Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Kirche International

Ein Europa für die Welt

Während wir in Deutschland darüber diskutieren, wie viel uns Europa wert ist, kämpfen Menschen in Südeuropa mit den sozialen Folgen der Sparmaßnahmen. Doch die Kirchen können über Partnerschaften viel dazu beitragen, dass die Solidarität nicht verloren geht.

Quer durch Europa war ich in den vergangenen Wochen unterwegs. Was für eine Vielfalt bietet unser Kontinent! Und mit welch großen Problemen haben viele Europäer derzeit zu kämpfen! Bei der Tagung des Europäischen Rates Methodistischer Kirchen Anfang August in Krakau (Polen) erzählte Bischof Sifreido Teixeira vom Alltag in Portugal. In den methodistischen Gemeinden in Porto und Lissabon finden sich Migranten aus Angola ein; gleichzeitig prüfen Einheimische, ob sie in Brasilien oder Angola bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz haben. Während wir in Deutschland darüber diskutieren, wie viel uns Europa wert ist, kämpfen Menschen in Südeuropa mit den sozialen Folgen der Sparmaßnahmen.

Die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), die Ende September in Florenz zusammenkam, verabschiedete nach intensiver Diskussion ein Wort zur gegenwärtigen Lage in Europa. Darin wird betont, dass es nicht die schnellen Lösungen und schon gar nicht den Königsweg aus der Krise gibt. Gleichzeitig mahnt die GEKE: »Alle Lösungsvorschläge und Entscheidungen müssen sich daran messen lassen, wie sie den betroffenen Menschen und Gesellschaften helfen sowie den europäischen Einigungsprozess erhalten und weltweite Solidarität fördern. « In der Krise gelte es, Mut zur Wahrheit zu fassen, Demokratie zu stärken, die sozialen Folgen von Entscheidungen zu beachten, die Steuerpolitik gerecht auszurichten, unser Wirtschaftsmodell grundsätzlich zu überdenken und der Gefahr des Rückfalls in den Nationalismus zu begegnen. Eine einzigartige Möglichkeit, Solidarität zu üben, bieten Partnerschaften zwischen Kirchen und Kirchengemeinden, so die Stellungnahme.

Über den Europäischen Rat und seine Jugendorganisation »European Methodist Children and Youth« sowie den Fonds »Mission in Europa« haben wir Methodisten Netzwerke, die wir ausbauen können, um uns gegenseitig zu unterstützen. Auch hier ist Mission keine Einbahnstraße!

Im Sommer half ein Team aus Serbien der EmK in Dreieich-Sprendlingen bei Renovierungsarbeiten für den dortigen Mini-Kindergarten. Bei der GEKE-Vollversammlung in Florenz berichtete Superintendentin Ana Palik-Kuncak, wie sich die EmK in Serbien den Herausforderungen in ihrem Land stellt. Man ermöglichte zum Beispiel einigen Männern aus der Romabevölkerung, ihre Musikalität zum Beruf zu machen. Mit Instrumenten, die von EmK-Gemeinden aus Deutschland zur Verfügung gestellt wurden, treten sie bei Beerdigungen als Bläserensemble auf und verdienen so einen bescheidenen Lebensunterhalt für ihre Familien.

Zu den Gastgebern der GEKE-Vollversammlung in Florenz gehörten auch die italienischen Methodistengemeinden. Bei dem »italienischen Abend« wurden sie von Präsidentin Alessandra Trotta und Richard Kofi Ampofo, der aus Ghana stammt, repräsentiert. Und der Chor der koreanischen methodistischen Gemeinde in Rom beeindruckte durch großartige Musik. Unter dem Motto »Miteinander Kirche sein« sammeln methodistische Gemeinden in Italien Menschen aus aller Welt. So wird Gemeinschaft, die Grenzen überwindet, nicht nur von anderen gefordert, sondern innerhalb der Kirche eingeübt. Durch unterschiedlichste Beiträge, die wir als Kirchen, Gemeinden und Einzelpersonen zusammentragen, helfen wir mit, ein Europa zu bauen, das sich den Menschen in aller Welt verbunden weiß.

Bischöfin Rosemarie Wenner