Sie sind hier: Startseite > Meldungen > Meldungsarchiv > Meldungen 2009 > 
Seite bookmarken: google.comdel.icio.usWebnewsMister Wong

Mit »unterwegs« auf dem Laufenden

aktuelle Ausgabe des Magazins »unterwegs«

Testen Sie die Zeitschrift der Evangelisch-methodistischen Kirche.

undefined Hier können Sie ein Gratis-Heft bestellen.

cover »unterwegs« 23/09

Dienstag, 10. November 2009

»unterwegs« 23/2009

Ein Zeichen für Gottes Wirksamkeit - Viele Christinnen und Christen entdecken die Bedeutung von Segenshandlungen in unserer Zeit neu.

Das betrifft die Segnung der ganzen Gemeinde zum Abschluss jedes Gottesdienstes ebenso wie die persönliche Segnung in besonderen Lebenssituationen. Volker Kiemle hat mit Burkhard Seeger, Pastor im Stuttgarter Bethesda-Krankenhaus, über Segen gesprochen.

Herr Seeger, welche Erfahrungen haben Sie mit dem Segen im Krankenhaus-Alltag gemacht?

Burkhard Seeger: Bei meiner Arbeit in der Klinikseelsorge ist mir im Lauf der Jahre die Formel »Gott befohlen« immer bedeutsamer geworden. »Adieu« meint ja dasselbe: »Sei Gott anheimgestellt!« Das heißt, man stellt jemand beim Abschied unter Gottes Schutz. Oft war dieses »Gott befohlen« am Ende eines Gespräches noch ein Einstieg in die Gottesfrage. Etwa in der Reaktion von Patienten: »Ja, das würde ich mir wünschen.« Oder in der Antwort: »Der hat mich eh vergessen.« Oder »Ja, sie auch!« »Gott befohlen« ist eine wunderbare, kurze Segensformel.

Es braucht also nicht immer den aaronitischen Segen ...

Burkhard Seeger: Ich habe bisher nur ganz selten erlebt, dass ein Patient direkt nach einer Segnung fragt oder dass ich jemand auf diese Weise segne. Ich halte die Segenshandlung, den persönlichen Segenszuspruch, für etwas sehr Wertvolles. Aber man kann das den Menschen nicht überstülpen oder den Segen einfach instrumentalisieren als eine Art »Es wird schon alles gut werden«-Ritual. Im protestantischen Bereich werden Symbol- und Segenshandlungen noch immer sehr zurückhaltend beobachtet – auch wenn man in den vergangenen Jahren schon viel offener geworden ist. So wurde zum Beispiel im vergangenen Jahr auf der Distriktsversammlung die Thomasmesse angeboten. Dazu gehört auch eine Station, bei der man sich segnen lassen kann. Viele Pastorenkollegen haben erst einmal zugeschaut, weil sie wissen wollten, was da geschieht. Andere, die schon mehr Erfahrungen mit einer persönlichen Segenshandlung gemacht hatten, haben sich segnen lassen und das als eine sehr wertvolle Bereicherung erlebt.

Wo passt eine Segenshandlung dann überhaupt?

Burkhard Seeger: Es hängt sicher auch vom Umfeld und der Situation ab. Kürzlich haben wir bei Einkehrtagen für Mitarbeitende in Pflegeberufen auch eine Segenshandlung angeboten. Dabei haben sich alle segnen lassen! Eine Teilnehmerin sagte mir am Ende dieser Tage, dieser persönliche Segenszuspruch sei für sie das Wertvollste gewesen. Diese Segnungen sind auch für mich sehr dichte Momente!

Welche Erfahrungen haben Sie mit Segnungsgottesdiensten im Krankenhaus gemacht?

Burkhard Seeger: Ernüchternde: Angeregt durch andere diakonische Einrichtungen, die solche Segnungen regelmäßig durchführen, haben wir auch solche Gottesdienste vor einigen Jahren angeboten, dann aber wieder zurückgestellt. Der Zuspruch war sehr gering, es kamen fast nur neugierige Kollegen aus der Klinikseelsorge. Auch das Angebot, sich im Krankenzimmer segnen zu lassen, wurde nur von wenigen angenommen. Darunter war eine ältere Dame, die sich zuvor noch nie hatte segnen lassen. Sie sei gespannt, wie das sei, sagte sie. Das war für mich ein sehr berührender Augenblick.

