Die Teilnehmer der Nordafrika-Plattform

Die Teilnehmer der Nordafrika-Plattform

Methodismus International

Aufbruch der EmK in Nordafrika

Vom 26. bis am 28. Oktober 2012 fand in der tunesischen Hauptstadt Tunis die diesjährige Nordafrika-Plattform der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) statt.

Unter der Leitung von Bischof Patrick Streiff versammelten sich die Mitarbeitenden der EmK aus Algerien und Tunesien sowie Vertreter von Connexio und vom General Board of Global Ministries (GBGM), der weltweiten Missionsorganisation der EmK.

Sylvie und Freddy Nzambe, das neue Mitarbeiterehepaar in Tunis, nahm zum ersten Mal an dieser Veranstaltung teil, die am besten mit einer Distriktskonferenz oder einem »Round Table« verglichen werden kann. Freddy Nzambe wurde an der letzten Jährlichen Konferenz der EmK Schweiz-Frankreich-Nordafrika als Pfarrer auf Probe aufgenommen. Bis im letzten Sommer hat er in Paris Theologie studiert. Nun arbeitet er als Pfarrer der Reformierten Kirche in Tunis und zusätzlich wird er die Liegenschaften der EmK in Tunis als Begegnungszentrum aufbauen. In den beiden Häusern im Quartier Montfleurie wohnen heute Studentinnen aus Schwarzafrika, Sylvie und Freddy Nzambe mit ihren beiden Töchtern sowie Jacqueline Agré, die Witwe des im letzten Jahr verstorbenen Pfarrers Isaac Agré. Die Liegenschaft mit Sitzungsräumen, Küche und Gästezimmern könnten noch umfassender genutzt werden. Freddy Nzambe ist deshalb dabei, ein Konzept zur Sanierung und zum Betrieb als christliches Begegnungszentrum zu erarbeiten.

Im Rahmen der Plattform fanden auch Gespräche statt mit dem Pfarrkollegium und dem Präsidenten der Reformierten Kirche Tunesiens sowie mit drei Pfarrern einer evangelischen Kirche. Alle Gesprächspartner bestätigten, dass die Revolution in Tunesien und die Unruhen im letzten Jahr den Kirchen keinerlei Nachteile gebracht hätten und dass sie heute sogar freier arbeiten könnten als früher. Die reformierte Kirche in Tunis ist in den letzten Jahren stark gewachsen und hat heute einige hundert Mitglieder. Die meisten von ihnen sind Ausländer, vor allem Studierende und Migranten aus südlicheren Ländern Afrikas. Ihnen entsprechend werden auch die Gottesdienste gestaltet, wie es die Mitglieder der Plattform selber erleben konnten: lebendig, fröhlich, mit vielen Liedern und einem exzellenten Chor. Wegen Platzmangels wurde der Gottesdienst am Sonntag zwei Mal nacheinander abgehalten und trotzdem war die Kirche immer überfüllt. Bischof Streiff hielt die Predigt und zusammen mit Daniel Nussbaumer, dem Distriktsvorsteher für Nordafrika, segnete er das Ehepaar Nzambe für ihren Einsatz in Tunis. Für Pfarrer Roger Correvon, der heutige Leiter zweier Gemeinden in Algerien, war der Gottesdienstbesuch ein besonderes Erlebnis, da er früher während zehn Jahren selber Leiter diese Gemeinde in Tunis war.

In Algerien ist die Situation für Kirchen schwieriger. Sie sollten sich zwar offiziell registrieren lassen können, doch in der Praxis geht das nicht, da entsprechende Gesuche bei den Amtsstellen entweder nicht beantwortet oder gar nicht entgegengenommen werden. Ähnliche Rechtsunsicherheit gibt es im Zusammenhang mit dem Liegenschaftsbesitz. Die Handlungsvollmachten für ausländische Liegenschaftsbesitzer werden durch die algerischen Behörden nicht bestätigt aber auch nicht abgelehnt. Gegen administrative Verzögerungen kann man nicht klagen aber ohne Registrierung und ohne bestätigte Handlungsvollmachten ist man der Willkür der Behörden ausgeliefert.

Trotz dieser Schwierigkeiten gibt es zurzeit vier lebendige EmK-Gemeinden, die wachsen und die für die Bevölkerung nützlich sein wollen. Die Gemeindeleiter und die Laiendelegierten aus Algerien erzählten von Aufbrüchen auf verschiedenen Gebieten, beispielsweise von Bauvorhaben in Larbaa und Constantine oder von einem Sozialprojekt in Larbaa, das zurzeit vorbereitet wird. Eine grosse Not ist aber der Mangel an Gemeindeleitenden, nachdem zwei algerische Pfarrer nach Frankreich ausgewandert sind. Roger Correvon ist heute deshalb gleichzeitig für die Gemeinden in Constantine und Algier zuständig, die 400 km voneinander entfernt sind.

An der diesjährigen Plattforme in Tunis war viel von Aufbruch zu spüren, auch wenn Rückschläge und Schwierigkeiten wie immer viel Gesprächsstoff bot.

Quelle: Connexio / www.emk-schweiz.ch