellungen wir haben und nach welcher Vorgehensweise wir beraten. Jemand, der von reiner Gier getrieben ist, wird sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht an uns wenden.
Hat nach Ihrer Beobachtung in der Finanzbranche ein Umdenken stattgefunden? Und wie haben sich durch die Krise bei »Plansecur« die Beratungsrichtlinien verändert?
Johannes Sczepan: In der Branche hat leider noch kein prinzipielles Umdenken stattgefunden. Es wird immer Marktteilnehmer geben, die neue, zum Teil auch schwer verständliche und für den Laien undurchsichtige Finanzprodukte auflegen werden. Und es wird immer Marktteilnehmer geben, die den Finanzvertrieb mit besonders hohen Provisionen dazu verleiten wollen, ein bestimmtes Produkt zu favorisieren. Diese Unsitte wird aufgrund der aktuellen Krise nicht verschwinden. Dagegen setzen wir auch in Zukunft den Kontrapunkt. Wie werden, wie bereits seit Firmengründung praktiziert, ausschließlich unsere Beratungsdienstleistung anbieten und keine eigenen Produkte auflegen. Aufgrund der schon genannten Unabhängigkeit der Plansecur bestehen auch keine Vertriebsvorgaben von den Gesellschaften, deren Geldanlagen, Fonds, Versicherungen und so weiter wir vermitteln. Deshalb sehen wir unsere Beratungsgrundsätze bestätigt und können sie guten Gewissens beibehalten.
Foto: Plansecure

