Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Gutes Zusammenleben

Ein anderer Geist

Wer heute für gute Nachbarschaft mit Ausländern und speziell mit Muslimen wirbt, muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen, naiv zu sein.

Es gibt aber dafür viele gute Gründe. Der wichtigste ist Jesu Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst, sagt Bischöfin Rosemarie Wenner.

Ende Januar war ich in Berlin mit Pastoren und Laien von so genannten Migrantengemeinden aus allen europäischen methodistischen Kirchen zusammen. Während des Treffens besuchten wir auch sozialdiakonische Projekte von Berliner EmK-Gemeinden.

Anschließend erzählte man sich die Erlebnisse. Zacharias Schuppius, ein Togolese, der im Rheinland unter Afrikanern aus französischsprachigen Ländern arbeitet, sagte: »Wir trafen Kinder aus vielen Ländern in der Neuköllner Gemeinde. Sie werden bei den Hausaufgaben unterstützt und sie spielen und essen zusammen. Etliche Kinder sind Muslime. An der UBahn-Station lasen wir ein Graffiti: ›Keine Muslime in Europa!‹ Zum Glück erlebten wir in der EmK-Gemeinde einen anderen Geist, der das methodistische Verständnis von Gastfreundschaft und Respekt widerspiegelt. « Zacharias Schuppius weiß aus eigenem Erleben, dass es viele Gründe gibt, die Heimat zu verlassen und an einem neuen Ort Fuß zu fassen. Als überzeugter Christ sieht er keinen Widerspruch zwischen dem Missionsauftrag und dem Respekt vor Menschen anderen Glaubens.

In Gedanken ging ich unsere Gemeinden durch. Mir fielen etliche ein, in denen Menschen aus anderen Ländern willkommen sind, aber nur wenige, die sich muslimischen Nachbarn zuwenden. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Muslime sind zurückhaltend, wenn sie in eine Kirche eingeladen werden. Sie wollen sich nicht missionieren lassen, sondern haben selbst einen missionarischen Anspruch. Um mit Muslimen ins Gespräch zu kommen, brauchen wir fundierte Kenntnisse über deren Religion und über unseren eigenen Glauben. Auf Fremde zuzugehen, macht immer auch Angst, und die Furcht vor Islamisierung geht gerade um. Es gibt aber viele gute Gründe, Kontakt zu ausländischen Mitbürgern zu suchen. Der wichtigste ist Jesu Gebot, den Nächsten zu lieben wie sich selbst. Die Nächsten sind in Berlin und an vielen anderen Orten Migranten und Migrantinnen, einige von ihnen sind »unseres Glaubens Genossen«, etliche gehören anderen Religionen an.

Die Liebe Gottes gilt allen!

Wer heute für gute Nachbarschaft mit Ausländern und speziell mit Muslimen wirbt, muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen, naiv zu sein. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Neuköllner Gemeindewissen, wie schwer das Zusammenleben von Menschen aus vielen Kulturen und Religionen sein kann. Trotzdem suchen sie die Begegnung mit ihren Nachbarn – gleichgültig, woher diese stammen. Denn sie möchten Kindern zeigen, dass Gott alle Menschen liebt – ohne Ansehen der Person – und ihnen und uns eine bessere Zukunft ermöglicht.

Sie leben, was in einer Erklärung des Weltrats Methodistischer Kirchen vom September 2004 zum christlichen Zeugnis gegenüber Muslimen so ausgedrückt ist: »Deshalb sind alle wesleyanisch-methodistischen Christen von Gott dazu gerufen, … im Vertrauen auf die Kraft und die Führung des Heiligen Geistes mit allen Menschen, auch den Muslimen, die Liebe und Gnade unseres Herrn Christus mit Worten, Taten und durch die Kraft des Geistes gewirkten Zeichen zu teilen und sie in eine lebensverändernde Beziehung zu Gott durch Christus einzuladen.«

Bischöfin Rosemarie Wenner