Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Methodismus International

»Die Einheit ist in Jesus Christus gegeben«

Seit dem 26. April ist Bischöfin Rosemarie Wenner Präsidentin des Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche. Die 56-Jährige wurde bei der Generalkonferenz in Tampa/Florida in ihr Amt eingesetzt.

Über die Herausforderungen und die Schwerpunkte ihrer Arbeit haben Harald Rückert und Volker Kiemle mit ihr gesprochen.

Frau Wenner, was bewegt Sie, wenn Sie an Ihr neues Amt denken?

Rosemarie Wenner: Ich habe natürlich Respekt vor der Aufgabe, die ich übernehme. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich unsere Kirche mitgestalten kann.

Was genau ist die Aufgabe der Präsidentin des Bischofsrats?

Rosemarie Wenner: Dazu gehören vor allem die Leitung und Vorbereitung der Sitzungen des Bischofsrats, der laut Verfassung, Lehre und Ordnung der EmK die Aufsicht und Förderung der zeitlichen und geistlichen Anliegen der Gesamtkirche ausübt. Zudem spreche ich für den Bischofsrat. Darüber hinaus will ich mich dafür einsetzen, Plattformen zu schaffen, wo Menschen, die in unserer Kirche Verantwortung tragen, miteinander reden und Neues entwickeln können.

Welche dringenden Aufgaben sehen Sie?

Rosemarie Wenner: Zwei sind mir besonders wichtig: Mission und Einheit. Wir sind gerufen, bei den Menschen zu sein und Christus zu bezeugen, wo immer es Gemeinden gibt, und uns darin gegenseitig zu unterstützen. Das ist eine große Herausforderung. Wir sind als Kirche auf vier Kontinenten vertreten, das bedeutet viele unterschiedliche Kulturen und eine große theologische Bandbreite.
Wir können noch viel besser werden in der Verwirklichung des Auftrags, Gottes Liebe an die Menschen weiterzugeben. Ich hoffe, dass ich besonders als Bischöfin, die nicht aus den USA kommt, einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir die Vielfalt der unterschiedlichen Teile der Kirche schätzen und nutzen.

Die EmK wächst weltweit – vor allem in Asien und Afrika. Wie verändert das unsere Kirche?

Rosemarie Wenner: Fast 40 Prozent der Delegierten bei der Generalkonferenz kommen von außerhalb der USA. Das wird wahrgenommen. Gleichzeitig müssen wir auch Arbeitsweisen finden, die dieser Vielfalt Rechnung tragen – die parlamentarischen Abläufe sind westlich geprägt. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass der Bischofsrat andere Modelle entwickelt und für ihre Umsetzung wirbt. Wichtig ist, dass wir bei allen Diskussionen über Strukturen unseren Auftrag als Kirche nicht aus den Augen verlieren: Menschen in die Nachfolge Jesu zu rufen.

Sie sind jetzt sozusagen »Weltbischöfin«– wie verändert das Ihren Blick auf die deutsche EmK?

Rosemarie Wenner: Weltbischöfin war ich schon immer – das Bischofamt wird in der EmK nie nur regional verstanden, wir haben eine allgemeine Aufsicht. Der Blick auf Deutschland verändert sich in zweierlei Hinsicht: Ich merke immer wieder, wie viel wir in Deutschland als relativ kleine Kirche umsetzen von dem Ziel, in Gottes Mission mit den Menschen zu sein und in ökumenischer Gemeinschaft zu leben. Gleichzeitig wird die neue Aufgabe noch einmal deutlich machen, wie relativ die Probleme in Deutschland sind im Vergleich zu den großen Problemen in der Welt – wie Hunger, Armut und Krankheiten wie HIV-Aids oder Malaria.

Was schätzen Sie an der deutschen EmK?

