Glaube am Montag

Glaube im Alltag

Montag fällt es vielen Christen schwer, ihren Glauben zu leben. Hier setzt die Aktion »Glaube am Montag« an. Getragen unter anderem von der EmK, will die Aktion Impulse für ein Christsein im Alltag geben.

Pastor Christhard Elle erklärt, was dahintersteckt.

Der Gottesdienst ist um und ich fahre nach Hause. Es ist wieder schön gewesen: ziemlich voll, eine intensive Atmosphäre und hinterher eine klasse Gemeinschaft. Was will man mehr, erst recht, wenn die Gemeinde sogar wächst? Immer mehr Menschen besuchen unseren Gottesdienst. Alles bestens(?)!

Nun sitze ich im Auto und fahre heim – einmal quer durch den Hafen führt mich mein Weg. Schnell taucht am Horizont das kleine Dorf auf, in dem ich lebe. Die grauen Häuser, die riesigen Containerschiffe, die irgendwie gar nicht mehr wie Schiffe aussehen: Sie bleiben zurück, plötzlich ist alles pittoresk: Reetgedeckte Bauernhäuser auf jahrhundertealten Wurten, sechs Krabbenkutter liegen unten am Kai. Jetzt, wo die Touristen weg sind, ist der Zauber noch einen Deut größer.

Ich frage mich, was beides miteinander zu tun hat: der Gottesdienst am Sonntag und der Rest der Woche. Wie gehört das zusammen? Diese Fahrt nach dem Gottesdienst, dieser Weltenwechsel – viele haben eine lange Anfahrt zum Gottesdienst, zu ihrer Gemeinde. Aber selbst, wenn die Kirche nur 800 Meter weg ist, den Weltenwechsel gibt es auch dort. Hier die Gemeinde, das geistliche Leben – und da der Rest, das richtige Leben. Zeitlich ineinander verschlungen und doch halten wir sie meist schön getrennt. Häufig so gut getrennt, dass es auffällt, wenn es anders ist, wenn die eine Welt in die andere hineinschwappt.

Was wäre, wenn beide Welten zusammenkämen? Wenn ich im Sportverein Gottesdienst feierte, meinen Nachbarn erzählte, was ich gestern mit Gott erlebt habe und mit meiner Gemeinde zum Baden ginge? Wenn sich Wachstum nicht daran messen würde, wie viele zu einer bestimmten Veranstaltung gingen, sondern wie viele Menschen durch mich und uns Gott begegneten?

Wilhelm fällt mir ein. Wilhelm arbeitete bei Kaufhof, Abteilungsleiter Zoo. Als ich ihn auf der Arbeit besuchte, ging er mit mir in die Kantine. Als wir uns setzten, sagte er: »Hier am Tisch wird nur über Jesus gesprochen, ob die anderen wollen oder nicht!«

Meine alte Gemeinde fällt mir ein: Die Wunstorfer feiern ihren Gottesdienst noch immer in einer Kneipe, wie in der Anfangszeit, als sie noch keine eigenen Räume hatten. Kein liturgischer Raum, aber nur so sind sie da, wo ihre Freunde bereit sind zuzuhören.

Clara fällt mir ein. Clara lädt Kinder von der Straße ein, Menschen, die sonst nie in Chören zu finden sind, Gospel und Lobpreis zu singen. Und dieser Chor besuchte unsere Gemeinde, um uns zu unterstützen. Das ist doch sonst andersrum!

Karfreitag fällt mir ein, als wir ein großes Kreuz auf den Deich stellten und die Spaziergänger einluden, ihre Lasten dort abzulegen. Und dann passierte es: Viele ließen sich darauf ein – einige weinend, so als hätten sie nur darauf gewartet.

Den Sonntag und den Montag zusammenzubringen, das die Idee hinter »Glaube am Montag«. Unsere Bischöfin Rosemarie Wenner war eine der ersten Unterstützerinnen der Aktion und hat sie so entscheidend vorangetrieben. Und so soll »Glaube am Montag« auch das ganze Jahr im »unterwegs« vorkommen. Ich bin gespannt auf viele spannende, gute, skurrile Geschichten, manche näher bei mir dran, manche auch weiter weg. Hauptsache sie ermutigen uns oder bringen uns auf eigene Ideen. Gerne können sie mich kontaktieren, wenn Sie Fragen oder Ideen zu der Aktion haben.

Christhard Elle

www.glaube-am-montag.net