Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Weihnachten im Alltag

Wie gelingt es uns, dieses Feiern in den Alltag zu transportieren? Bischöfin Rosemarie Wenner empfiehlt dazu die Aktion »Glaube am Montag«, die auch von der EmK getragen wird.

Der Alltag kehrt jetzt ein im Jahr 2012. Wer über den Jahreswechsel Urlaub hatte, muss nun wieder zur Arbeit gehen. Mitte Januar gewöhnt man sich sogar an die neue Jahreszahl. Gelingt es uns, Weihnachten in den Alltag mit hineinzunehmen? Dafür haben wir dieses Fest schließlich gefeiert. Wir ließen uns sagen: Gott wurde Mensch. Den zum Teil erbärmlichen Alltag einfacher Leute unterbrach er, um sie wissen zu lassen: »Ich habe Großartiges mit euch Menschen vor!« Wer sich auf den Mensch gewordenen Gott einlässt, erlebt, wie sich das tägliche Leben verändert. Die Hirten von Bethlehem, die Weisen aus dem Orient und seither zahllose Menschen haben das erfahren. In den Gemeinden erzählen sie sich hoffentlich, wie der Glaube hilft, den Alltag zu bewältigen, Krisen zu überstehen, Unsicherheit auszuhalten, aber auch Neues zu wagen, weil Gott ihnen klarmacht, was sie für ihn und ihre Mitmenschen tun können.

Christsein ist alltagstauglich! Daran erinnert uns im Jahr 2012 die Initiative »Glaube am Montag«. Kirchen, Werke, Ausbildungsstätten und Verlage vernetzen sich, um von- und miteinander zu lernen, wie das, was wir am Sonntag hören, von Montag bis Sonntag gelebt werden kann. Dass wir als Evangelisch-methodistische Kirche und als Zeitschrift »unterwegs« uns an dieser Initiative beteiligen, ist nicht verwunderlich: Die Einladung zum Glauben, der in der Liebe tätig ist, und damit die Verbindung von Frömmigkeit und Weltgestaltung machen den methodistischen Weg aus.

Leider ist dieser Weg nicht so ohne weiteres selbstverständlich. Um uns her gilt, dass Glaube Privatsache ist und dass man deshalb besser nicht mitteilt, worauf man sein Leben baut. Da fällt es schwer, selbstverständlich zu zeigen und darüber zu reden, dass man Gott vertraut und sich an Jesus orientiert.

Einreihen in die Kette der Zeugen

Genau dies ist aber ein natürlicher Ausdruck des christlichen Glaubens. »Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben«, sagen Petrus und Johannes, als sie sich vor dem Hohen Rat wegen ihres öffentlichen Christuszeugnisses zu verantworten haben, nachzulesen in Apostelgeschichte 4,20. Die Kirche wuchs, weil Menschen nicht hinterm Berg hielten mit ihrem Zeugnis, durch eine helfende Tat oder das deutende Wort. Sollten wir uns nicht einreihen in diese Kette? Das ist auch für unser eigenes Wachstum im Glauben wichtig. Denn im Weitergeben merken wir, dass Gott wirklich da ist als Kraftquelle mitten im Alltag.

Ich bin sehr gespannt, was wir entdecken auf dem Lernweg durch dieses neue Jahr. Die Homepage von »Glaube am Montag« www.glaube-am-montag.net wartet darauf, gefüllt zu werden mit Erfahrungen, die andere zur Nachahmung ermuntern. Selbstverständlich sind viele Ideen altbewährt. Wie könnte es anders sein, wenn wir von der Bewegung von Mensch zu Mensch reden, die seit 2.000 Jahren die Welt verändert? Ob alt bekannt oder absolut innovativ: Entscheidend ist einzig die Verbindung von Hören, Aufnehmen, Wahrseinlassen und Weitergeben. So bleibt der Glaube lebendig. Und so wächst Gemeinde.

Bischöfin Rosemarie Wenner