Freiwilligendienste

Auch in unserer Kirche: Der neue Bundesfreiwilligendienst

Nachdem die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, strickt die Politik unter großem Zeitdruck an einem neuen Freiwilligendienst.

Die EmK wird auf jeden Fall mit dabei sein, auch wenn noch nicht klar ist, wie der Dienst genau aussehen wird. Gebhard Böhringer, Referent für das Freiwillige Soziale Jahr im Kinder- und Jugendwerk Süd, erklärt, warum.

Schon vor einigen Jahren wandte sich die Politik in der Person von Renate Schmidt als Ministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, der Frage zu, ob die Freiwilligendienste über kurz oder lang den Zivildienst ablösen könnten. Sie sah gute Chancen darin. Dann wurde es allerdings wieder ruhig, denn eine Abschaffung der Wehrpflicht stand nicht auf der politischen Agenda. Überraschend betrieb der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im vergangenen Jahr die Aussetzung der Wehrpflicht. Durch den großen Zeitdruck löste er damit die Frage aus, wie in all den sozialen Einsatzfeldern, in denen bisher Zivildienstleistende ihren Dienst tun, schnell Ersatz geschaffen werden kann.

Die heutige Ministerin für Freiwilligendienste, Christina Schröder, strickt nun mit heißer Nadel einen neuen Freiwilligendienst, um verschiedene politische Ziele gleichzeitig zu erreichen:

Neu muss er sein, da es Strukturen des bisherigen Zivildienstes zu erhalten gilt (die Wehrpflicht ist nur ausgesetzt). Das Bundesamt für Zivildienst und etwa 100 Zivildienstschulen mit ihren Arbeitsplätzen können nicht mit einem Federstrich abgeschafft werden. Neu muss er auch deshalb sein, da die übrigen Freiwilligendienste in der Verantwortlichkeit der Länder stehen und der Bund im Gesetzgebungsverfahren
keine Zeit hat, diese einzubeziehen.

Der BFD soll möglichst eng ans das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) angelehnt werden. Ihn kennzeichnen ebenfalls Seminartage, Sozialversicherung, Taschengeld und die Möglichkeit, Unterkunft und Verpflegung als Sachbezug oder Geldersatzleistung zu gewähren.

Das Jugendwerk der Zentralkonferenz als Träger des FSJ innerhalb der EmK in Deutschland hat sich entschlossen, den neuen Bundesfreiwilligendienst – auch als Unterstützung der Diakoniewerke – anzubieten. Auch das Bildungswerk stellt konkrete Überlegungen an, die Chance für Erwachsene zu nutzen, die mit mindestens 20 Wochenstunden den BFD ableisten können.

Grundsätzlich sind alle Freiwilligendienste eine gute Hilfe für Jugendliche in ihrer Umbruchphase von Schule in den Beruf oder ins Studium, sich in sozialen Tätigkeiten zu orientieren. Bei Unklarheit über den weiteren Lebensweg kann eine sinnvolle »Denkpause« helfen. Für manche ist auch eine Motivation anderen zu helfen und damit »ein Jahr Gott zu widmen«. Egal ob in Senioreneinrichtungen oder Kirchengemeinden, sie sehen ihren Dienst an alten Menschen oder an Kindern und Jugendlichen als Antwort auf die erfahrene Liebe, die Jesus Christus verkörpert. Sie wollen etwas von dieser Liebe weitergeben.

Genaue Auskünfte über den neuen BFD können erst ab Mai 2011gegeben werden.

Gebhard Böhringer