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»unterwegs« 20/2009
Unter Strom: Vor 20 Jahren in Annaberg Buchholz - Am 4. November 1989 wurde in Annaberg-Buchholz EmK-Geschichte geschrieben.
Der damalige Pastor Thomas Fritzsch öffnete Demonstranten seine Kirche. Ein Rückblick, 20 Jahre danach.
Vor 20 Jahren, am 4. November 1989 formierte sich nach dem Friedensgebet in der EmK ein großer Demonstrationszug zur ersten Friedensdemo in Annaberg-Buchholz. Nach Absprache mit seiner Kirchenleitung unter dem damals aufsichtführenden Bischof Dr. Rüdiger Minor (Dresden) öffnete Pastor Thomas Fritzsch die Türen der Kirche am Emilienberg für das Friedensgebet vor der Kirche. Auf dem weiträumigen Gelände der Kirche versammelten sich zu den Menschen, die die Kirche füllten, etwa 7.000 Bürgerinnen und Bürger. Eine den damaligen Verhältnissen entsprechende Lautsprecheranlage war kurzfristig installiert worden, so dass das Friedensgebet alle Beteiligten vor und in der Kirche erreichte. Im Fabrikgebäude neben der Kirche hatten entsprechende »Organe« den Auftrag, das Geschehen zu überwachen, zu dokumentieren und für den »Ernstfall« war auch an medizinische Versorgung gedacht - in diesem Fall nicht nur aus humanitärer Pflicht. Der Demonstrationszug, der sich nach dem Friedensgebet formierte, verlief friedlich - wie überall in der DDR, wo sich Menschen aufmachten, der Freiheit und Demokratie einen Weg in die verkrustete Gesellschaft zu bahnen.
Pastor Thomas Fritzsch hat sich damals in einer äußerst kritischen Phase der Herausforderung der Stunde gestellt, wohl wissend, dass die, die meinten, die
Macht sei ihnen wie ein Naturgesetz vom Gang der Geschichte verliehen, nicht nur in Drohgebärde verharrten, sondern auch bereit waren, Waffen »sprechen« zu lassen. Die »Kampfgruppen« standen »unter Strom«. Egon Krenz drohte im DDR-Fernsehen an diesem Abend mit Vergeltungspolitik nach chinesischem »Muster«.
Dass es schließlich eine friedliche Revolution wurde, klingt fast wie ein »hölzernes Eisen« und ist doch ein Wunder, von dem wir Christen wissen, dass wir es
nicht unserem Mut verdanken - da war ja auch noch viel Skepsis, Taktik, Angst und Feigheit, und das alles nicht unbegründet, sondern dem treuen Gott, von
dem schon Daniel in Babel bekannt hat: »Nicht unserer gerechten Taten wegen bringen wir unser Flehen vor dich, sondern deiner großen Barmherzigkeit wegen« (Daniel 9,18).
Am 4. November wird, verantwortet von der »Initiativgruppe 4. November« (Thomas Fritzsch, Jürgen Thiele, Jürgen Förster, Albrecht Kampf) in der Kirche
am Emilienberg an das Geschehen vor 20 Jahren erinnert, so wie es Christen geziemt: im Dank und Lob dessen, der Leben und Freiheit allein schenken kann,
der Dreieinige Gott. Auch an diesem Tag stehen die Türen der Kirche für alle offen, ohne Ausnahme. Wir alle haben Grund, Gott zu danken.

