Wort auf den Weg

Strahlende Gesichter

Karsten W. Mohr berichtet in seinem »Wort auf den Weg« über die diakonische Arbeit in der EmK-Gemeinde Hamburg-Hamm.

Als ich am frühen Nachmittag die Christuskirche erreiche, herrscht am Seiteneingang ein reges Kommen und Gehen. Ein Mann mit grauem Bart grüßt mich mit fröhlichem Gesicht. Er schleppt zwei schwere Tragetaschen. Zwei Frauen mit Einkaufswagen unterhalten sich lautstark.

Die Lebensmittelausgabe hat geöffnet. Von der Tür aus schaue ich in die Ausgabestelle. Die Tische biegen sich unter Kisten mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln. Etwa 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen dahinter. Auf der anderen Seite der Tische packen etwa ebenso viele »Kunden« die Waren in ihre Taschen und Körbe. Es herrscht große Betriebsamkeit. Ich grüße von der Tür in den Raum. Ein Gemeindeglied entsorgt gerade leere Kartons. Sie hat beide Hände voll. Eine andere scherzt mit einem Gast.

Mittags hatte ein LKW der Hamburger Tafel die Lebensmittel gebracht. Als ich abends wieder in den Raum schaue, hat sich das Bild geändert. Alles ist aufgeräumt. Etwa ein Dutzend der Mitarbeitenden sitzt mit Kaffee entspannt in der Runde. »Wieder geschafft!«, sagt ein Mann und strahlt.

Mehr als Organisation

Etwa 80 Personen holen hier jeden Montag für sich und ihre Familien Lebensmittel. Alle müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen. Jesus sagt: »Ich war hungrig und ihr habt mir zu Essen gegeben. Was ihr den Bedürftigen getan habt, das habt ihr mir getan.«

Dass sich hier mehr ereignet als nur eine rein organisatorische Maßnahme, zeigt eine andere kleine Begebenheit. In den letzten Jahren haben sich viele Kontakte ergeben. Eine sympathische ältere Dame kommt nur zur Lebensmittelausgabe, wenn das Geld gar nicht reicht. Es fällt ihr schwer, sich als arm zu bekennen. Sie arbeitet inzwischen in einer Grupe der Gemeinde mit. Kürzlich kam sie zu einer Besprechung – nach einem Unfall an zwei Krücken. »Die Teilnahme heute ist mir ganz wichtig«, sagte sie und strahlt. »Die Mitarbeit hier macht mein Leben wieder sinnvoll.«

Die Gemeinde hat sich verändert

Die sozial-diakonische Arbeit hat etwas verändert. Zunächst in der Gemeinde. Sie hat sich mit wenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an große Aufgaben gewagt und wurde selbst beschenkt mit neuen Menschen, die sich mit ihren Gaben einbringen. Das macht Mut. Daneben hat sich auch das Bild der Gemeinde in der Nachbarschaft verändert. Sie wird als verantwortungsbewusst und offen wahrgenommen und erfährt eine wachsende Akzeptanz im Stadtteil.

Für viele ehrenamtlich mitarbeitende Menschen hat sich etwas geändert. Sie haben eine Aufgabe gefunden, die ihnen Sinn und Anerkennung verleiht. Sie haben auch Gemeinschaft gefunden, die sie bereichert. Und drittens haben einige hundert Menschen die Christuskirche als Ort erlebt, wo sie Hilfe und Unterstützung empfangen.

Die Lebensmittelausgabe wurde ergänzt durch Kurse, in denen man lernt, wie man eine Familie mit wenig Geld gesund ernährt. Hinzu kam auch das Café Ursprung, in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten.

Natürlich geht es nicht immer ohne Reibungen und Anstrengung ab. Aber auf allen Seiten überwiegen die strahlenden Gesichter. Den Lohn gibt es nicht erst am Ende der Zeit wie im Gleichnis aus Matthäus 25. Sondern die verschiedenen Dienste werden zu einem Segen für die Stadt und für die Gemeinde.

Karsten Mohr