Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Wo Veränderung beginnt

Die EmK ging aus einer Bewegung hervor, die Menschen veränderte. Damit uns diese Bewegung auch heute wieder erfassen kann, ist Veränderung nötig – bei jedem Einzelnen, wie Bischöfin Rosemarie Wenner betont.

Mitte Oktober besuchte ich den dritten Kongress für Weltevangelisation der Lausanner Bewegung in Kapstadt. Wenige Tage später reiste ich zum Bischofsrat der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche nach Panama City. Bei beiden Treffen war zu hören: »Wir sind eine Bewegung.« Hinter dem Kongress in Kapstadt steht eine Initiative, die erstmals im Jahr 1974 Menschen sammelte, die sich leidenschaftlich für Evangelisation einsetzten. Da dieser erste Kongress für Weltevangelisation in Lausanne stattfand, spricht man von der »Lausanner Bewegung«. Natürlich haben sich seitdem feste Strukturen entwickelt. Man betont jedoch, dass man Bewegung bleiben will.

Die Evangelisch-methodistische Kirche entstand aus dem evangelistischen Wirken der Wesleybrüder. John Wesley wollte Heiligung über die Lande verbreiten. Die Strukturen, die er entwickelte, sollten dazu dienen, immer mehr Menschen mit dem Evangelium zu erreichen und mit ihnen Nachfolge einzuüben. Inzwischen gibt es zahlreiche methodistische Kirchen, die größte unter ihnen ist die Evangelisch-methodistische Kirche mit 11 Millionen Mitgliedern auf vier Kontinenten. »Wie werden wir wieder zu einer Bewegung? « Diese Frage stellen wir uns oft bei methodistischen Konferenzen. Als Bischofsrat beschäftigten wir uns mit Empfehlungen eines Teams, das unter dem Motto »Aufruf zum Handeln« tätig war. Wir verpflichteten uns, Gemeinden darin zu unterstützen, an Lebendigkeit zu gewinnen. Sie sollen sich nicht um sich selbst drehen, sondern auf andere zugehen. Strukturen und Einrichtungen sollen den Gemeinden bei der Erfüllung des Auftrags helfen, »Menschen zu Jüngern und Jüngerinnen Jesu Christi zu machen, um so die Welt zu verändern«.

Wie wir wieder eine Bewegung werden können

Wie werden wir wieder zu einer Bewegung? In Deutschland lasen in den vergangenen Monaten viele Methodisten das Buch von Bischof Schnase »Fünf Kennzeichen fruchtbarer Gemeinden«. Ich freue mich, dass der Inhalt Diskussionen hervorrief und dass da und dort auch Taten folgen. Manche Gemeinden stecken sich konkrete Ziele. Man gestaltet das Gemeindezentrum um, so dass sich Fremde gut zurechtfinden. Man lädt zu Glaubenskursen ein. Oder man erinnert sich gegenseitig daran, dass sich die Liebe zu Gott auch in höheren Monatsbeiträgen äußern kann. Viele Gemeinden schenken der Gottesdienstgestaltung mehr Aufmerksamkeit.

Sowohl beim Lausanner Kongress als auch beim Bischofsrat wurde mir erneut bewusst, dass Veränderung bei mir selbst anfängt: Bete ich für Erneuerung? Gehe ich auf Menschen zu, um mit ihnen über den Glauben ins Gespräch zu kommen? Bin ich bereit, meine Gaben im Bau des Reiches Gottes einzusetzen oder befinde ich mich auf den Zuschauerrängen, um zu applaudieren oder »Buh« zu rufen, je nachdem was andere tun? Am Ewigkeitssonntag wird uns zugesprochen, dass Christus Leben schenkt. »Siehe, ich mache alles neu«, lesen wir in der Offenbarung des Johannes. Gottes Leben schaffendes Wort kann uns in Bewegung bringen, damit wir auch im 21. Jahrhundert Heiligung über die Lande verbreiten.

Rosemarie Wenner