Gesangbuch

48 Lieder neu mit ö-Zeichen

Rund 160 Lieder stimmen in Text und Melodie mit Liedern aus anderen Gesangbüchern überein – auch mit dem der EmK.

Am ersten Advent wird in vielen katholischen Gemeinden Deutschlands und Österreichs ein neues Gebet- und Gesangbuch in Gebrauch genommen. Das »Gotteslob« erscheint nach zehnjähriger intensiver Zusammenarbeit aller deutschsprachigen Diözesen außerhalb der Schweiz. Dort hat man schon 1998 ein neues Gesangbuch eingeführt, das in enger Zusammenarbeit mit dem Reformierten Gesangbuch zeitgleich fertig wurde.

Rund 160 Lieder erhalten das von der Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut (AÖL) erarbeitete Prädikat »ö«. Lieder, die mit einem ö-Zeichen im Inhaltsverzeichnis und/oder bei den Liednummern versehen sind, stimmen in Text und Melodie überein und können so auch aus verschiedenen Gesangbüchern gesungen werden. Gibt es Abweichungen in der Strophenzahl oder im Text, so steht jeweils ein »(ö)«.

Die AÖL besteht seit 1969 und setzt sich aus Delegierten der deutschsprachigen Länder und verschiedener Konfessionen zusammen. Sie hat schon viele für den deutschsprachigen Raum gemeinsame Liedfassungen erarbeitet. Ursprünglich ging es darum, die Texte der Lieder aus der Reformationszeit und den Jahrhunderten danach ökumenisch singbar zu machen. Eine ganze Reihe Lieder aus diesen Zeiten enthalten in ihren Texten deutliche Abgrenzungen bis Verunglimpfungen des Glaubens anderer Konfessionen. In den letzten beiden Jahrzehnten bemühte sich die AÖL vor allem darum, neuere Lieder für das gemeinsame Singen zu adaptieren und anzuerkennen.
Mit dem Erscheinen des neuen Gotteslob wurden die Lieder des Gesangbuches der EmK (EM) noch einmal auf ihre ökumenische Singbarkeit hin überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass zu den bestehenden 163 Liedern mit ö oder (ö) weitere 48 Lieder neu hinzukommen. Darüber hinaus erhalten 12 Lieder ein ö oder werden von (ö) auf ö gestuft, da inzwischen die Regelungen betreffend Notation der Melodien etwas weniger streng gehandhabt werden. Eines der neuen ö-Lieder, das auch im neuen Gotteslob zu finden sein wird, ist „Näher, mein Gott, zu dir“ in der Übersetzung von Erhardt Friedrich Wunderlich. Es ist das einzige Lied aus dem Stammteil des Gotteslob, das methodistische Wurzeln hat.

Eine Liste mit den Liedern, die nun das ö-Zeichen erhalten haben, wird in der nächsten und letzten Lieferung des Werkbuchs zum EM abgedruckt sein. Diese Begleitpublikation, die während der letzten 11 Jahre erschienen ist, kommt damit zu einem (vorläufigen) Abschluss. Es wurde darauf geachtet, dass darin besonders diejenigen Lieder kommentiert und aufgeschlüsselt werden, zu denen es in anderen Publikationen wie der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch für Deutschland oder dem Ökumenischen Liedkommentar für das Reformierte und Katholische Gesangbuch der Schweiz, keine Hinweise oder Hintergründe gibt. Darüber hinaus enthält das Werkbuch eine Fülle von Materialien zur Gottesdienstgestaltung oder weitere Hinweise zu Grundsatzfragen des Singens in der methodistischen Tradition.

Esther Handschin