Peter Jörgensen (links), Ansgar Hörsting

Peter Jörgensen (links), Ansgar Hörsting

VE

Gelebtes Miteinander

Mitgliederversammlung der Vereinigung Evangelischer Freikirchen

Zwei Mal im Jahr treffen sich 30 bis 40 Delegierte aus den 14 Mitgliedskirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), um sich über aktuelle Entwicklungen in ihren Bünden auszutauschen und Schwerpunkte der gemeinsamen Arbeit zu entwickeln. In der Sitzung am 27. und 28. November in Karlsruhe stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Freikirchen in der weltweiten Kirchenlandschaft vernetzt sind. Als Referent war der ehemalige Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Prof. Dr. Konrad Raiser, eingeladen.

Prof. Raiser beschrieb in seinem Vortrag das Global Christian Forum, eine 1998 unter Beteiligung des ÖRK entstandene Initiative, als inspirierende Umsetzung des ursprünglichen Anliegens zwischenkirchlicher Beziehungen. Das Grundprinzip des Forums: Vertreter unterschiedlicher Konfessionen diskutieren bei ihren Treffen nicht über theologische Unterschiede, sondern tauschen sich über ihre persönlichen Glaubenserfahrungen aus. Diese Herangehensweise ermögliche, so Raiser, in einem Raum des Vertrauens und des gegenseitigen Verständnisses Vorurteile und belastende theologische Unterschiede zu überwinden. Die Folge sei, dass den am Prozess Beteiligten deutlich werde, welche Kernpunkte des Glaubens sie über Kirchengrenzen hinweg gemeinsam haben. Keine andere Initiative repräsentiert die internationale Kirchenlandschaft so umfassend wie das Global Christian Forum. Dies gilt sowohl für den konfessionellen Hintergrund als auch die Herkunft der Kirchenvertreter. So beteiligen sich an den Treffen neben den etablierten Kirchen auch die christlichen
Gruppierungen, die etwa im ÖRK nicht vertreten sind.

Pastorin Silke Tosch berichtete den Delegierten in Karlsruhe über ihre Arbeit als freikirchliche Vertreterin im Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Als »Schnittstelle der Kirchen zu den europäischen Einrichtungen – bis hin zum Gerichtshof für Menschenrechte« bezeichnete Tosch eine Unterorganisation der KEK, die Kommission Kirche und Gesellschaft. Diese befindet sich auf der offiziellen Lobbyistenliste der Europäischen Union. Die KEK, zu der 126 Mitgliedskirchen und 43 assoziierte Verbände gehören, befindet sich zurzeit in einem grundlegenden Umstrukturierungsprozess. Noch ist nach Angaben von Tosch unklar, ob die VEF nach der entscheidenden Vollversammlung 2013 in Budapest weiterhin assoziiertes Mitglied der Konferenz bleiben kann. Tosch setzt sich hierfür ein, da, wie sie betonte, über die VEF auch kleinere freikirchliche Bünde aus Deutschland eine Stimme in der KEK und damit bei der EU hätten.

Auf der Tagesordnung der VEF-Mitgliederversammlung stand auch ein fachlicher Austausch mit dem Juristen Rüdiger Denkers, der als Beauftragter des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) für Datenschutzfragen in dem Kirchenbund zuständig ist. Bei diesem Thema wollen die VEF-Kirchen künftig verstärkt zusammenarbeiten.

Ebenso berieten die Delegierten darüber, wie sich die Freikirchen gemeinsam am Reformationsjubiläum 2017 beteiligen können. Im Gespräch sind unter anderem ein wissenschaftliches Symposium und verschiedene Veröffentlichungen über die Rolle der heutigen Freikirchen in der Reformation.

VEF-Präsident Ansgar Hörsting, der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden (BFeG), berichtete den Delegierten über aktuelle Anliegen der Vereinigung. So setzt sich der Vorstand dafür ein, dass der freikirchliche Sitz im Rundfunkrat des Südwestrundfunks entgegen aktueller Pläne des baden-württembergischen Landeskabinetts erhalten bleibt. Er betonte, die Freikirchen zeichneten sich durch ihr eigenes Profil und ein starkes gesellschaftliches Engagement aus. Deshalb müssten sie auch weiterhin in dem Gremium vertreten sein, das sich ja aus allen gesellschaftlich relevanten Gruppen zusammensetze.

Peter Jörgensen, der Beauftragte der VEF am Sitz der Bundesregierung in Berlin, berichtete über sein Engagement für Asylsuchende in Deutschland. Gemeinsam mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) setzt er sich für Asylbewerber ein, denen eine Abschiebung in ihre Heimatländer droht, obwohl sie dort wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören 10 Mitglieds- und vier Gastkirchen an. Weitere Informationen: www.vef.de.

Dr. Michael Gruber (BEFG)
Vereinigung Evangelischer Freikirchen e.V.

Foto: Stephan Schöbel
Bild Links: Peter Jörgensen, rechts: Ansgar Hörsting