Methodismus international

Ungarn: Adventisten und Methodisten verlieren staatliche Anerkennung

In Ungarn verlieren mehr als 340 Kirchen ihre staatliche Anerkennung. Das hat das ungarische Parlament in einem neuen Religionsgesetz festgelegt, das Anfang 2012 in Kraft tritt.

Betroffen von der Aberkennung ist auch die ungarische EmK. Dort hatte man gehofft, als historische Kirche anerkannt zu werden.

Das ungarische Parlament hat ein neues Religionsgesetz beschlossen. Es tritt am 1. Januar 2012 in Kraft und verschärft die bisher freizügigen Regelungen zur Anerkennung von Glaubensgemeinschaften. Nur 14 »historische« Kirchen und Religionsgemeinschaften werden nach der Neuregelung rechtlich anerkannt. Über den Status der anderen 344 »Kleinkirchen« kann künftig das Parlament auf Antrag gesondert entscheiden. Zu den nicht anerkannten Glaubensgemeinschaften gehören die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) und die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten.
Die EmK, zu der in Ungarn 34 Gemeinden gehören, ist enttäuscht von dem Gesetz. Man will sich aber weiter um eine Anerkennung bemühen. Dabei wird sie von den Bischöfen der Evangelisch-Lutherischen und der Reformierten Kirchen in Ungarn sowie von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und der Konferenz Europäischer Kirchen unterstützt.

Unterstützung durch die großen evangelischen Kirchen

Direkt nach dem Parlamentsbeschluss hatte der für die Zentralkonferenz von Mittelund Südeuropa zuständige Bischof Patrick Streiff (Zürich) in einem Brief die Bischöfe der Evangelisch-Lutherischen und der Reformierten Kirchen in Ungarn um Beistand gebeten. Die EmK bilde zusammen mit den beiden Kirchen die Leuenberger Kirchengemeinschaft und gehöre zudem der Konferenz Europäischer Kirchen an, betonte Streiff. Zwar sei die EmK in Ungarn zahlenmäßig klein, weltweit seien die drei Kirchengemeinschaften aber in etwa gleich groß.
Bischofssekretär Urs Schweizer betonte, die EmK in Ungarn habe gehofft, angesichts ihrer über 100-jährigen Geschichte in dem Land mit zu den »historischen Kirchen« gezählt zu werden. Vor der Verabschiedung des neuen Kirchengesetzes habe es viele Gespräche zwischen den Leitungspersonen der EmK in Ungarn und staatlichen Verantwortungsträgern gegeben. Als einzige Mitgliedskirche des Ökumenischen Rates in Ungarn und einzige ungarische Mitgliedskirche der Konferenz Europäischer Kirchen wurde sie aber nicht anerkannt. »Wir setzen unseren Dienst wie bisher fort und beten für die Anerkennung«, sagte Anna Szili von der Zentrale der EmK in Budapest.
Dies wird allerdings erschwert: So verliert die EmK die staatliche Unterstützung für die vielfältige diakonische Arbeit in Altersheimen oder mit Angehörigen der Roma-Minderheit. Die Wiederanerkennung ist ein sehr aufwendiger bürokratischer Vorgang, denn das Parlament muss über jeden Antrag einzeln entscheiden.

Adventisten protestieren beim Europarat

Die Adventisten wie auch ungarische Schriftsteller und Menschenrechtler haben scharf gegen das neue Gesetz protestiert. Es verletze die Glaubensfreiheit, heißt es in einem offenen Brief an die Europäische Union und den Europarat. Das Schreiben wurde von früheren Mitgliedern der liberalen Opposition gegen die kommunistische Diktatur unterzeichnet. In Ungarn gibt es über 4.600 Adventisten in 110 Gemeinden. Sie unterhalten ein Theologisches Seminar, ein Medienzentrum sowie ein Alten- und Pflegeheim.
Anerkannt wurden 14 als »historisch « geltende Kirchen, darunter die katholische, lutherische, reformierte und die orthodoxe Kirche, Baptisten, die pfingstkirchliche »Gemeinde des Glaubens« sowie die jüdische Gemeinde.
Glaubensgemeinschaften, die als Kirche offiziell anerkannt werden wollen, müssen unter anderem mindestens 20 Jahre in Ungarn bestehen und sich verfassungskonform verhalten. Ungarn hatte nach der politischen Wende 1989 eine im europäischen Vergleich sehr liberale Praxis auf kommunaler Ebene zur Anerkennung von Religionsgemeinschaften eingeführt.

Sekretariat des Bischofs Patrick Streiff / Volker Kiemle / idea