Methodismus International

Generalkonferenz: Debatte über Homosexualität

Die Positionen innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche zur Homosexualität sind weiterhin zu gegensätzlich: Ein Antrag, der eine Brücke zwischen beiden Standpunkten bauen sollte, wurde jetzt abgelehnt.

Somit bleibt es bei der bisherigen offiziellen Auffassung der Kirche, dass praktizierte Homosexualität nicht geduldet wird und mit christlicher Lehre unvereinbar ist. Sie ist so in den Sozialen Grundsätzen, Artikel 161, der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) festgelegt.

Am Vormittag (3. Mai) hatten die Pastoren Adam Hamilton und Mike Slaughter einen Antrag eingebracht, den bestehenden Text zu ändern. Beide gelten als eher konservativ und leiten Gemeinden mit jeweils mehreren Tausend Gliedern. Im Wesentlichen sollte ihrem Antrag zufolge festgehalten werden, dass es zur Homosexualität in der EmK unterschiedliche Auffassungen gibt. Dazu wurden die Mehrheits- und Minderheitsmeinung beschrieben. Die Delegierten der Generalkonferenz (GK) lehnten diesen Antrag mit 54 Prozent ihrer Stimmen ab. Ein anderer Antrag mit der Absicht, die bestehende offizielle Auffassung der Kirche zu ändern, wurde mit noch größerer Mehrheit, 61 Prozent, abgelehnt.

Während der Debatte kam es zu Demonstrationen gegen den offiziellen Umgang der EmK mit Homosexuellen. Die Demonstranten störten den Ablauf der Konferenz derart, dass der vorsitzende Bischof die Sitzung unterbrach und die Delegierten in eine verlängerte Mittagspause entließ. Nach Verhandlungen zwischen den Bischöfinnen und Bischöfen und den Protestierenden trug die deutsche Bischöfin Rosemarie Wenner in ihrer Eigenschaft als Präsidentin eine Stellungnahme des Bischofsrates vor. Darin heißt es:

»Ich stehe vor Ihnen im Namen der Bischöfinnen und Bischöfe, die durch die Kirchenordnung berufen sind, die Hirtinnen und Hirten der ganzen Herde zu sein und dadurch Leitung zu bieten für das Ziel von Verständigung, Versöhnung und Einheit innerhalb der Kirche. Alle Menschen sind Gottes geliebte Kinder. Dies ist unsere tiefe Überzeugung.
Liebe Schwestern und Brüder, die Sie schwul, lesbisch, transsexuell oder bisexuell sind, Sie wurden durch Schritte der Generalkonferenz und durch die Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche verletzt . Wir fühlen Ihren Schmerz. [...] Ich bitte uns alle dringend, dass wir am Engagement, die Konferenz in gottgefälliger Weise durchzuführen, festhalten, dass wir uns gegenseitig in die Augen schauen und das Gesicht Jesu Christi im Gesicht des anderen sehen, dass wir respektieren, dass wir alle von Gott berufen und geliebt sind.«

Bischöfin Wenner las die Worte aus Philipper 2,1-5, bevor Pastor Frank Wulf ein Gebet sprach. Danach wurden die Sitzungen wieder aufgenommen. Ein gemeinsamer Gottesdienst schloss den Tag ab.

Reinhold Parrinello

Foto: Paul Jeffrey, UMNS