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Mittwoch, 5. Oktober 2011

Tiere in der Bibel: Gefährten und Feinde des Menschen

Wir lieben unsere Haustiere, aber die Tiere, die wir als Nahrung zu uns nehmen, verschwinden immer mehr aus unserem Gesichtskreis. Was dürfen Menschen mit Tieren tun?

Wir lieben unsere Haustiere, aber die Tiere, die wir als Nahrung zu uns nehmen, verschwinden immer mehr aus unserem Gesichtskreis. Was dürfen Menschen mit Tieren tun?

Die Aufforderung über die Tiere zu herrschen, kennen wir gut: »Machet sie euch untertan.« Aber geht es noch etwas genauer? Wie beschreibt die Bibel das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren?

Er hat sich immer gefreut, wenn ich nach Hause kam«, sagt mir die Nachbarin, als wir uns auf der Straße treffen. »Das hat mir so viel gegeben, niemand hat sich so auf mich gefreut!« Die Frau trauert um ihren Hund. Jahrelang ist er der Begleiter der ganzen Familie gewesen. Seitdem er tot ist, fehlt etwas in ihrem Leben. Tiere wie Hunde sind Gefährten des Menschen. Tiere können die Lebensqualität erheblich steigern.

Jeden Montag duftet es besonders lecker beim Supermarkt um die Ecke. Ich komme kaum in den Laden hinein, ohne dass mir das Wasser im Munde zusammenläuft. Auf den Parkplatz hat der »Hähnchenmann« Stellung bezogen. Die Menschen stehen Schlange, um sich ein halbes Hähnchen oder gerne auch mehr mitzunehmen. Ich gestehe, das ich nicht immer dieser Versuchung widerstehen konnte. Aber hinten in meinem Kopf weiß ich sehr wohl, dass diese Hähnchen aus der Massentierhaltung stammen. Sie wurden zu Tausenden gezüchtet und geschlachtet. Ansehen möchte ich mir das nicht.

Diese Beispiele werfen Schlaglichter auf unser Verhältnis zu Tieren. Viele Menschen sind mit ihren Haustieren eng verbunden. Die Tiere vermitteln Lebensfreude, aber in manchen Fällen laufen Tiere auch in Gefahr vermenschlicht zu werden. Auf der andern Seite konsumieren wir heute Fleisch in großen Mengen, ohne noch irgendeine Verbindung zu den Tieren zu haben.

Tiere als Geschöpfe Gottes

Im alten Israel wurden Tiere weder vermenschlicht noch zur Sache degradiert. Ein Tier ist zuerst in der Sicht des biblischen Menschen ein Geschöpf Gottes – wie der Mensch auch. Tiere sind die Lebewesen, die dem Menschen am nächsten stehen, sagt die Alttestamentlerin Silvia Schroer. Die Urgeschichten der Bibel zeigen, wie stark Menschen und Tiere miteinander verbunden sind. In der Schöpfung werden beide von Gott gesegnet und beide bekommen den Auftrag »Seid fruchtbar und mehret euch«. Dennoch unterscheidet sie etwas Grundsätzliches: Die Menschen sollen über die Tiere herrschen: »… machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht« (1.Mose 1,28). In der Geschichte vom Garten Eden sollen die Tiere dem Menschen eine Hilfe sein. Sie werden von Gott aus dem gleichen Erdboden wie der Mensch geschaffen und der Mensch gibt ihnen ihre Namen.

Aber es stellt sich heraus, dass die Tiere nicht die Hilfe sind, die der Mensch braucht – der Mensch braucht ein menschliches Gegenüber. Tiere und Menschen verbindet eine Gemeinschaft und doch bleibt diese Beziehung ungleich. Beide, Menschen und Tiere, sind Gottes Geschöpfe und aufeinander bezogen. Aber der Mensch als »Bild Gottes« wird zur Herrschaft über die Tiere ermächtigt. Diese Herrschaft hat mit willkürlicher Gewalt nichts zu tun. Das Wort »herrschen« meint zum einen, jemanden zu beschützen, und für ihn Sorge zu tragen und zum anderen, über jemanden verfügen zu können.

