Zum Nachmachen: Die Geschenke der Könige

Was soll ich verschenken? Vor dieser Frage stehen wir an Weihnachten immer wieder. Die Bibel bietet uns eine Hilfe an, womit wir anderen eine Freude machen können.

Drei Geschenke bringen die Weisen dem Kind mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Von Gold haben wir eine Vorstellung, aber was genau sind Weihrauch und Myrrhe? Welche Bedeutung haben diese Geschenke?

Kirsten Villnow aus Felsberg in Nordhessen beschenkt ihre Familie wie die Weisen aus dem Morgenland. »Denn diese haben das Christkind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenkt,« sagt die fünffache Mutter. Deshalb bekommen ihre Kinder dreierlei Geschenke: Ein Geschenk ist für die Gesundheit und das Wohlbefinden, was der Myrrhe entspricht. Es wird weiß eingepackt, so wie das Harz der Myrrhe. Ein Geschenk soll die Seele der Kinder ansprechen, sei es ein Buch oder ein Kalender. Es wird in Packpapier eingeschlagen, denn der Weihrauch nimmt die braune Farbe an. Golden wird das Geschenk verpackt, das dem Kind am wertvollsten ist und am meisten ersehnt wird.

Was genau sind Weihrauch und Myrrhe?

Weihrauch und Myrrhe sind Baumharze, die vor allem in Arabien gewonnen werden. Mit speziellen Messern wird die Rinde der Bäume eingekerbt, aus diesen Schnitten tritt das Harz aus. Weihrauchharz ist zuerst ganz hell, beim Trocknen wird es dunkel. Es wird abgeschabt und in Körben gesammelt. Myrrhe tritt in Klümpchen aus und ist heller in der Farbe.

Nach der Ernte brauchen die Bäume eine längere Ruhepause. Man darf sie nicht unbegrenzt abernten.Wird ihnen zu viel Harz abgenommen, so verdorren sie. Weihrauch und Myrrhe waren damals kostbar, vor allem durch die langen Transportwege. Neben Gold waren sie das Wertvollste, was es damals gab. Weihrauch gilt als ein uraltes Symbol der Gottesverehrung. In der Antike war es in vielen Kulturen bekannt. In Ägypten wurde Weihrauch bei vielen Kulthandlungen und bei der Mumifizierung verwendet. Auch im Jerusalemer Tempel wurde Weihrauch verwendet. Ein Rezept für eine besondere Weihrauch-Mischung »zum heiligen Gebrauch« ist überliefert worden (2. Mose 30,34–38).

Matthäus berichtet, dass die Sternkundigen aus dem Morgenland vor dem Kind niederfallen und dem Kind Gottes neben Gold und Myrrhe Weihrauch schenken. Mit der Gabe des Weihrauchs sprechen sie dem Kind etwas Göttliches zu. Das Gold ist ein Zeichen der Macht. Es war ein wertvolles Geschenk, das einem König würdig war.

Myrrhe diente als Heilmittel. Früh hat man die zusammenziehende und desinfizierende Wirkung entdeckt. Mit Honig vermischt wurde Myrrhe als Wundpflaster aufgelegt. Das arabische Wort für Myrrhe heißt »mur«, auf Deutsch bitter. Myrrhe schmeckt widerlich bitter. Wir kennen den Geschmack von Myrrhe von den Behandlungen beim Zahnarzt. Myrrhentinktur wird bei Zahnfleischverletzungen und Entzündungen eingesetzt. Aufgrund der desinfizierenden Wirkung wurde Myrrheharz in Ägypten zum Einbalsamieren der Mumien verwendet. In der Bibel begegnet uns das Harz bei der Grablegung Jesu. Von Nikodemus, der nach dem Johannesevangelium den Leichnam Jesu bestattet, wird berichtet, dass er »Myrrhe, gemischt mit Aloe« mitbrachte (Johannes 19,39–40).

Das Geschenk der Myrrhe sagt uns, dass die Weisen aus dem Morgenland das Jesuskind nicht nur für etwas Königliches und Göttliches halten, sondern auch für einen sterblichen Menschen – hindeutend auf seinen Tod, der das Heil bringt.

Michael Putzke

 

Foto: Renate Franke / www.pixelio.de