Weihnachtsgruß

Weihnachtsgruß von Bischöfin Rosemarie Wenner

»Friede auf Erden«, sangen die Engel über den Feldern von Bethlehem. Doch wir erleben das Gegenteil.

An die schrecklichen Kämpfe in Syrien haben wir uns 2012 gewöhnen müssen.  Meistens  werden die Opfer in den täglichen Nachrichtensendungen nur noch kurz erwähnt. Der Amoklauf in einer Grundschule im beschaulichen Newtown in den USA zeugt davon, dass wir auch an vermeintlich sicheren Orten von Gewalt  bedroht sind. Viele Menschen in unserer nächsten Nähe leiden unter kaputten Beziehungen oder gehören zu zerstrittenen Gemeinden.

Auch bei Jesu Geburt waren die äußeren Bedingungen alles andere als friedlich. Wegen der Launen der römischen Besatzungsmacht musste Maria ihr Kind in Bethlehem zur Welt bringen. Der jüdische Herrscher Herodes sah seine Macht von dem Neugeborenen in Frage gestellt, so dass er Todesschwadronen aussandte. Maria und Josef flohen  mit ihrem Baby nach Ägypten. Ist der weihnachtliche Frieden ein Traum? Sind unsere Gottesdienste lediglich rührselige Inszenierungen, die nichts mit dem wahren Leben zu tun haben? Nein. In jedem Menschen, der sich vom Gotteskind berühren lässt, wird Liebe erweckt, Liebe die mitleidet, wenn Menschen gequält, gedemütigt und bedroht werden.  Aus Liebe wird Mut, gewaltfreie Konfliktlösungen einzuüben. Die Evangelisch-methodistische Kirche in den USA nutzt zum Beispiel das Erschrecken über das Schulmassaker, um sich für strengere Gesetze zum privaten Waffenbesitz einzusetzen. Sie riskiert Auseinandersetzungen mit denen, die Gewalt mit Gewalt zu besiegen suchen.

Das Leiden am Unfrieden wird weitergehen, solange diese Erde besteht. Doch der Friede, der mit Christi Geburt Gestalt nahm, breitet sich ebenfalls aus, zart und stark, in jedem Menschen, der sich Jesus zuwendet und in Jesu Spur geht.

Ich wünsche friedvolle und gesegnete Weihnachtstage.

Bischöfin Rosemarie Wenner