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Alle Meldungen 2010
Mittwoch, 1. September 2010
Lektion in christlicher Einheit
Dienstag, 31. August 2010
»unterwegs« 18/2010
Montag, 30. August 2010
Neubau in München: EmK-Gemeinde kauft Bauplatz
Donnerstag, 26. August 2010
Comeback: Große Spendenbereitschaft
Dienstag, 24. August 2010
Neue Einblicke in das Verhältnis der Wesley-Brüder zu erwarten
Dienstag, 24. August 2010
Methodismus in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg
Samstag, 14. August 2010
»unterwegs« 17/2010
Samstag, 14. August 2010
Wie die Kirche wachsen kann: Wege in die Zukunft
Donnerstag, 12. August 2010
»comeback« überflutet
Dienstag, 10. August 2010
EmK-Mitarbeiter in Afghanistan getötet
Montag, 9. August 2010
Jubiläum - 25 Jahre Rüstzeitheim Schwarzenshof
Freitag, 6. August 2010
Laufen für das Leben
Donnerstag, 5. August 2010
Pakistan: Flut zerstört Infrastruktur fast vollständig
Dienstag, 3. August 2010
Jeffrey Norris bei zweiter »Martha-Maria-Meile« in Nürnberg
Samstag, 31. Juli 2010
Aus Liebe zur Schöpfung
»unterwegs« 15/2010
Ein schmackhaftes Buch - »Aus toten Buchstaben entsteht Leben. Sie lassen schmecken, schärfen die Sinne.«
Vor einigen Jahren schenkten mir amerikanische Freunde ein Buch mit dem merkwürdigen Titel »Eat This Book«, auf Deutsch: »Iss dieses Buch«. Nun sind die Seiten weder auf Esspapier gedruckt, noch ist es ein Kochbuch. Der Titel ist also eher im übertragenen Sinne zu verstehen. Es geht um die Kunst des spirituellen Lesens. Ein Leitwort dieses Buchs ist ein Satz des Theologen und Philosophen Bonaventura (1221–1274): »Viel wissen, aber nichts schmecken - welchen Nutzen hat das?«
Mir kam der Titel des Buches irgendwie bekannt vor - und richtig: Er ist ein Zitat aus dem Buch des Propheten Hesekiel. Der lebte im sechsten vorchristlichen Jahrhundert und gilt - neben dem so genannten zweiten Jesaja, dessen Texte wir in Jesaja 40 bis 55 finden - als größter Poet unter den Propheten. Was er als Offenbarung empfängt, empfängt er durchweg in Bildern und Gleichnissen.
Mehr als Lesen: Spüren und Schmecken
Diese Verse zeigen die Berufungsvision des Propheten. Aber es ist mehr als eine Vision. Die Sinnenerfahrung ist sozusagen ganzheitlich: Er sieht und liest nicht nur, er greift auch, er spürt die Schriftrolle, er schmeckt sie. In dieser Geschichte geht es darum, dass der Prophet seine harte Botschaft nicht aus sich selbst hat. Sie wird ihm gegeben. Sie kommt von außen auf ihn zu. Er spricht und handelt nicht in eigener Autorität, sondern in der Autorität Gottes. Dies kann er aber nur, indem er diese Botschaft ganz in sich aufnimmt. Dass sie süß schmeckt, steht gleichzeitig für ihre Kostbarkeit wie für die erreichte Übereinstimmung des Propheten mit seiner Aufgabe. Wir könnten auch sagen: Er hat seine Identität gefunden. Wir sagen manchmal, jemand »fresse« Texte oder Bücher. Damit ist etwas anderes gemeint. Näher ist schon die Redensart, jemand verschlinge Bücher. Denn da geht es nicht nur um die Menge, sondern auch darum, dass eine oder einer geradezu Suchtverhalten beim Lesen an den Tag legt. Ich gestehe, dass ich davon nicht immer völlig frei bin. Und ich mache beim Lesen auch die Erfahrung, dass mehr als nur der Sinn angesprochen wird, mit dessen Hilfe ich die Wörter entziffere. Ich sehe Begebenheiten vor mir, besser: in mir. Ich schmecke, ich fühle, ich leide, ich freue mich. »Schreiben ist Totenerweckung« ist der Buchtitel, in dem über eine Tagung von Theologen und Schriftstellern berichtet wird. Lesen erst recht: Aus toten Buchstaben entsteht Leben. Sie lassen schmecken, schärfen die Sinne, oft auch mehr: die Gefühle. Sie machen lebendig und laden ein, in einen Dialog mit dem Gelesenen, mit den Personen und Ereignissen zu treten.
Dies zu schmecken, hat größten Nutzen - für Propheten und auch für ganz normale Menschen. Das mag besonders für das spirituelle Lesen der Bibel gelten. Jemand hat das sinngemäß so auf den Punkt gebracht: Du kannst nicht hören, wie Gott zu sonst irgendjemandem redet. Du kannst ihn nur hören, wenn du angeredet wirst und niemand anderes. Nicht nur im »Spirituellen« gilt der Anredecharakter des Gelesenen. Davon bin ich überzeugt - durch eigene Erfahrung.
Hartmut Handt

