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Donnerstag, 2. Dezember 2010

Die Wunden Jesu sprengen Unfrieden und Krieg

Die heiligen fünf Wunden sprengen die böse Zeit!« Der Bonner Pfarrer Wilfried Schumacher meinte damit die Wunden Jesu an den Händen, den Füßen und in der Seite.

Sie sprengen die Zeit des Unfriedens, des Krieges, des Tötens und der Ausbeutung. An den heiligen fünf Wunden macht sich der auferstandene Herr seinen Jüngern kenntlich, als er ihnen nach Ostern begegnet. »Friede sei mit euch«, begrüßt er sie, im Hebräischen: »Schalom alejchem.« In dem Wort Schalom begegnen sich innerer und äußerer Frieden. Frieden mit Gott, Frieden mit sich selbst, Frieden mit der Welt, Frieden in der Welt, Frieden in der Fülle des Lebens: Das ist Schalom. Das und nicht weniger spricht Jesus seinen Jüngern zu.

Das ist mehr als Waffenstillstand, mehr als Gentlemans Agreement, mehr als die amerikanische Toleranzformel: »Wir stimmen darin überein, dass wir nicht übereinstimmen.« Schalom ist die Geborgenheit des Lebens in der Welt und in Gott und zugleich der Aufbruch in neues, unbekanntes, aufregendes Land.

Aufbruch in ein aufregendes Land

Ja, der Schalom ist Aufbruch in ein neues, unbekanntes und aufregendes Land. Das offenbart Jesus seinen Jüngern nach seinem Friedensgruß Schalom. Er sagt ihnen nämlich: »Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch!« Christus schenkt uns also zuerst den Frieden, und dann sendet er uns aus. Wir sollen aufbrechen in ein neues, unbekanntes Land. Wir sind seine Gesandten. Ein Gesandter ist der Vertreter einer politischen Macht in einem anderen, fremden Staat. Wir sind also Vertreter der göttlichen Macht in dieser gottfernen und gottfremden Welt. Diese göttliche Macht aber ist nichts anderes als die Macht der Liebe. Wir bezeugen und vertreten in dieser Welt die Macht der göttlichen Liebe. Das ist unser Auftrag. Es ist dieselbe Liebe, um deren Willen Jesus seine fünf Wunden empfing.

Wie dieser Auftrag im Einzelnen aussieht, zeigt uns ein anderer Gesandter Gottes, auf den sich Jesus auch immer wieder bezog, der Prophet Jesaja: »Er (also Gott) hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen.« Wir sollen dorthin gehen, wo es Elende gibt, wo es zerbrochene Herzen gibt und wo es Gefangene und Gebundene gibt – es geht hier um die Gefangenen und Gebundenen aus dem Gottesvolk; nicht um nachgewiesene Kriminelle. Die werden wohl gefangen bleiben müssen. Das enthebt uns freilich nicht der Aufgabe, auch in ihnen Gottes geliebte Menschen zu sehen und uns um sie zu kümmern, wo dies möglich und nötig ist.

Am Ende dieser Geschichte bläst Jesus seine Jünger an und stattet sie dadurch mit dem Heiligen Geist aus. Das ist die Kraft, in der die Nachfolger Christi ihre Aufgabe als Gesandte Gottes ausüben. Gott selbst steht hinter dem Tun seiner Gemeinde – wenn sie es tut in seinem Geiste, im Geist der Liebe und des Friedens. Wir werden dabei auch irren, Fehler machen, scheitern. Jesus wurde mit seiner Friedensbotschaft ans Kreuz geschlagen. Das macht deutlich: Mitten in unserem Scheitern kommt Gott durch die Kraft der Auferstehung zum Ziel. Nicht Macht und Gewalt sprengen die böse Zeit – es sind die fünf Wunden unseres Herrn.

Diederich Lüken

Foto: York Schön