Nahtoderfahrung

An der Schwelle zum Jenseits

Was erwartet uns nach dem Tod? Bei dieser Frage werden immer wieder Nahtoderlebnisse diskutiert. »Ich sah einen Tunnel aus Licht und spürte ein alles überwältigendes Angenommensein.«

Wenige Menschen haben das erlebt, viele reden davon. Aber was ist dran? Eine Filmdokumentation hilft, dieses Phänomen zu verstehen.

Ärzte kämpfen um das Leben der neunzehn jährigen Christine Stein. 23 Minuten ist sie klinisch tot. Später erinnert sie sich, wie sie sich in diesem Moment von oben auf dem Operationstisch liegen sieht. Sie hört, wie die Chirurgen sich gegenseitig motivieren: »Mach schneller, wir müssen die Kleine durchkriegen ...!«

Immer wieder berichten Menschen von sogenannten Nahtoderfahrungen, bei denen sie sich erleben, als seien sie außerhalb ihres Körpers. Schätzungen gehen davon aus, dass vier Prozent der Bevölkerung diese Erfahrungen machen.

Losgelöst von Raum und Zeit

Die Filmdokumentation »An der Schwelle zum Jenseits « von Rainer Fromm tastet sich an dieses sensible Thema heran und bietet in kompakten 25 Minuten Anschauungsmaterial. Der Filmemacher befragte Menschen, die nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung dem Tod näher waren als dem Leben. Gestandene Männer und Frauen beschreiben, in diesen Momenten außerhalb ihres Körpers gewesen zu sein, losgelöst von Raum und Zeit. Immer wieder berichten sie von Lichterscheinungen, die sie einhüllen. »Ich habe eine unwahrscheinliche Wärme und Liebe gespürt – wie noch niemals zuvor.«

Im Gespräch mit Experten versucht die Dokumentation, dieses Rätsel zu lösen. Der Kardiologe Pim von Lommel aus Arnheim in Holland veröffentlichte im Jahr 2001 die weltweit größte Studie zu Nahtoderfahrungen bei Patienten, die einen Herzstillstand erlitten hatten und wiederbelebt werden mussten. Den Mediziner trieb seine Neugier an: Wie ist es zu erklären, dass Menschen, die klinisch tot sind, noch sehen und hören können? Bei seiner Untersuchung kommt er nach eigenen Aussagen an die Grenze des wissenschaftlich Messbaren. Und dennoch nimmt er die Menschen mit ihren Erfahrungen ernst. Er beschreibt seinen Befund als paradox: Patientenberichte beschreiben ein »erhöhtes Bewusstsein, wo Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen«, wo es nach medizinischen Vorstellungen kein Bewusstsein mehr geben kann. Erklären kann er das nicht.

Der Theologe Joachim Nikolay erinnert an Paulus, der in der dritten Person von sich selbst spricht und davon berichtet, dass er in den dritten Himmel entrückt wurde. Auch er macht die Erfahrung, außerhalb seines eigenen Körpers gewesen zu sein. »Ob er dabei in seinem Leibe war, weiß ich nicht; ob er außerhalb seines Leibes war, weiß ich nicht: Gott weiß es«, so Paulus (2. Korinther 12,2).

In seiner empfehlenswerten Dokumentation, die zum Beispiel in kirchlichen Medienstellen ausgeliehen werden kann, sammelt Rainer Fromm verschiedene Stimmen zum Phänomen der Nahtoderlebnisse. Die meisten Experten, die zu Wort kommen, äußern sich positiv, auch wenn sie nur beschreiben, nicht aber erklären können.

Beeindruckend sind in jedem Fall die Menschen, die ihre ungewöhnlichen Erfahrungen mitteilen und ihre Angst vor dem Tod verloren haben.

Übrigens sagt kein Betroffener: »Ich habe Gott gesehen «. Sabine Mehne beschreibt »ein Licht, das alles erfüllt«. Sie sucht Worte, um das Erlebte zu beschreiben. »Ich traue mich nicht, zu sagen, ich bin in der Nähe Gottes, aber ich habe mich so gefühlt.«

Michael Putzke

Foto : Martina Taylor / pixelio.de