Gute Vorsätze

Ein guter Vorsatz für 2011

»Lass keine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, Gott zu dienen«, schrieb John Wesley den Methodisten ins Stammbuch.

Das könnte auch für unsere Gemeinden im neuen Jahr ein guter Vorsatz sein, meint Bischöfin Rosemarie Wenner.

Gute Vorsätze haben zum Jahreswechsel Konjunktur. Sollten auch wir uns als Kirche etwas vornehmen für das Jahr 2011? Wie wäre es mit einem geistlichen Fitnessprogramm? Da und dort höre ich, dass durch die Beschäftigung mit dem Buch von Bischof Robert Schnase »Fruchtbare Gemeinden und was sie auszeichnet« neuer Schwung in das Gemeindeleben kommt. Die Diskussionen über die fünf Kennzeichen sind anregend. Man entwickelt Ideen, um gastfreundlicher zu sein, die Gottesdienste lebendig zu gestalten, Kleingruppen zu bilden, mehr zu wagen in Sachen Mission und um das Geben als geistliche Disziplin einzuüben. Die »40-Tage-Aktion« empfehle ich gern, Informationen sind unter www.fruchtbare-gemeinden.net zu finden. Aber bringt dies nachhaltige Veränderungen mit sich? Auch in Gemeinden spielt sich oftmals der alte Trott schnell wieder ein. Wie gelingt es uns, das zu tun, was wir uns vornehmen? In der methodistischen Bewegung sind zwei Impulse bedeutsam, die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. John Wesley sprach immer wieder davon, dass uns Gottes Gnade zur Umkehr ruft, rechtfertigt und heiligt. Und Wesley forderte seine Leute auf, den Glauben in der Liebe zur Tat werden zu lassen in einem disziplinierten christlichen Lebensstil. Von Weihnachtenher kommend können wir nachvollziehen, dass diese beiden Aspekte keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören. Gott schenkt sich uns in seiner Gnade, indem er in Jesus Mensch wird. Dieses Geschenk ist an keinerlei Bedingungen geknüpft. Wir brauchen Gottes Liebe nur anzunehmen, damit sie sich in uns entfalten kann. Alles, was wir je für Gott und die Menschen tun, ist uns zuvor von Gott gegeben worden. Es geht also schlicht darum, von Gottes Weihnachtsgeschenk zu leben und durchlässig zu sein für Gottes Gnadengaben. Charles Wesley sagte das so: »Mach mich zu deinem Reich bereit! Was du verlangst, das gib: Die Höhe der Vollkommenheit, die Tiefe schlichter Lieb!« (GB 269,5)

Die Möglichkeiten nutzen!

Weil wir Gottes Liebe im Überfluss geschenkt bekommen, können wir danach streben, Gutes zu tun. Im Wesleybrevier »Über allem die Liebe« steht zum 7. Oktober folgender Ausspruch John Wesleys: »Eine der wichtigsten Regeln des Glaubens heißt: Lass keine Gelegenheit ungenützt vorübergehen, Gott zu dienen. Da nun Gott für uns unsichtbar ist, sollen wir ihm in unserem Nächsten dienen; und das wird er in der Tat für sich selbst annehmen – als ob er sichtbar vor uns stünde.« Gott dienen heißt, jede sich bietende Möglichkeit zur Nächstenliebe zu nutzen. Eine besucht die Kranken in ihrem Bekanntenkreis. Ein anderer hilft Asylsuchenden, zu ihrem Recht zukommen. Die Gemeinde in X engagiert sich in der Suchtkrankenhilfe und in Z gibt es Begegnungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen. So geht es ein wenig menschlicher zu in unserer Welt, weil Gott Mensch wurde und weil wir uns von Gottes Bewegung mitreißen lassen. Das ist kein kurzfristiges Fitnessprogramm, sondern lebenslanges Wachsen in Christi Nachfolge.

Bischöfin Rosemarie Wenner