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Bischöfin Rosemarie Wenner

Sonntag, 25. Oktober 2009

Mitleiden - überall in der Welt

Auf den Fidschi-Inseln gehören zwei Drittel der einheimischen Bevölkerung zur Methodistenkirche. Seit Monaten werden sie von der Militärregierung drangsaliert.

Neben Solidarität in der Fürbitte ist praktische Hilfe gefragt. Bischöfin Rosemarie Wenner erinnert uns daran, dass es unsere Aufgabe als Kirche ist, den Verfolgten beizustehen.

Seit Kurzem wissen wir, dass es in Deutschland mehr Methodisten gibt als bisher bekannt: In Gütersloh und Paderborn gibt es zwei Gemeinden, denen rund 1.000 Methodisten aus den Fidschi-Inseln angehören. Es sind Mitglieder des britischen Militärs mit ihren Familien. Sie traten mit Pastorin Carol Seckel in Verbindung, die in meinem Büro die Arbeit der englischsprachigen Gemeinden koordiniert.

Inzwischen gab es erste Kontakte, die hoffentlich bald zu Begegnungen mit den deutschsprachigen Gemeinden in der Region Ostwestfalen führen. Der direkte Draht zu Methodisten von den Fidschi-Inseln ließ mich hellhörig werden, alsbei der Tagung der Exekutive des Weltrats Methodistischer Kirchen Ende September von diesem Teil der Erde berichtet wurde.

Aufmerksame »unterwegs« Leser haben vielleicht in Erinnerung, dass die Methodistenkirche in den Fidschis und in Rotuma unter großem politischen Druck steht. Die Militärregierung hat im Mai 2009 einen Bann gegen die Methodistenkirche ausgesprochen. Dieser Kirche gehören immerhin zwei Drittel der einheimischen Bevölkerung an. Konferenzen und größere Zusammenkünfte sindverboten. So musste zum Beispiel ein Sängerfest abgesagt werden, das einen hohen Stellenwert für die Gemeinden auf den Fidschis hat. Neun Leitungspersonen wurden inhaftiert. Sie wurden inzwischen unter strengen Auflagen wieder freigelassen.

Der Druck auf die Methodistenkirche hält jedoch unvermindert an. Solidarität ist gefragt. Wenn am anderen Ende der Welt Menschenrechte mit Füßen getreten werden, dann ist unsere Solidarität gefragt. Die Exekutive des Weltrats Methodistischer Kirchen ruft alle Mitgliedskirchen zur Fürbitte auf. Außerdem soll baldmöglichst eine Delegation des Weltrats die Fidschi-Inseln besuchen. Einige Kirchen, darunter auch die Methodistenkirche in Großbritannien, stehen schon seit längerem in engem Kontakt mit der Methodistenkirche in Fidschi und Rotuma, um konkret Hilfe zu leisten.

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, das verdeutlicht, wie wir zusammengehören in unserer klein gewordenen Welt. Ich möchte ein zweites Land erwähnen:

Aus den täglichen Nachrichten erfahren wir aktuell wenig über die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen im Iran. Von iranischen Migranten, die zur EmK-Gemeinde
München-Erlöserkirche gehören, hören wir dagegen erschreckende Berichte. Die Menschen, die bei Demonstrationen nach den Wahlen verhaftet wurden, sind zum größten Teil noch im Gefängnis. Die Zahl der Hinrichtungen ist dramatisch hoch. Schon lange wissen wir, dass es im Iran keine Religionsfreiheit gibt und dass Christen verfolgt werden. Die meisten Zeitgenossen denken jedoch nur solange an ein Land, wie es in den Schlagzeilen ist.

Ich rechne fest damit, dass es in unseren GemeindenBetende gibt, die anhaltend eintreten für Menschen auf den Fidschi-Inseln, im Iran und in anderen Teilen der Welt, wo Menschenrechte verletzt werden. Weil wir an den mitleidenden Gott glauben, der in Christus sogar den Tod besiegt hat, finden wir uns nicht damit ab,dass es ungerecht zugeht auf dieser Welt. Zusätzlich zu unseren Gebeten können wir diejenigen unterstützen, die an der Seite der Bedrängten stehen, heimliches Leid öffentlich machen und sich für mehr Demokratie einsetzen. Was Paulus den Korinthern schreibt, soll auch in der weltweiten Gemeinschaft der Kinder Gottes Wirklichkeit werden: »Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit« (1. Korinther 12,26).

Bischöfin Rosemarie Wenner