Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Aufbruch in die Freiheit

Wir als EmK geben mehr Kirchen auf, als dass wir neue öffnen. Aber es gibt auch andere Beispiele, wie Bischöfin Rosemarie Wenner berichtet.

Dabei wird klar: Manchmal müssen wir Altes aufgeben, um frei zu werden für das, was Gott heute schaffen will. Und das gilt über finanzielle Fragen hinaus.

Es war einmalig: Im Advent 2012 durfte ich an drei Sonntagen nacheinander Einweihungen von neu gestalteten EmK-Kirchen feiern. Am ersten Advent fand in Bremerhaven die Wiedereinweihung der Friedenskirche statt. Für dieses Gebäude hatte es bereits einen Verkaufsbeschluss der Bezirkskonferenz gegeben. Denn die Kirche war zu groß und die klein gewordene Gemeinde hatte zu wenig Geld für notwendige Sanierungen. Doch dann fand man keine geeigneten Mieträume und die Gemeinde begann wieder zu wachsen. So ging man das Wagnis ein, die alte Kirche rundzuerneuern.

Als neue Gemeindeglieder und alt eingesessene Methodisten bezeugten, wie sie in der Friedenskirche Gott erleben, wurde anschaulich, wie diese Gemeinde ihren Auftrag versteht: Sie bietet heilende Gemeinschaft für eine gebeutelte Stadt. »Mitglaubkirche« ist der Slogan, mit dem die Bremerhavener einladen. Bei vielen Gelegenheiten feiern sie Gottesdienste außerhalb des Kirchengebäudes.

Am zweiten Advent weihte die EmK in Pliezhausen bei Reutlingen ihre neuen Räume ein. In einem einladend gestalteten Anbau an die frühere Kirche wird jetzt Gottesdienst gefeiert. Außerdem gibt es schöne und zweckmäßige Räume für Gruppenarbeit. Die Kirche ist mitten im Dorf geblieben und man wirbt dafür, dass viele die Begegnungsmöglichkeiten mit Gott und miteinander nutzen. Bis zum letzten Tag vor der Einweihung waren Freiwillige in der Kirche tätig, wurde doch sehr viel in Eigenarbeit fertig gestellt. Und die Methodisten in Pliezhausen wollen, dass die Kirche Baustelle bleibt! Schließlich geht es darum, dass viele am Reich Gottes weiterbauen.

Die Einweihung der Erlöserkirche in München beendete am dritten Advent diesen besonderen Festreigen. Die Gemeinde brauchte mehr Platz, deshalb wurde ein Ortswechsel nötig. Jetzt möchte sie Kirche für alle Interessierten im Stadtteil München-Moosach sein. Deshalb gingen dem Einweihungsgottesdienst ein Tag der offenen Tür und ein Benefizabend voraus. Besondere Schwerpunkte bilden Angebote für Kinder und Teenager wie ein Indoor-Spielplatz oder Taekwondo-Kurse.

Ich habe diese drei Sonntage genossen, konnte ich doch miterleben, wie Neues wächst. Es ist mir wohl bewusst, dass wir mehr Kirchen schließen als neue bauen. Manchmal werden alte Gebäude verkauft, damit wir uns neue Gemeindezentren leisten können. Doch nicht nur in finanzieller Hinsicht kann eines das andere bedingen. Manchmal müssen wir Altes aufgeben, um frei zu werden für das, was Gott heute schaffen will.

»Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir«, heißt es in der Jahreslosung für 2013, nachzulesen in Hebräer 13,14. Abschiede gleich welcher Art – ob von Menschen, von Gebäuden, die geistliche Heimat boten, oder auch von Veranstaltungen, die uns wertvoll waren, – tun weh. Doch in Jesu Spur sind wir gerufen, Gottes Zukunft entgegenzuleben. Ich bete dafür, dass Gott uns Aufbrüche erleben lässt, in neuen oder in alten Gebäuden und wenn wir aus den Kirchengebäuden hinausgehen, um Christus zu bezeugen!

Bischöfin Rosemarie Wenner

Foto: Claus Kellner / Medienwerk der EmK / Karte : CIA