Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Weihnachten geht weiter

Der Weihnachtstrubel hat viele Menschen fest im Griff. Auch in unseren Gemeinden ist jetzt viel los. Da ist es nicht immer einfach, zur Ruhe zu kommen.

Bischöfin Rosemarie Wenner ermuntert uns dazu, das »Jahr der Stille« nicht im Lärm enden zu lassen, sondern bewusst die Stille zu suchen.

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Die Vorboten des Festes sind weder zu übersehen noch zu überhören: volle Geschäfte, Getümmel auf den Weihnachtsmärkten, zahlreiche Veranstaltungen in den Gemeinden. Mitten im adventlichen Trubel soll es besinnlich zugehen. Das »Jahr der Stille«, das Kirchen und christliche Werke für 2010 ausgerufen haben, scheint unter der Dauerberieselung durch weihnachtliche Klänge geräuschvoll zu enden.

Ob wir in den Weihnachtsgottesdiensten ein wenig Ruhe finden? Hinter der Kirchentür wird noch lebhaftes Treiben herrschen. Während des Gottesdienstes sind vermutlich Kinder zu hören, die ihre Vorfreude auf die Bescherung oder auf den Besuch der Großeltern nicht verbergen können. Es ist schön, dass Kinder dabei sind, wenn wir feiern, dass Gott als Kind zur Welt kommt!

Musik stimmt auf das Fest ein. Alte Lieder wecken Erinnerungen an Vergangenes und sprechen zugleich davon, dass sich Weihnachten immer wieder neu ereignet. Wir hören die biblische Botschaft: »Euch ist heute der Heiland geboren!« Sie tröstet, weckt Hoffnung und spricht uns zu, dass Gott uns und alle Welt in Christus erlösen will. An Weihnachten werden wir von Gott beschenkt.

»Schön wär’s«, stöhnen vermutlich einige, die als Predigerin, Kindergottesdienstmitarbeiter, Organist, Chorleiterin oder Liturg die Gottesdienste zu Weihnachten gestalten werden. Sie finden kaum die nötige Zeit zur Vorbereitung. Trotzdem sollen sie dann so reden, singen oder musizieren, dass andere zur Ruhe finden und die Weihnachtsbotschaft aufnehmen können. Wenn das kein Druck ist?

Umso mehr gilt die Einladung, sich im Advent und an Weihnachten auch ganz persönlich beschenken zu lassen. Es bleibt vielleicht nicht viel Zeit zur Besinnung. Aber ein paar Minuten am Morgen oder am Abend, die wir allein mit Gott verbringen, tun gut: Sich hinsetzen, vielleicht eine Kerze entzünden, tief durchatmen und beten: »Komm, o mein Heiland Jesu Christ!« Dann ein Wort aus der Bibel lesen. Es gilt jedem und jeder ganz persönlich! Und schließlich einige Minuten zum Beten, wie es uns ums Herz ist, die Not klagen, den Dank aussprechen und für die Weihnachtsfeiern in den Häusern und Kirchen beten. Vielleicht wird es uns geschenkt, dass Christus bei uns einkehrt, so dass wir wahrnehmen und dann auch weitergeben können, was Weihnachten bedeutet.

Übrigens: Es wäre schön, wenn wir Impulse aus dem »Jahr der Stille« auch in das Jahr 2011 mitnehmen würden. Einfache geistliche Übungen wie Bibellesen und Gebet sind Gnadenmittel, durch die uns Gott begegnen kann. Gott schenkt sich uns. Als Angesprochene bezeugen wir Christus. Als Geliebte üben wir Barmherzigkeit. Am Ende der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2,19 steht ein Satz, an dem ich mich orientiere auf dem Weg von Weihnachten ins neue Jahr: »Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.«

Bischöfin Rosemarie Wenner