Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Grußwort zu Weihnachten und zum Neuen Jahr

»Friede auf Erden!« Mit diesem Zuspruch kündigten die Engel auf den Feldern von Bethlehem Jesu Geburt an.

Wir sehnen uns nach Frieden. Doch die täglichen Nachrichten und unsere persönlichen Erfahrungen zeugen oftmals vom Gegenteil. Das Heilige Land gleicht einem Pulverfass. Es herrscht Krieg in Afghanistan und die Bundeswehr ist daran beteiligt. Der Konflikt in Korea spitzt sich zu. Methodistische Geschwister aus der Elfenbeinküste bitten dringend um unsere Fürbitte, weil in ihrer westafrikanischen Heimat wieder ein Bürgerkrieg droht. Der bisherige Präsident Gbagbo, der die Wahlen verloren hat, klebt an seinem Amt. Unschuldige Menschen sterben in den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den politischen Lagern. Diese Konflikte sind geographisch weit weg. Zu oft gelingt es uns, sie zu verdrängen. Doch auch in den Familien und Gemeinden erleben wir Spannungen oder gar Spaltungen, die uns belasten. Ist die Ankündigung der Engel lediglich ein sentimentaler Wunsch, der heute bestenfalls noch Weihnachtskarten ziert?

Nein. Mit Christi Geburt nahm Gottes Friede Gestalt an. Das geschah freilich auf ungewöhnliche Weise. Gott wurde ein Kind, wehrlos, bedürftig und auf Fürsorge angewiesen wie jeder Säugling. Das erste Weihnachtsfest war nicht idyllisch. Doch mitten im Elend keimte Hoffnung auf für Hirten und Weise, die sich von Gottes Versprechen auf ungewohnte Wege locken ließen. Lassen wir uns von der Weihnachtsbotschaft ansprechen? Dann werden wir die Welt mit neuen Augen betrachten: Wir nehmen Friedlosigkeit wahr, lassen uns von eigener und von fremder Not berühren und rechnen damit, dass Gott mitten in unserer Zeit Mensch wird. So lassen wir uns auf Gottes Weg ein: »Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.« In der Jahreslosung für 2011 beschreibt Paulus in Römer 12,21 die christliche Alternative zu Hass und Gewalt. Sie wird mit Leben erfüllt, wenn wir für Frieden beten und für Versöhnung einzutreten. Gottes Segen zu den Festtagen und zum neuen Jahr.

Bischöfin Rosemarie Wenner