Tiere: Gefährlich und von großem Nutzen

Im gesamten Alten Testament spiegelt sich wider, wie eng die Menschen mit Tieren zusammengelebt haben. Damals waren die Menschen in viel höherem Maß abhängig von Tieren als wir heute. Haustiere brachten den Menschen viel Nutzen, wie Herden von Schafen und Ziegen, die Milch, Wolle und Fleisch lieferten. Rinder und Esel zogen die Pflüge und trugen Lasten. Aber Raubtiere wie Löwen, Bären und Panther bedrohten das Leben der Nutztiere und der Menschen. Nicht zu unterschätzen waren Wildesel und Wildschweine, die Felder und Weinberge verwüsteten. Wildtiere waren stets eine große Gefahr für die Menschen. Es gehörte daher zu den Aufgaben des Königs, die wilden Tiere in Schach zu halten. Der Prophet Jeremia berichtet, dass der Gott Israels dem König Nebukadnezzar die Herrschaft über die Völker gegeben hat und auch über die wilden Tiere (Jeremia 28,14). Dass David berufen war, Israels König zu werden, wird dadurch unterstrichen, dass er sich als Hirte erfolgreich gegen die Löwen und Bären zu Wehr setzte, die seine Herde angegriffen hatten (1.Samuel 17,34–36).

Wesen mit eigener Würde und eigenem Recht

Nutztiere gehörten zum unmittelbaren Lebensumfeld der Menschen in der Bibel und sicherten das Überleben. Nach weisheitlichem Grundsatz ist eine gerechte Gesellschaft daran zu erkennen, wie sie mit den schwächeren Gliedern umgeht. Dazu zählen nicht nur bedürftige Menschen, sondern auch Tiere, wie der Alttestamentler Bernd Janowski herausgearbeitet hat. Im Alten Israel gilt als weise, wer die Bedürfnisse des Viehs kennt: »Ein Mensch, der mit Gott rechnet, kümmert sich um das Wohl seiner Tiere; wer Gott missachtet, hat kein Herz für sie« (Sprüche 12,10 nach der Guten Nachricht Bibel).

Tiere sind in der Bibel Wesen mit eigener Würde und eigenen Recht. Dies hat sich zum Beispiel im zentralen Sabbatgebot niedergeschlagen: Der siebentägige Rhythmus von Arbeit und Ruhe gilt nicht nur für den israelitischen Bauern, seine Familie, die Knechte und Mägde, sondern auch für die Nutztiere. »Am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt« (2.Mose 20,10). Begründet wird dies durch Hinweis, dass die Tiere zusammen mit dem Menschen am sechsten Tag erschaffen wurden.

Waren die Tieropfer grausam?

Menschen und Tiere in der Bibel sind eng aufeinander bezogen. Der Mensch ist von Gott beauftragt, für seine Nutztiere zu sorgen. Dass Tiere geschlachtet wurden widerspricht dem nicht. Im Gegenteil. Das Schlachten der Tiere war damals ein religiöser Akt, der in der Antike Verzicht bedeutete. Das geschlachtete Tier war als Opfergabe für Gott zumindest teilweise dem unmittelbaren Verzehr entzogen. Die Opferung von Tieren für Gott schützte die Tiere. Der Mensch gibt mit dem Opfertier etwas her, dessen er selbst dringend bedarf, sagt Bernd Janowski. Das Schlachten des Tieres braucht die Ehrfurcht vor dem Leben, das Gott schenkt. Nur als Opfer ist die Schlachtung erlaubt. Das Tier wird vor und für die Gottheit getötet. So darf es gemeinsam von den Menschen genossen werden. Die Nähe zum Heiligtum schützte letztlich die Tiere.

Von der Schöpfung bis zur Erlösung

Die Verbindung zwischen Mensch und Tier wird in der Schöpfung begründet, im Bund den Gott mit Noah schließt nochmals erneuert. Auch das Vieh und die wilden Tiere gehören mit den Menschen zum Bund, den Gott mit Noah geschlossen hat (1.Mose 9,8–11). Der Bogen lässt sich bis in die Zukunft spannen. Die Erwartung der zukünftigen Heilszeit wird im Frieden zwischen Menschen und Tieren ins Bild gesetzt. »Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben« (Jesaja 11,6). Die Wildtiere, die bisher das Leben der Menschen und Nutztiere bedroht haben, verhalten sich so, dass ein ungefährdetes Zusammenleben möglich wird.

Michael Putzke

Foto: pixelio.de /Rita Thielen