Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Bischöfin Rosemarie Wenner

Den Anfang durchhalten

Der Jahreswechsel ist für viele Menschen die Zeit für gute Vorsätze. Aber oft versanden die Pläne rasch wieder. Ein neues Jahr bringt nur dann Veränderungen, wenn wir sie aktiv angehen, sagt Bischöfin Rosemarie Wenner.

Sie ermutigt uns, innezuhalten und im Hören auf Gottes Wort Wegweisungen auch für das neue Jahr zu erwarten.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne«, schreibt Hermann Hesse in seinem Gedicht »Stufen«. Von diesem Zauber spüre ich etwas am Neujahrsmorgen. Ich tausche die Kalender in unserer Wohnung aus. 365 Tage mit vielen Möglichkeiten liegen vor mir. Ich bin gespannt! Mein Verstand sagt mir allerdings, dass die neue Jahreszahl so ziemlich das Einzige ist, was sich wirklich ändert beim Übergang ins neue Jahr. Die guten Vorsätze, mit denen ich starte, tragen nur dann, wenn ich schlechte Gewohnheiten lasse. Neu anfangen bringt Veränderungen mit sich, die Mühe erfordern. In Jesu Nachfolge gibt es viele Gelegenheiten, Loslassen einzuüben und Neues zu wagen. Drei Beispiele möchte ich erwähnen.

Im Jahr 2013 konnten wir bei den Gottesdiensten zum Abschluss der Jährlichen Konferenzen in Braunfels, Cranzahl und Karlsruhe jeweils zwei Menschen zum Dienst als Pastoren und Pastorinnen ordinieren. Dies markierte den Abschluss ihrer langen Ausbildung und ihr Ja zu einem Weg, der immer wieder Aufbrüche erfordern wird. Die jungen Pastoren und Pastorinnen haben es ständig mit neuen Herausforderungen zu tun, die es theologisch zu durchdenken gilt. Es erfordert Kreativität und Können, Gemeinden so zu leiten, dass sie ihrem Auftrag folgen. Das Gehaltsniveau ist niedrig und man muss beweglich genug sein, um sich alle paar Jahre an einen neuen Ort senden zu lassen. Gott sei Dank lassen sich immer wieder Menschen in diese schwere, aber auch sehr schöne Aufgabe rufen.

Im Sommer nahm ich am Jahresfest im Lebenszentrum Ebhausen teil. Ehemalige Bewohner erhielten Urkunden für fünf, elf oder gar 20 Jahre ohne Alkohol und Drogen. Als diese Menschen den Entzug durchstanden und eine Therapie machten, fing ein neues Leben für sie an. Dieser Anfang muss nun durchgehalten werden. Trockene Alkoholiker sagen täglich »Nein« – zum Gläschen Sekt bei der Geburtstagsparty des Freundes, zur leckeren Schwarzwälderkirschtorte oder zum schönen Glas Wein am Abend. Die ehemaligen Bewohner haben es wirklich verdient, einmal im Jahr dafür geehrt zu werden, dass sie den neuen Weg konsequent gehen und sich Menschen suchen, die sie darin unterstützen.

Vor wenigen Wochen kam die Neuauflage des Arbeitsheftes »Ein Ja finden« in unsere Gemeinden. Es dient Menschen, die sich in die Evangelisch-methodistische Kirche aufnehmen lassen wollen, als Vorbereitungsmaterial. Wer auf Gottes Ja antwortet und sich in Christi Nachfolge rufen lässt, beginnt einen neuen Weg, der auch in die Gemeinschaft der Kinder Gottes hineinführt. Diese hat eine konkrete soziale Gestalt in einer Gemeinde, die zu einer bestimmten Kirche gehört. Wir brauchen Menschen, die die Evangelisch-methodistische Kirche mitgestalten. Wir laden deshalb zur Aufnahme in die Kirchengliedschaft ein, unter anderem auch mit dem gut gelungenen Heft »Ein Ja finden«.

Die neue Jahreszahl bringt keine wirkliche Veränderung. Der Jahresbeginn ist aber eine Chance, innezuhalten: Will ich wie bisher weiterleben? Täte mir ein Neuanfang gut? Wozu sage ich »Nein«, wozu »Ja«? Ich suche die Antworten im Hören auf Gottes Wort und im Gespräch mit anderen auf dem Weg durch 2014 und vertraue Gott, der uns in Christus nahekommt.

Bischöfin Rosemarie Wenner