Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Thelogische Ausbildung

Wofür wir danken können

Gründe zum Danken gibt es viele. Bischöfin Rosemarie Wenner erinnert an die Geschichte des Theologischen Grundkurses, den verschiedene Freikirchen gemeinsam veranstalten.

Dabei lernen die Teilnehmer auch, was gelebte Ökumene ausmacht.

Am 1. September wurde in der Begegnungsstätte Schwarzenshof das 40-jährige Jubiläum des Theologischen Grundkurses gefeiert. Es trafen sich Menschen, die dankbar erzählten, wie dieser Kurs ihr Leben verändert hat. Sogar aus der ersten Kursreihe, die 1973 begann, waren zwei Lehrer und drei Teilnehmer dabei. 1972 wurde der Theologische Grundkurs von der EmK und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR entwickelt, um Laien in theologischen Themen zu schulen.

1973 begannen der erste Nordkurs in Berlin und der erste Südkurs in Chemnitz, jeweils 50 Leute konnten dabei sein. Seither hat sich in der Gesellschaft und in den Kirchen vieles verändert. Der Theologische Grundkurs wurde in den Westen exportiert und wird inzwischen an unterschiedlichen Orten in ganz Deutschland angeboten. Ein solches Lernangebot ist heute mindestens so nötig wie 1972! Wenn Kirche in der Gesellschaft immer mehr zur Randerscheinung wird, braucht es Menschen, die den Glauben durchdacht haben und sprachfähig sind – schließlich sind alle Christen zur Mitarbeit im Reich Gottes berufen.

Was macht das Besondere des Theologischen Grundkurses aus? Das »Geheimnis« scheint in der gründlichen Auseinandersetzung mit der Bibel und in der intensiven Weggemeinschaft mit anderen Christen zu liegen. Eine Gruppe neugieriger Menschen aus allen Berufsgruppen macht sich auf eine spannende und dann und wann aufregende Entdeckungsreise. In Kurstreffen und zu bearbeitenden Lehrbriefen vertiefen sie sich eineinhalb Jahre lang in die Fächer Altes Testament, Neues Testament, Praktische Theologie und Theologische Fragen. Etliche Teilnehmer erwerben später die Anerkennung als Laienprediger, andere wollen für ihre Arbeit in Hauskreisen und Gemeindegruppen dazulernen, manche lassen sich in den hauptamtlichen Dienst in der Kirche rufen und wieder andere absolvieren den Kurs einfach nur, weil sie sich intensiv mit Glaube, Bibel und Kirche auseinandersetzen wollen. Wer Feuer gefangen hat, meldet sich zu einem Aufbaukurs an.

Eine Besonderheit sei nochmals ausdrücklich hervorgehoben: Im Theologischen Grundkurs arbeiten Freikirchen zusammen, die in der Theologie und dem Kirchenverständnis unterschiedlich sind. Die Planungs- und Entscheidungswege sind komplizierter als bei Angeboten, in denen wir Methodisten »unter uns« sind. Aber wir sparen Ressourcen und wer den Kurs besucht, gewinnt automatisch auch an ökumenischer Kompetenz. Ob ein solches Miteinander Schule machen könnte? »Ökumene jetzt«, riefen uns in diesen Tagen prominente Mitchristen zu. Ein Beitrag zur Einheit der Kirchen ist die verbindliche Zusammenarbeit an allen Stellen, an denen uns die noch immer trennenden Lehrunterschiede nicht zu Eigenem zwingen. Was beim Theologischen Grundkurs gelingt, könnte in vielen Bereichen Schule machen. Auch die Kirchengemeinschaft, die wir mit den Landeskirchen schon vor 25 Jahren offiziell erklärt haben und für die wir Gott in diesen Tagen in gemeinsamen Abendmahlsgottesdiensten danken, braucht lebendige Zusammenarbeit.

Übrigens: Im November beginnt der nächste Ostkurs des Theologischen Grundkurses in Schwarzenshof. Wer Gott, die Bibel und sich selbst besser kennen lernen will, sollte das Angebot unbedingt prüfen.

Bischöfin Rosemarie Wenner

www.thgk.de

Foto: Claus Kellner / Medienwerk der EmK