Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Gutes tun – auch beim Einkauf

Viele Menschen achten beim Einkaufen darauf, dass die Produkte unter fairen Bedingungen hergestellt worden sind. Auch wenn damit zunächst manche Produzenten leiden.

Auf lange Sicht zahlt es sich aus, wie Bischöfin Rosemarie Wenner am Beispiel Südafrikas beschreibt.

Hat es etwas mit dem Glauben an Christus zu tun, wenn ich mir eine neue Jeans kaufe oder samstags durch den Supermarkt hetze, um den Wocheneinkauf zu erledigen? Ich bin davon überzeugt, dass dies der Fall ist. Die Anweisung aus Kolosser 3,17 gilt für den Alltag: »Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.«

Gott danken bedeutet mehr als das übliche Tischgebet sprechen und im Gottesdienst schöne Loblieder singen. Es schließt ein, dass ich meinen Besitz als von Gott anvertrautes Gut nutze. Folglich will ich das Geld, das ich verdienen konnte, so ausgeben, dass es anderen Menschen möglichst wenig Schaden zufügt. Ich will keine Kleider tragen, die von Kindern hergestellt wurden. Wenn ich Kaffee trinke oder Schokolade esse, hoffe ich, dass die Produzenten fair bezahlt wurden. Die Rückfrage, woher Kleider, Lebensmittel, Putzmittel und anderes mehr kommen, ist für mich auch ein Teil der Dankbarkeit gegenüber Gott, dem Geber aller Gaben.

Aus meiner Überzeugung mache ich kein Gesetz. Doch ich lade dazu ein, wenn immer möglich Waren zu kaufen, die fair hergestellt und gehandelt sind. Ich weiß, dass manche sich solch einen bewussten Einkauf nicht leisten können – weil sie jeden Cent zweimal umdrehen müssen oder weil sie wenig Möglichkeiten haben, sich zu informieren. Da ich es auch oft eilig habe, bin ich dankbar für die neue Broschüre »Leitlinien zum ökofairen Handel«, die derzeit in allen Gemeinden verteilt wird. Die Leitlinien wurden im Frühsommer 2011 von den drei Jährlichen Konferenzen verabschiedet. Gemeinden und Werke unserer Kirche sollen beim Einkauf und Verbrauch ökonomische, ökologische und soziale Kriterien beachten. In den Leitlinien werden auch Umwelt- und Sozialsiegel benannt, die auf einen Blick erkennen lassen, dass ein Produkt einen hohen Standard ausweist.

Ist schlechte Arbeit besser als keine Arbeit?

Wird die Welt wirklich besser, wenn wir Methodisten die Leitlinien für ökofairen Handel beachten? Leiden Menschen nicht noch mehr, wenn sie schlimmstenfalls keine Arbeit haben, statt unter schwierigsten Bedingungen wenigstens etwas Geld zu verdienen? Ich war im vergangenen Sommer in Südafrika. Wenn die Menschen dort vom Ende der Apartheid erzählen, erwähnen sie oft die Aktion »Kauft keine Früchte der Apartheid«, die auch in Deutschland Unterstützung fand. Christinnen mieden den Kauf von Lebensmitteln, die aus Südafrika stammten. Dies war Teil einer umfassenden Wirtschaftsblockade, die zunächst zwar das Leben der Südafrikaner schwerer machte, dann aber doch dazu beitrug, das Apartheidssystem zu überwinden.

Südafrika ist auch heute noch lange nicht am Ziel. Zum Beispiel herrschen in einigen großen Weingütern unmenschliche Arbeitsbedingungen. Wer gerne südafrikanischen Wein trinkt, sollte zu fair gehandelten Produkten greifen. Trotzdem hat sich vieles zum Guten verändert rund um das Kap der Guten Hoffnung.

Dieses Beispiel spornt an, beim Einkaufen achtsam mit Gottes Gaben umzugehen. Zwei der einfachen Regeln von John Wesley gelten auch beim Umgang mit Konsum- und Verbrauchsgütern: »Böses meiden« und »Gutes tun«.

Bischöfin Rosemarie Wenner

Die »Leitlinien für ökofairen Einkauf und Konsum«, die von den drei Jährlichen Konferenzen in diesem Jahr verabschiedet wurden, sind als Heft erhältlich und stehen als Download zur Verfügung.

Leitlinien für ökofairen Einkauf und Konsum - (PDF|1 MB)