Was geschieht mit Ihnen, wenn Sie andere segnen?

Burkhard Seeger: Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie Menschen auf diesen intensiven Moment reagieren, wie sich auf ihren Gesichtern etwas widerspiegelt von Sehnsucht und Staunen und gespannter Erwartung. Im Grunde spreche ich anderen etwas zu, über das ich nicht verfüge – im Vertrauen darauf, dass Gott diesen Segen auch Wirklichkeit werden lässt.

»An Gottes Segen ist alles gelegen«, heißt es. Wie aber empfinden unheilbar Kranke einen solchen Satz?

Burkhard Seeger: Das hängt entscheidend von der Lebensgeschichte ab. Wer versöhnt ist und in Frieden mit sich und Gott lebt, der fühlt sich unter Gottes Segen geborgen und bejaht diesen Satz. Wenn jemand in einer Phase des Klagens und des Zweifels lebt, dann würde solch eine Aussage eher frustrieren und Wider spruch auslösen – Gott hat mich verlassen, der Segen Gottes ist nicht mehr da. Die Gefahr dabei ist, dass man da leicht einen falschen Schuld-Strafe-Zusammenhang herstellt.

Wer darf segnen?

Burkhard Seeger: Zuerst einmal bin ich der Überzeugung, dass jeder segnen kann! Wir dürfen unser Leben viel stärker unter dem Gedanken des Segnens und des Segens sehen. Im Jüdischen etwa begleiten Segensformeln den ganzen Tag – vom Aufstehen über das Essen, die Arbeit und so weiter bis hin zur Nachtruhe. Es gibt Segen über Handlungen, genauso gibt es auch Segen über Dinge – auch wenn das eher katholischer Praxis zugeschrieben wird. So habe ich zum Beispiel auch schon Haussegnungen durchgeführt. Da segne ich aber nicht in einem magischen Sinne, vielmehr geht es um das Bewusstsein, dass das Leben in diesen Räumen unter dem Segen Gottes steht, der will, dass Leben gelingt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass etwa im amerikanischen Liturgiebuch der EmK auch ein Segen über dem Adventskranz, dem Weihnachtsbaum und Ähnlichem angeboten wird.

Was gibt es beim Segnen zu beachten?

Burkhard Seeger: Wir müssen im Segnen, gerade auch von Kranken, sehr achtsam sein. Also nicht frisch drauflos, sondern sehr bewusst und mit Einverständnis des anderen. Wichtig ist, dass man niemand überrumpelt, sondern einladend Gottes Ermutigung zuspricht. Wenn wir jemand segnen, dann berühren wir das vielleicht verborgene Gutsein in ihm und bekräftigen es. Ich würde mir wünschen, dass wir uns viel mehr im Segnen üben und es uns vertraut machen.

In den vergangenen Jahren ist das Thema Segen wieder geradezu in Mode gekommen. Woran liegt das?

Burkhard Seeger: Die Segenshandlung ist im Protestantismus angekommen. Die Menschen haben generell eine größere Sehnsucht nach Zeichenhandlungen, nach konkreten, auch den Leib mit einbeziehenden Erfahrungen. Segen ist ja auch ein Zeichen von Zärtlichkeit und Berührtwerden, das mir der menschenfreundliche Gott durch einen anderen Menschen zukommen lässt.

Welche Segensformel verwenden Sie am liebsten?

Burkhard Seeger: Eindeutig den aaronitischen Segen! Dieser Segen ist den Zuhörerinnen und Zuhörern meist bekannt und wird durch das Vertrautsein mit dem Herzen erfasst, nicht nur mit dem Kopf. Natürlich verwende ich auch andere, persönliche Formen – etwa bei Trauungen oder ähnlichem. Trotzdem hat es sich bewährt, auf vertraute Segensformeln zurückzugreifen.