Rosemarie Wenner: Ich lerne immer mehr die große Kraft und die vielen Gaben zu schätzen, die wir in unseren Gemeinden haben. Es ist großartig, was durch die 60.000 Menschen, die sich zu uns zählen, bewegt wird. Die Herausforderung ist, mehr Relevanz zu bekommen. Dass Gemeinden klarer erkennen, was ihr Beitrag vor Ort sein kann – auch gemeinsam mit Christen anderer Kirchen. Das entlastet auch: Wir müssen als kleine Kirche nicht alles machen. Unsere große Stärke ist, dass für uns Evangelisation und Weltverantwortung untrennbar zusammengehören.

Bei der Generalkonferenz zeigte sich erneut, dass die EmK in der Frage, wie mit Homosexualität umgegangen werden soll, tief gespalten ist. Was bedeutet das für die Einheit der Kirche, die Sie in Ihrer Botschaft an die Konferenz beschworen haben?

Rosemarie Wenner: Die Einheit in der Kirche ist Gott sei Dank nicht davon abhängig, dass wir uns einig sind. Sie ist in Jesus Christus gegeben. Ich wünschte, die Generalkonferenz könnte sich dazu durchringen, in den Sozialen Grundsätzen zu sagen: Wir sind uns uneins in der Beurteilung, ob Homosexualität mit der biblischen Lehre vereinbar ist oder nicht. Leider ist die Mehrheit der Generalkonferenz dazu nicht bereit, obwohl Einigkeit darin besteht, dass Menschen mit den unterschiedlichen sexuellen Prägungen in der Kirche willkommen sind. Dass man die Uneinigkeit nicht »aktenkundig« machen will, hat mit der starken Ablehnung der Homosexualität auf dem afrikanischen Kontinent zu tun und damit, dass etliche Methodisten in den USA Angst vor kleinen Zugeständnissen haben, die ein erster Schritt zur Zulassung homosexueller Menschen zur Ordination bedeuten könnten. Trotz dieser massiven Spannung bleiben wir miteinander auf dem Weg. Das kostet viel Kraft, gleichzeitig ist der Wille, miteinander Kirche zu sein, bei allen Teilen da. Ich vertraue darauf, dass Gott uns Weisheit und Liebe schenkt in den andauernden Auseinandersetzungen.

Das Thema Homosexualität spielt in den Debatten in der deutschen EmK eine marginale Rolle. Warum ist das in der weltweiten EmK anders?

Rosemarie Wenner: Dass wir in der EmK in Deutschland nicht so intensiv über Homosexualität diskutieren, hat auch damit zu tun, dass wir die Verfassung, Lehre und Ordnung nicht selbst schreiben, sondern mit den Entscheidungen der Generalkonferenz leben. Außerdem ist die Kirche nicht so stark polarisiert, wie dies zum Beispiel in den USA in dieser Frage der Fall ist. Und im weltweiten Kontext ist das Thema in allen ökumenischen Gremien und in allen Denominationen strittig, ja es führt teilweise zu Trennungen, weil Kultur und Kontext die Beurteilung ebenso prägen wie das Bibelverständnis.

Ihre erste Generalkonferenz an der Spitze des Bischofsrats ist vorüber. Was haben Sie in diesen Tagen gelernt?

Rosemarie Wenner: Wir versuchen das fast Unmögliche möglich zu machen, indem wir als Weltkirche alle wichtigen Entscheidungen für alle Regionen alle vier Jahre in einer Konferenz mit fast 1.000 Delegierten nach einem komplizierten Regelwerk gemeinsam treffen. Noch sind wir uns nicht einig, wie eine angemessenere Struktur aussehen könnte. Wir müssen sie aber entwickeln, um den Herausforderungen an die EmK im 21. Jahrhundert gerecht zu werden. Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Bischofsrat eine leitende Rolle bei der Suche nach neuen Wegen spielen kann und ich hoffe, dass er gehört wird. Denn die Entscheidungen über die Struktur, die Aufgaben und die Finanzierung der weltweiten Zusammenarbeit trifft allein die Generalkonferenz.