Wort auf den Weg

Der Lernspruch vom Wunder

Was bedeutet Weihnachten für uns? Pastorin i. R. Elke Dinkela und ihre Freundin Dorle Robbe sitzen zusammen und bewegen diese Frage.

Elke Dinkela denkt an den Vers vom Anfang des Johannesevangeliums: »Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns.« Das Wort erinnert an den Schöpfungsbericht – »Gott sprach ... und es wurde«. Es ist kein totes Wort, sondern wird lebendig. Mitten im Gespräch erinnern sich die beiden Frauen an ihren Sonntagsschullehrer, der ihnen das Weihnachtswunder mit einem Satz erklärt hat. Sie wissen es bis heute.

Dorle Robbe: Das Wort wird »Fleisch« ... Das Wort »Fleisch« in diesem Bibelvers hat mich schon immer unangenehm berührt. Unter Fleisch stelle ich mir rohes Fleisch vor. Da entsteht bei mir keine positive Verbindung – schon gar nicht mit Gott!

Elke Dinkela: Gemeint ist hier, dass das Wort ein Mensch aus Fleisch und Blut wurde.

Dorle Robbe: Du meinst, dass Gott durch sein Wort selbst ein normaler, lebendiger Mensch wurde?

Elke Dinkela: Ja. Das ist für mich das unfassbare, aber auch das faszinierende Geheimnis. Gott wird ein Mensch. Er wächst in Maria heran, wird unter Schmerzen von ihr geboren, muss gestillt und gewickelt werden. Er ist angewiesen auf Schutz. Er braucht liebevolle Zuwendung und Geborgenheit. Damit kommt Gott uns nahe. Er ist jetzt nicht mehr der ferne Gott.

Dorle Robbe: Aber reicht das schon aus als Erklärung für das Weihnachtswunder? Da fällt mir unser alter Sonntagsschullehrer Heinrich Claussen ein, der vor einem Jahr gestorben ist. Weißt du noch, wie wir ihn im Dezember 2010 besuchten? Er hatte uns in der Sonntagsschule immer einen Lernspruch für die Woche aufgegeben. So einen Spruch bekamen wir auch bei diesem Besuch: »Das Wichtigste ist, dass Gott Mensch geworden ist, sonst wüssten wir doch gar nicht, wie wir mit Gott reden sollen.«

Elke Dinkela: Ich erinnere mich daran. Es war ihm so wichtig, uns das mit auf den Weg zu geben. Gott ist Mensch geworden. Das ist das größte Wunder, über das er ständig nachdenken musste und das ihn bis zu seinem 95. Lebensjahr andauernd bewegte.

Dorle Robbe: Onkel Heinrich hat uns schon als Kinder das Wort Gottes ganz nahe gebracht, so dass es lebendig unter uns und in uns wurde. Das Wort wohnte auch durch Onkel Heinrich unter uns und wurde so eine lebendige Spur für unser Leben.

Elke Dinkela: Wie froh bin ich, dass wir Onkel Heinrich hatten und viele Menschen mit ihm, die uns geholfen haben, das Wort lebendig in unserer Mitte erleben zu können. Dadurch wohnte Gott spürbar unter uns. In Jesus ist es deutlich geworden, wie Gott mit und durch uns leben will. In Liebe und Wertschätzung zu uns selbst, zueinander und zu Gott.

Dorle Robbe: Es war einfach schön, dass wir Onkel Heinrich bei unserem Besuch unseren Dank ausdrücken konnten. Ich denke darüber hinaus dankbar an viele Menschen, die in meinem Leben das Wort lebendig sein ließen. Es ist ein wundervolles Geheimnis, dass Gott Menschen in unserem Umfeld gebraucht, um uns zu begegnen und unter uns zu wohnen.

Elke Dinkela: Das geschieht nun schon seit 2.000 Jahren und wir sind hineingenommen in diese Kette des Lebens. Welch ein Geschenk Gottes an uns!

Elke Dinkela, Dorle Robbe

Foto: Daniel Schmidt